BMW & Rimac an Bord

Ausgerechnet elektrisch: Ölstaat startet Automarke

Motor
23.09.2026 00:01
Porträt von krone.at
Von krone.at

Saudi-Arabien hat mit Autos bislang vor allem eines gemacht: sie gekauft. Und das Erdöl für ihren Betrieb gefördert. Das soll sich ändern: Es soll eine eigene Automobilindustrie entstehen – und deren erstes weithin sichtbares Produkt ist kein V8-Geländewagen, sondern ein Elektroauto. Dabei stehen große europäische Namen im Stammbuch.

Die neue Marke heißt Ceer, wurde 2022 gegründet und ist ein Gemeinschaftsunternehmen des staatlichen Public Investment Fund PIF und des taiwanischen Elektronikkonzerns Foxconn. Nun hat Ceer seine ersten Serienfahrzeuge präsentiert: Unter dem Namen Exobot kommen eine große Limousine und ein SUV. Die Produktion soll im neuen Werk in King Abdullah Economic City an der Küste des Roten Meeres erfolgen, die ersten Auslieferungen sind für Anfang 2027 vorgesehen.

Größer als eine S-Klasse
Bescheiden beginnt Saudi-Arabien seine Autokarriere nicht. Die Exobot-Limousine ist 5,26 Meter lang und 2,10 Meter breit, das SUV misst 5,02 Meter. Ceer positioniert beide Fahrzeuge klar im Luxussegment.

Zum Start gibt es eine limitierte First Edition. Drei Elektromotoren sorgen für Allradantrieb, zusammen leisten sie 850 PS und 1000 Nm. Die Limousine soll damit in 2,6 Sekunden von null auf 100 km/h sprinten, das SUV braucht 2,9 Sekunden.

(Bild: Ceer)

Die Batterie fasst 112 kWh. Ceer nennt für die Limousine bis zu 670 Kilometer, für das SUV 560 Kilometer Reichweite – allerdings nach dem weniger strengen NEDC-Zyklus. Um auf WLTP-Werte zu kommen, muss man grob geschätzt rund 15 bis 20 Prozent abziehen. Die 800-Volt-Architektur soll eine Ladung von zehn auf 80 Prozent in weniger als 30 Minuten ermöglichen. Die maximale Ladeleistung soll 250 kW betragen.

Drei Meter lange Türen
Ein unübersehbarstes Detail sind die Türen. Ceer nennt sie „Shahin Wing Doors“, benannt nach einem Falken. Sie sind fast drei Meter lang, am Dach angeschlagen und schwenken nach oben. Trotz ihrer Größe sollen sie beim Öffnen seitlich nur rund 60 Zentimeter Platz benötigen.

Auch sonst ist Zurückhaltung nicht unbedingt das Designprinzip. Die Windschutzscheibe ist 2,4 Meter lang, im Innenraum zieht sich ein gebogenes 48-Zoll-Display mit 8K-Auflösung praktisch über die gesamte Fahrzeugbreite. Gesteuert wird es unter anderem über einen weiteren 10,4-Zoll-Bildschirm in der Mittelkonsole; für Fondpassagiere gibt es zusätzlich ein Acht-Zoll-Display.

(Bild: Ceer)
(Bild: Ceer)

Lenken ohne Lenksäule
Technisch geht Ceer ebenfalls weit. Die Lenkung arbeitet nach dem Steer-by-Wire-Prinzip, eine mechanische Verbindung zwischen Lenkrad und Vorderachse gibt es also nicht. Statt eines klassischen Lenkrads sitzt ein Yoke vor dem Fahrer. Ceer reduziert den gesamten Lenkwinkel dabei von rund 400 auf 160 Grad. Zusätzlich lenken die Hinterräder mit.

Hinzu kommen aktive Fahrwerkssysteme und Torque Vectoring. Ceer kündigt außerdem noch stärkere Varianten an: In der höchsten Ausbaustufe sollen 1111 PS und 1500 Nm möglich sein, womit die Limousine nach Herstellerangaben in 2,1 Sekunden auf 100 km/h beschleunigen soll. Diese Werte beziehen sich allerdings nicht auf die zunächst angebotene First Edition.

(Bild: Ceer)
(Bild: Ceer)

Gebaut für 65 Grad im Innenraum
Dass der Exobot nicht einfach für Europa entwickelt und anschließend nach Saudi-Arabien verschifft wird, zeigt ein anderes Detail. Das Auto wurde speziell für die extremen Temperaturen der Golfregion ausgelegt.

Ceer verspricht, dass die Klimaanlage einen auf 65 Grad aufgeheizten Innenraum innerhalb von zehn Minuten auf 32 Grad herunterkühlen kann. Spezielle Beschichtungen und mehrfach beschichtete Scheiben sollen zugleich möglichst viel Sonnenwärme draußen halten.

Technik aus aller Welt
Ceer ist ein Gemeinschaftsunternehmen des saudi-arabischen Staatsfonds PIF und des taiwanischen Elektronikkonzerns Foxconn. Letzterer steuert genauso Fahrzeugtechnik bei wie auch BMW, Rimac und Hyundai Transys. Zu den weiteren Partnern zählen unter anderem Sabelt, Lear und Benteler.

Gefertigt werden die Fahrzeuge in Saudi-Arabien. Das neue Werk in King Abdullah Economic City umfasst mehr als eine Million Quadratmeter Grundstücksfläche. Ceer verfolgt dabei auch das Ziel, immer mehr Komponenten lokal fertigen zu lassen; bis 2034 sollen 45 Prozent lokaler Wertschöpfungsanteil erreicht werden.

Sieben Modelle bis 2030
Beim Exobot soll es nicht bleiben. Sieben Modelle sind bis 2030 geplant, darunter künftig auch kleinere Fahrzeuge. Interessant dabei: Ceer will sich langfristig offenbar nicht ausschließlich auf Elektroautos beschränken. Laut Reuters sind neben batterieelektrischen Modellen auch Plug-in-Hybride und Verbrenner vorgesehen – je nachdem, was der Markt verlangt.

Preise für den Exobot hat Ceer noch nicht veröffentlicht, und auch ein Export nach Europa ist derzeit nicht angekündigt. Ab 2028 will das Unternehmen zunächst in weitere Märkte der Region expandieren. 

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