WG nach geplatzter Ehe

Honda und Nissan bauen nun doch gemeinsam Autos

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01.09.2026 09:58
Porträt von krone.at
Von krone.at

Die geplante Milliarden-Fusion endete im Streit. Jetzt rücken Honda und Nissan trotzdem erstaunlich eng zusammen: Ab 2029 sollen Autos beider Marken zentrale Computer, Betriebssystem und wesentliche Software teilen. Der Grund sitzt vor allem in China.

Vor eineinhalb Jahren wollten Honda und Nissan noch einen gemeinsamen Autokonzern schmieden. Daraus wurde nichts. Nun versuchen es die beiden Japaner mit einer Art technischer WG – und teilen ausgerechnet etwas, das bei Autos künftig mindestens so wichtig werden dürfte wie Motor und Fahrwerk: das digitale Nervensystem.

Beide Hersteller haben vereinbart, die nächste Generation sogenannter Software Defined Vehicles gemeinsam zu entwickeln. Dazu gehören zentrale Hochleistungsrechner und Zonen-Steuergeräte, Betriebssystem, Middleware und Teile der Fahrzeugsteuerung. Ab dem Geschäftsjahr 2029 sollen erste Modelle damit auf die Straße kommen.

Das bedeutet nicht, dass ein Honda künftig einfach ein Nissan mit anderem Logo wird. Design, Fahrwerk, Antrieb und Markencharakter können völlig unterschiedlich bleiben. Unter der Karosserie könnten beide aber auf einer eng verwandten Rechner- und Softwarearchitektur laufen.

Erst Hochzeit geplant, jetzt Zweckgemeinschaft
Ende 2024 hatten Honda und Nissan noch über eine Fusion verhandelt, die einen der größten Autokonzerne der Welt geschaffen hätte. Im Februar 2025 war das Projekt bereits wieder erledigt. Ein Streitpunkt: Honda wollte Nissan letztlich zur Tochter machen, während Nissan auf eine Partnerschaft unter Gleichberechtigten pochte.

Ganz voneinander los kamen die beiden trotzdem nicht. Schon nach dem Ende der Fusionsgespräche erklärten sie, bei Elektrifizierung und intelligenter Fahrzeugtechnik weiter zusammenarbeiten zu wollen. Jetzt wird klar, wie weit diese Kooperation gehen soll.

Die gemeinsamen Gegner sitzen vor allem in China. Hersteller wie BYD, Geely oder Xiaomi entwickeln neue Elektronik- und Softwarearchitekturen in enormem Tempo. Funktionen kommen per Update, künstliche Intelligenz zieht ins Cockpit ein und immer weniger, dafür leistungsfähigere Rechner steuern immer größere Teile des Autos.

Das kostet gewaltige Summen. Betriebssystem, Cybersecurity, Fahrerassistenz, Cloud-Anbindung und Updates müssen entwickelt und über Jahre gepflegt werden. Wer die Kosten über mehrere Millionen Autos verteilen kann, hat einen klaren Vorteil. Genau das wollen Honda und Nissan künftig gemeinsam tun.

Honda und Nissan kommen nicht mit leeren Händen
Honda besitzt mit ASIMO OS bereits ein eigenes Fahrzeugbetriebssystem für seine neue 0-Series. Es soll Infotainment, Fahrerassistenz und Fahrzeugfunktionen verbinden und kontinuierlich per Software aktualisiert werden.

Nissan arbeitet ebenfalls an einer zentralisierten Softwarearchitektur und spricht inzwischen sogar von „AI-Defined Vehicles“. Welche Teile dieser bestehenden Systeme in die gemeinsame Plattform einfließen, ist noch offen.

Und genau hier liegt ein Risiko: 2029 ist in der Softwarewelt ziemlich weit weg. Mercedes hat sein MB.OS bereits in Serie gebracht, Volkswagen entwickelt gemeinsam mit Rivian eine neue Architektur und chinesische Hersteller werden in den kommenden drei Jahren kaum langsamer werden. Honda und Nissan müssen also nicht nur gemeinsam entwickeln. Sie müssen gemeinsam schneller werden.

Mitsubishi könnte sich der Kooperation ebenfalls anschließen. Entschieden ist das noch nicht, logisch wäre es aber: Die Marke ist ohnehin eng mit Nissan verbunden.

Vielleicht war die geplatzte Fusion deshalb gar nicht das Ende der Geschichte. Honda und Nissan haben lediglich festgestellt, dass sie keinen gemeinsamen Vorstand und kein gemeinsames Firmenlogo brauchen, um dort zusammenzurücken, wo es wirtschaftlich besonders sinnvoll ist.

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