Eine rote Banderole mit goldener Schere durchschnitte, ein neuer Millionen-Landeplatz und ein Präsident vor laufender Kamera – eigentlich hätte Donald Trumps Auftritt im Weißen Haus am Montag reichlich Material für die TV-Sender geliefert. Doch seine Worte gingen dabei beinahe vollständig unter – schuld ist sein Disput mit allen großen US-Networks.
Trump eröffnete am Montag einen neuen Hubschrauberlandeplatz am Gelände des Weißen Hauses. Mit einer goldenen Schere durchschnitt der US-Präsident das rot-weiß-blaue Band und bezeichnete das rund sechs Millionen Dollar teure Projekt als „ein Kunstwerk“. Rund um ihn standen jene Bauarbeiter, die den Landeplatz errichtet hatten.
Es blieben nur die schönen Bilder
Doch wer Trumps Worte hören wollte, hatte ein Problem. Der neue Präsidentenhubschrauber Marine One stand hinter ihm mit laufendem Triebwerk – und war dabei so laut, dass Trumps Äußerungen auf dem vom Weißen Haus verbreiteten Bildmaterial kaum zu verstehen waren. Einen Fernsehton über ein professionelles Mikrofon gab es diesmal nicht.
Der Grund dafür ist der eskalierte Streit zwischen dem Weißen Haus und mehreren Medien. Alle großen US-Fernsehsender hatten am Montag die gemeinsame TV-Berichterstattung über Trump vorerst ausgesetzt. Hintergrund ist, dass das Weiße Haus CNN zuvor von der Berichterstattung ausgeschlossen hatte.
Ja, Sie hören richtig, nämlich (fast) nichts:
Auch kleine Sender können nicht aushelfen
Normalerweise wechseln sich ABC, CBS, CNN, Fox News und NBC bei der sogenannten TV-Pool-Berichterstattung ab. Ein Sender stellt dabei Kameras und Tontechnik zur Verfügung und verteilt das Bildmaterial anschließend an andere Medien. CNN wäre am Montag an der Reihe gewesen. Nachdem der Sender nicht zugelassen wurde, sollte es keinen Ersatz geben.
Damit fehlte beim Auftritt auf dem South Lawn auch jene Kamera samt Richtmikrofon, die Trumps Worte normalerweise für die anderen Sender aufzeichnet. Selbst C-SPAN, das regelmäßig Regierungsveranstaltungen überträgt, erklärte, ohne den Pool-Feed die Veranstaltung nicht zeigen zu können.
„Die Konsequenzen sind hier direkt zu sehen“
Besonders kurios zeigte sich die Situation bei Newsmax, einem Trump-freundlichen Sender. Während dennoch versucht wurde, den Termin zu übertragen, war von Trump kaum etwas zu verstehen. Ein Moderator stellte fest, dass es kein Mikrofon gebe, weil eben die Pool-Kameras fehlten. „Vielleicht ist das ein Beispiel dafür, dass es ein bisschen nach hinten losgeht“, sagte er. Die Konsequenzen seien „hier direkt zu sehen – man kann nicht hören, was der Präsident sagt“.
Ein weiterer Moderator meinte, der Ausschluss von CNN, MS NOW und Politico werde für das Weiße Haus „nicht gut ausgehen“ und diene letztlich dazu, die betroffenen Medien „zu beschämen“.
Sender mit eindeutiger Botschaft
Wie lange der TV-Blackout bei offiziellen Trump-Terminen anhält, ist derzeit offen. In einer gemeinsamen Erklärung betonten ABC News, CBS News, CNN, Fox News und NBC News: „Die Öffentlichkeit hat ein großes Interesse daran, genaue und unabhängige Informationen über ihre Regierung zu erhalten. Keine Regierung sollte eine Nachrichtenorganisation einschränken, weil sie mit deren Berichterstattung nicht einverstanden ist.“
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