32 Winterreifen in zwei Dimensionen, nur sechsmal die Note „gut“ – und von fast der Hälfte sollte man die Finger lassen. Der aktuelle ÖAMTC-Test zeigt mehr denn je, dass man genau prüfen muss, welche Gummis man sich ans Auto schrauben lässt. Selbst manche Markenreifen enttäuschen.
Ein Winterreifen muss vieles können: Auf Schnee greifen, auf nasser Fahrbahn bremsen, bei trockener Straße stabil bleiben – und nach Möglichkeit auch noch lange halten. Genau an dieser Ausgewogenheit scheitern im aktuellen Winterreifentest 2026 erstaunlich viele.
Diesmal haben der ÖAMTC und seine Partnerklubs haben insgesamt 32 Fabrikate in zwei verbreiteten Dimensionen getestet: 185/65 R15 für kleinere Fahrzeuge sowie 225/50 R17 für die Mittelklasse.
Das Ergebnis fällt ernüchternd aus: Nur sechs Reifen erhalten die Gesamtnote „gut“. Zwölf landen bei „befriedigend“. Sechs schaffen lediglich ein „genügend“, also so etwas wie „durchgefallen mit Mascherl“. Gleich neun Modelle werden mit „nicht genügend“ bewertet.
Damit fällt mehr als jeder vierte getestete Reifen glatt durch, insgesamt 47 Prozent bekommen ein schlechtes Zeugnis.
Diese Reifen überzeugen
In der größeren Dimension 225/50 R17 schaffen vier Modelle die Note „gut“: der Pirelli Cinturato Winter 3, der Continental WinterContact TS 870, der Goodyear UltraGrip Performance 3 und der Michelin Alpin 7. Dabei überrascht besonders der Pirelli, der noch nicht allzu oft als Testsieger dastand.
Bei den kleineren Reifen im Format 185/65 R15 sieht es deutlich dünner aus. Hier erhalten lediglich der Continental WinterContact TS 870 und der Michelin Alpin 7 ein „gut“. Schon der Drittplatzierte von Hancook fällt deutlich ab.
Damit stehen zwei bekannte Premiumreifen tatsächlich an der Spitze. Der Test zeigt allerdings gleichzeitig, dass ein großer Markenname keineswegs automatisch ein hervorragendes Ergebnis garantiert.
Billige überraschen – bekannte Namen enttäuschen
Gerade bei den 185ern wird es interessant. Der Linglong Sport Master Winter und der Optimo Winter Touring OW41 landen im Mittelfeld mit „befriedigend“ – und damit noch vor mehreren etablierten Marken.
Goodyear kommt in dieser Dimension ebenfalls nur auf „befriedigend“, Bridgestone, Nokian und Vredestein schaffen sogar lediglich ein „genügend“. Auch der GT Radial WinterPro2 Evo liegt mit „befriedigend“ davor.
Das bedeutet allerdings nicht, dass Billigreifen generell die bessere Wahl wären. Der Test zeigt vielmehr, dass weder der bekannte Markenname noch ein niedriger Preis allein etwas über die Gesamtqualität aussagen.
Bei Nässe werden die Unterschiede dramatisch
Die wichtigste Trennlinie verläuft auf nasser Fahrbahn. Mehrere Reifen kassieren gerade wegen ihrer schwachen Nassperformance ein „nicht genügend“. Wie groß die Unterschiede sein können, zeigt der Bremsversuch besonders eindrucksvoll: Während die besten Reifen bereits stehen, sind die schlechtesten im selben Moment noch mit fast 50 km/h Restgeschwindigkeit unterwegs.
Schnee-König kann trotzdem durchfallen
Interessant ist, dass der beste Reifen auf Schnee letztendlich das Schlusslicht des gesamten Tests bildet. Diese Bewertung ist folgerichtig, da europäische Kunden wohl kaum hauptsächlich am Nordpol spazieren fahren, sondern auf hiesigen Straßen – und hier ist Schnee eher die Ausnahme als die Regel.
Es geht um den Sunwide Snowide, der in der Dimension 225/50 R17 ausgerechnet auf Schnee die beste Bewertung des gesamten Feldes erhielt. Wegen deutlicher Schwächen auf trockener und nasser Fahrbahn lautet das Gesamturteil trotzdem: „nicht genügend“.
Ähnliches passiert beim kleineren Rockblade Rock 868S. Auch dieser Reifen liefert auf Schnee die beste Leistung seines Testfeldes – fällt aber aufgrund gravierender Probleme auf trockener und insbesondere nasser Fahrbahn ebenfalls durch.
Auch die Lebensdauer zählt
Neben der Fahrsicherheit bewertet der Test auch Umweltaspekte wie Laufleistung, Reifenabrieb, Effizienz und Geräuschentwicklung.
Hier fällt besonders die kleinere Dimension negativ auf. Kein einziger 185/65-R15-Reifen erreicht in der Umweltbilanz eine gute Gesamtwertung. Ein wesentlicher Grund ist die vergleichsweise geringe prognostizierte Laufleistung. Im Durchschnitt kommen die getesteten Reifen dieser Größe auf rund 31.000 Kilometer.
Bei den größeren 225/50-R17-Reifen gelingt einigen Modellen dagegen eine bessere Kombination aus Fahrsicherheit und Umweltperformance.
Abschließender Tipp von ÖAMTC-Reifenexperte Steffan Kerbl: „Gerade im Winter kommen die unterschiedlichsten Fahrbahneigenschaften vor. Entsprechend wichtig ist ein ausgewogener Reifen, der unter allen Bedingungen funktioniert.“ Dabei gelte vor allem im Winter: Am wichtigsten ist ein gutes Fahrverhalten auf Nässe.
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