So aggressiv ist nicht einmal der Clio R.S. aufgetreten, der ein echter Sportler war. Nun gibt schon das Basismodell mit 114 PS den Bad Boy mit Alfa-Romeo-Attitude. Auch wenn der Rhombus statt des Scudetto die Front ziert – das Design würde auch einem Vertreter der italienischen Marke gut stehen.
Es gibt viel zu sehen und zu entdecken am neuen Clio, aber nichts wirkt überdesignt oder übertrieben. Er hat nach 17 Millionen verkauften Exemplaren und 35 Jahren einfach komplett seinen Charakter geändert. Bis hin zu 19 Zoll großen Rädern mit Niederquerschnittreifen.
Die faktischen Veränderungen sind weniger gravierend, aber dennoch deutlich. Der Clio ist in allen Dimensionen gegenüber dem Vorgänger gewachsen: in der Länge um fast sieben Zentimeter auf 4,12 Meter, in der Breite um vier Zentimeter auf 1,77 Meter. Hoch ist er jetzt 1,45 Meter, der Radstand wuchs minimal auf 2,59 Meter. Dennoch ist er kein Raumwunder. Groß gewachsene Rückbankpassagiere müssen sich mit den vorn Sitzenden arrangieren. Im Kofferraum passen 391/1176 Liter (Benziner) oder 309/1094 Liter (Hybrid) hinter die hohe (und tiefe) Ladekante.
Stylisches Interieur
Das Layout im Cockpit entspricht grundsätzlich R4 und R5, inklusive dem unpraktischen Lenkstockhebel-Mikado rechts hinterm Lenkrad. Zwei 10-Zoll-Screens sind zu einem großen zusammengefasst (Tachodisplay im Basismodell nur sieben Zoll groß), das Bediensystem ist Google-basierend, samt -Maps und -Services, auf die man nur im Basismodell verzichten muss (macht nichts, es gibt Apple CarPlay/Android Auto).
Unangenehm sind die hinterleuchteten Plastikelemente in den Türen, die auch auf dunkelster Stufe die Person, die daneben sitzt, nachts blenden. Abhilfe schafft nur Abschalten. Die „My Safety“-Taste versöhnt zumindest den Fahrer – damit kann man per Doppelknopfdruck eine selbst zusammengestellte Assistenten-Konfiguration abrufen.
Zwei Antriebe, drei Getriebe
Der 67 PS schwache Basisbenziner ist rausgeflogen, auch einen Diesel gibt es nicht. Der Dreizylinder-Benziner leistet 114 PS und kommt wahlweise mit manuellem Sechsganggetriebe oder Doppelkupplungsautomatik mit sechs Fahrstufen. Der für den Videofahrbericht gefahrene „Full Hybrid E-Tech 160“ leistet insgesamt 158 PS, die sich aus den 109 PS des 1,8-Liter-Vierzylinders und den 49 PS eines E-Motors addieren. Ein zusätzlicher Startergenerator sorgt für die Gangwechsel im automatischen Multimode-Getriebe, das aus zwei Übersetzungen für den E-Motor und vier für den Verbrenner insgesamt 15 Fahrzustände kombiniert.
Das Getriebe ist zwar manchmal nicht das Flotteste, variiert aber virtuos zwischen Elektro-, Verbrenner- und kombiniertem Betrieb. In der Stadt soll man bis zu 80 Prozent rein elektrisch unterwegs sein können. Tatsächlich scheint der E-Anteil sehr hoch zu sein. Es scheint sich auszuzahlen, dass sie die Batteriekapazität von 1,2 auf 1,4 kWh erhöht haben.
Gemäßigt gefahren (also überall strikt nach Tempolimit) lag der Testverbrauch bei 4,8 l/100 km. Der Realverbrauch kann leicht nach unten abweichen (bei Verzicht auf Autobahnfahrt nahe dem WLTP-Wert von 4,1 l/100 km), aber auch stark nach oben (bei Kälte und ungezügeltem Gasfuß).
Knackig, sportlich
Das Fahrwerk ist knackig abgestimmt, die Lenkung vermittelt Gefühl für die Straße. Sie ist deutlich direkter übersetzt als beim Vorgänger: Von ganz links nach ganz rechts kurbelt man jetzt 2,6 statt 3,3 Umdrehungen. Es macht Spaß, über kurvenreiche, verwinkelte Strecken zu wuseln, die 1,3 Tonnen Leermasse fallen nicht ins Gewicht. Und auch im Stadtverkehr spielt der Clio seine Stärken aus.
Wer es drauf ankommen lässt, sprintet in 8,3 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. Bei 180 km/h regelt der Begrenzer ab – mit Dauerruckeln.
Die Preise
Der Basispreis für den Renault Clio in Weiß mit Benziner und Handschaltung ist knapp 20.000 Euro, Automatik kostet 1500 Euro Aufpreis und der Hybrid ist ab knapp 24.500 Euro zu haben. Serienmäßig sind da eine manuelle Klimaanlage, Adaptivtempomat, kein Navi, aber drahtlose Handy-Integration, Parksensoren hinten, elektrische Fensterheber und LED-Scheinwerfer.
Die Ausstattung Techno kostet 2000 Euro extra und bringt unter anderem 16-Zoll-Alu- statt Stahlfelgen, Google-Navi und -Services, ein besseres Soundsystem, Rückfahrkamera, die blendende Ambientebeleuchtung und Klimaautomatik. Esprit Alpine hat dann um weitere 2000 Euro extra 18-Zöller, Assistenten von Querverkehr- und Totwinkelwarner bis Autopilot – der übrigens sehr gut funktioniert – und das drahtlose Handyladen.
Sitzheizung kostet auf allen Niveaus 250 Euro extra und Lenkradheizung gibt’s als Option überhaupt nur für den Hybrid in Esprit Alpine. So kommt der Testwagen auf insgesamt 31.000 Euro. Das ist viel für einen Kleinwagen, und wir liegen da mehr als 50 Prozent über dem Basispreis, aber es ist auch viel Ausstattung und allein die Sondermetallic-Lackierung Absolut-Rot kostet fast 1000 Euro.

Fahrzit
Hat der Clio das Bad-Boy-Image bekommen, weil er nur mit Verbrennern zu haben ist? Vielleicht. Aber zumindest als Hybrid kann man ihn wirklich sparsam fahren. Das hat natürlich seinen Preis. Der neue Renault Clio ist kein billiger Kleinwagen, aber er wirkt auch nicht billig. Wer einen derart sportlich gezeichneten Kleinwagen sucht, wird nich bei Alfa Romeo fündig – muss dort aber noch tiefer in die Tasche greifen.
Warum?
Aufregendes Design
Feines Fahrverhalten
Sparsamer Hybrid
Warum nicht?
Blendendes Ambiente-Licht
Oder vielleicht …
… Alfa Romeo Junior, Opel Corsa, Peugeot 208, VW Polo, Toyota Yaris, Skoda Fabia, Seat Ibiza
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