Ein Elektroauto ist nicht automatisch umweltfreundlich und ein Benziner nicht automatisch ein Klimasünder. Der aktuelle Green-NCAP-Test zeigt, wie stark Gewicht und Effizienz die Bilanz beeinflussen. Besonders der neue Renault Clio schlägt sich ordentlich – an gute Elektroautos kommt er trotzdem nicht heran.
Großer Akku, kleines Auto, Hybrid, Diesel oder ganz klassisch Benzin: Wer wissen will, welches Auto tatsächlich die beste Umweltbilanz besitzt, kommt mit dem Blick auf den Verbrauch allein nicht besonders weit.
Green NCAP versucht deshalb, das Gesamtbild zu betrachten. Neben Schadstoffen und Energieeffizienz fließen auch die Treibhausgasemissionen über den gesamten Lebenszyklus in die Bewertung ein.
Und dabei zeigt die jüngste Testrunde etwas, das in der Diskussion über Antriebsarten gerne untergeht: Auch ein konventioneller Benziner kann vergleichsweise ordentlich abschneiden – wenn er klein, leicht und sparsam ist.
Clio schafft 3,5 Sterne
Bestes Beispiel ist der neue Renault Clio TCe 115. Der kompakte Franzose fährt mit einem Dreizylinder-Benziner ohne aufwendige Hybridtechnik vor und erreicht 62 Prozent der möglichen Punkte sowie 3,5 von fünf Sternen.
Bei den Schadstoffen bekommt der Clio 6,8 von zehn Punkten, für die Energieeffizienz 7,1 Punkte. Schwächer fällt erwartungsgemäß die Klimabilanz aus: Hier erreicht er 4,9 Punkte.
Green NCAP zählt neben dem Clio auch Seat Ibiza und VW Polo zu den vergleichsweise umweltfreundlichen Kleinwagen mit reinem Benzinantrieb.
Leicht allein reicht nicht
Dass ein kleines Auto deshalb automatisch gut abschneidet, zeigt allerdings der MG3. Auch dessen 1,5-Liter-Benzin-Version bringt vergleichsweise wenig Gewicht auf die Waage. Trotzdem landet er lediglich bei 51 Prozent und drei Sternen.
Der Grund: höherer Verbrauch sowie auffällige Partikel- und Kohlenmonoxid-Emissionen beim Kaltstart. Gerade dort zeigt sich, dass der reine Normverbrauch nur einen Teil der Umweltwirkung eines Autos beschreibt.
Noch weiter zurück liegen größere Fahrzeuge. Der VW Tiguan 2.0 TDI kommt auf 48 Prozent, der Kia K4 mit 1,6-Liter-Benziner auf 46 Prozent.
Elektro bleibt deutlich vorne
So respektabel der Clio abschneidet: Beim Vergleich mit guten Elektroautos bleibt ein klarer Abstand. Der Kia EV4 erreicht im Green-NCAP-Test 90 Prozent und fünf Sterne, der Mazda 6e kommt auf 85 Prozent und 4,5 Sterne.
Damit bestätigt sich erneut das Muster der Green-NCAP-Untersuchungen: Ein effizienter Verbrenner kann seine Umweltbelastung durch geringes Gewicht und niedrigen Verbrauch erheblich reduzieren. Die besten Elektroautos schneiden über die betrachteten Kriterien hinweg trotzdem deutlich besser ab.
Auch Vollhybride haben ihre Berechtigung
Auch der Dacia Jogger Hybrid 155 stand auf dem Green-NCAP-Prüfstand. Der wesentlich größere Familienwagen erreicht im aktuellen Rating 64 Prozent – also zwei Punkte mehr als der Clio. Beim Jogger stehen 7,5 Punkte für saubere Abgase, 7,0 für Energieeffizienz und 4,7 für Treibhausgase in der Bilanz.
Damit zeigt sich ziemlich gut, was ein Vollhybrid leisten kann. Obwohl der Jogger größer und schwerer ist als der Clio, nutzt er insbesondere im Stadt- und Mischbetrieb die elektrische Unterstützung, um den Verbrennungsmotor häufiger in günstigen Betriebsbereichen laufen zu lassen.
Der Unterschied zum Clio ist allerdings kleiner, als man vielleicht erwarten würde. Bei der Energieeffizienz liegt der reine Benziner mit 7,1 Punkten sogar hauchdünn vor dem Jogger mit 7,0. Auch bei den Treibhausgasen erreicht der Clio mit 4,9 gegenüber 4,7 Punkten den etwas besseren Einzelwert. Der Jogger holt seinen Gesamtvorsprung vor allem mit der besseren Schadstoffbewertung.
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