Über zu wenig Platz hat sich in einem Škoda noch selten jemand beschwert, auf der Elektro-Seite hat den Tschechen eines jedoch bisher gefehlt: ein Siebensitzer. Das Strom-SUV Peaq räumt ab 2. Oktober damit geradezu selbstverständlich auf, eines hat uns bei der ersten Ausfahrt aber doch überrascht.
Mit Elroq und Enyaq hat sich Škoda zur Nummer 2 bei den E-Auto-Neuzulassungen in Österreich aufgeschwungen, nun wird mit dem Kompakt-SUV Epiq und dem XL-SUV Peaq noch draufgelegt. Letzterer ist als Elektro-Gegenstück zum Kodiaq zu verstehen, auf Wunsch gibt es nämlich eine dritte Sitzreihe.
Und um das gleich abzuhandeln: Ja, als Erwachsener lässt es sich für kürzere Strecke ganz hinten aushalten, grundsätzlich sind die Sitze sechs und sieben aber eher für Kinder gedacht. Die freuen sich dort hinten über eigene Becherhalter und USB-C-Anschlüsse. Außerdem gibt es von oben Licht, weil das riesige (optionale) Panoramaglasdach weit nach hinten reicht. Aber dazu später.
Viel länger als der Kodiaq
Für den Einstieg in Reihe drei braucht man übrigens keinen Yoga-Kurs, die hinteren Türen sind groß ausgefallen und öffnen sich weit. So großzügig kann ein Auto sein, wenn es 4,87 Meter lang ist, das sind 11,6 Zentimeter mehr als beim Kodiaq. Und der Radstand fällt mit 2,97 Metern sogar 17,4 Zentimeter länger aus als beim Verbrenner-Gegenstück. Damit rechnet uns Škoda vor, dass in Reihe zwei 5,8 Zentimeter mehr Beinfreiheit im Peaq herrscht, in der dritten Reihe sogar 8,4 Zentimeter mehr als im Kodiaq.
Der größte Kofferraum
Auch beim Stauraum wird nicht gekleckert: 935 Liter in der Fünfsitzer-Konfiguration bedeuten, dass der Peaq den größten Kofferraum im Škoda-Universum bietet. Ist die dritte Sitzreihe hochgeklappt, sind noch immer 299 Liter übrig. Die Rollo aus dem Heck kann man dann im 27 Liter großen „Frunk“ unter der Motorhaube verstauen. Sehr praktisch. Und wer noch mehr mitschleppen möchte – bittesehr: Bis zu 2 Tonnen Anhängelast sind drinnen, ein klappbare Anhängekupplung ist immer serienmäßig dabei.
Und zwar schon ab der Basis für 49.980 Euro, dem Peaq 60 mit NMC-Akkus mit 59 kWh Netto-Kapazität. Die sollen für bis zu 449 Kilometer reichen, mit 11 (AC) bzw. 160 kW (DC) geladen werden. Von 10 auf 80 Prozent Kapazität geht es dann in mindestens 27 Minuten. Die „kleine“ Batterie kommt immer in Verbindung mit einem 204-PS-Motor an der Hinterachse, der den 2,1 Tonnen schweren Peaq in 8,4 Sekunden von 0 auf 100 km/h schiebt. Bei Tempo 160 ist dann Endstation.
Heck- oder Allrad-Antrieb
Der größere 86-kWh-Akku kommt in zwei Ausführungen: Als Peaq 90 mit 286 PS am Heckmotor ab 61.190 Euro. Oder als 90x mit Allrad-Antrieb und 299 PS ab 64.190 Euro. Auch hier wird noch mit 400-Volt-Technik geladen, das bedeutet maximal 199 kW, so sind mindestens 28 Minuten für eine Ladung von 10 auf 80 Prozent nötig. Und weil der große Tscheche einen sensationellen Luftwiderstandsbeiwert von nur 0,249 bietet, geht es mit Peaq 90 bis zu 628 Kilometer weit. Mit dem 90x sind auch noch 597 Kilometer drinnen. Und maximal 180 km/h. Eine stromsparende Wärmepumpe ist beim 90er-Akku Serie, beim 60er optional.
Ein Pedal irritiert
Wie sich der Peaq fährt? Zuerst einmal sehr effizient, die 14,7 bis 15,8 kWh/100 km kann man schaffen. Überaus komfortabel werden Unebenheiten weggebügelt, trotzdem wird keiner auf den sieben Plätzen seekrank, die Lenkung arbeitet ausreichend exakt. So muss sich ein Auto für die Familie fahren. Zum Verzögern gibt es es mehrere Rekuperationsstufen, die auch auf Lenkrad-Paddles eingestellt werden können, bis hin zum One-Pedal-Drive. Bei der Abfahrt in den Tiroler Bergen fiel uns aber eines auf: Das Bremspedal am von uns getesteten Auto wies einen langen Pedalweg auf, an den Trommelbremsen am Heck sollte das aber nicht liegen.
Massage im Liegen
Liegen ist auch das Stichwort für den Innenraum: Škoda bietet sogar eine Liegefunktion der Sitze an, inklusive Massagefunktion und extra-weicher Polster für die vorderen Kopfstützen – wenn man das Relax Paket bestellt. Auch ein ausklappbares Tischchen gibt es für kurze Pausen. An Ablagen mangelt es nicht, zwei induktive Ladeschalen für Handys gibt es auch. Deren Magnet-Haltefunktion soll verhindern, dass die Telefone herumfliegen.
Beim Fahren blickt man auf ein 10,25 Zoll großen Tacho, das Infotainment ist 13,6 Zoll groß – und erstmals bei Škoda im Hochformat. Das System arbeitet auf Android-Basis, damit ist auch Google Maps an Board, obendrein versucht ein KI-Assistent namens Laura den Passagieren auch zu helfen. Wirklich hilfreich sind die großen Tasten für die Klima-Steuerung.
Öffnen mit dem Handy
Digital geht es dafür schon ins Auto, wenn man das möchte: Das Smartphone kann als „digital key“ verwendet werden, um die – erstmals bei Škoda versenkbaren – Türgriffe zu öffnen. Besonders stolz ist man aber auf das Panorama-Glasdach des Peaq: Statt einer klassischen Rollo kann man es elektrochromatisch abdunkeln, und zwar in mehreren Sektoren.
Fahrzit
Der Peaq bietet noch mehr Platz und zwei Sitze mehr als Škodas Elektro-Kassenschlager Enyaq. Mit knapp unter 50.000 Euro Einstiegspreis unterbietet er sein Verbrenner-Gegenstück Kodiaq, den er beim Platz ebenfalls einpackt. Dafür gibt es auch noch bis zu 640 Kilometer Reichweite und viel Komfort. Einzig die Bremsen sollten noch mit dem großen SUV mitwachsen.
Warum?
Viel Platz, bis zu sieben Sitze
Effizienter Antrieb, hohe Reichweite
Überaus Bedienerfreundlich
Warum nicht?
Langer Pedalweg auf der Bremse
Oder vielleicht?
KIA EV9, Hyundai Ioniq 9, Mercedes GLB, Peugeot e-5008, Xpeng G9, VW ID. Buzz
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