Der Vatikan ist nach Darstellung eines Experten eine wichtige Anlaufstelle der ethischen Debatte über Künstliche Intelligenz (KI) geworden, seit Papst Leo XIV. im Mai seine Enzyklika „Magnifica Humanitas“ veröffentlicht hat. Wie der Präventionsexperte Hans Zollner in Wien weiter sagte, finden in Rom nun laufend Tagungen statt. „Ich glaube nicht, dass es irgendeinen Staat auf der Welt gibt, wo so viel über KI geredet wird wie im Vatikan.“
„Er hat mit dieser Enzyklika eine weltweite Wirkung erzielt, die ihn als den moralischen Führer auch in dieser Diskussion platziert hat“, sagte Zollner, Professor an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom. Der deutsche Jesuit und Priester gilt als bedeutendster Experte für Kinderschutz und Missbrauchsprävention in der katholischen Kirche.
Nun kämen Vertreter der großen IT-Konzerne zu entsprechenden Gesprächen nach Rom, aber auch solche aus dem politischen Bereich, etwa jüngst die stellvertretende UNO-Generalsekretärin Amina Mohamed. Zollner gab gleichzeitig zu bedenken, dass jene Konzerne, die Künstliche Intelligenz vorantreiben, oft nur „Safewashing“ betrieben, wenn es um die ethischen Fragen rund um KI gehe. Letztlich sagten aber alle: „Wir müssen die Besten sein und die Ersten sein, weil sonst die anderen das übernehmen.“
Debatte über Kinder- und Jugendschutz
In diesem Zusammenhang wies Zollner auf die Fähigkeit der generativen KI hin, Kindermissbrauchsdarstellungen „extremster Natur“ herzustellen, „ohne dass irgendein menschliches Wesen dabei ist“: „Was das psychologisch bedeutet für mögliche Täter, wo kommt das vor?“ Er sehe darüber keine Debatte und auch kein Bemühen um gesetzliche Regelungen. Allerdings betonte Zollner, dass bedenkliche Entwicklungen auch nicht „durch Gesetze gestoppt“ werden können. Es brauche „Verantwortungsübernahme und ein Bewusstsein“.
Außerdem erinnerte er: „Der größte Teil vom Missbrauch, der heute geschieht an Kindern und Jugendlichen, ist von Kindern und Jugendlichen.“ Wenn einmal ein Bild online sei, könne man es nie wieder löschen. Er verwies auch auf Warnungen, dass Familien die Fotos ihrer Kinder nicht online stellen sollten, denn deren Gesichter könnten mittels KI in pornografische und Missbrauchsdarstellungen hineinmontiert werden.
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.