Der von der „Krone“ aufgedeckte Missbrauchsfall in der Kulturszene entwickelt sich zu einem der spektakulärsten Kriminalfälle der jüngsten Zeit. Ein Mutter-Tochter-Gespann wurde wegen „schwerer Erpressung“ angeklagt, Günther „Gunkl“ Paal wegen „Kindesmissbrauch“ und „Besitz von Missbrauchsdateien Unmündiger“ – beide Fälle werden zusammen verhandelt.
Rechtsanwalt Florian Höllwarth hatte am Mittwoch alle Hände voll zu tun. Nachdem die „Krone“ den neuen, erschütternden Fall um mutmaßlichen Kindesmissbrauch durch den Kabarettisten Günther Paal alias „Gunkl“ aufgedeckt hat, läutet im Minutentakt sein Mobiltelefon.
Erpressung lief seit über einem Jahr
Die Causa entpuppt sich wahrlich als einer der spektakulärsten Kriminalfälle der jüngsten Geschichte. Im Zentrum steht ein TV-Promi, der erpresst wurde und gleichzeitig Täter ist – wie nun bekannt wurde von der Mutter und der Oma des Kindes, das er Anfang 2025 missbraucht haben soll.
Es hat sich nicht um eine Vergewaltigung gehandelt und es war ein einmaliger Vorfall. Teils liegen die Vorwürfe 13 Jahre zurück.

Florian Höllwarth vertritt den beschuldigten TV-Star.
Bild: Horst Einöder/Flashpictures
Dem Vernehmen nach ist das Mädchen heute fünf Jahre alt. Vor rund eineinhalb Jahren fasste die Bekanntschaft des Künstlers den Entschluss, diesen zu erpressen. Als der Druck auf den Kabarett-Star zu groß wurde, erstattete dieser im Mai Anzeige und Selbstanzeige.
Paal zu Missbrauch geständig
Sie habe Fotos, sagte die Frau zu Paal und erwirkte damit Übergaben von Zehntausenden Euro in mehreren Tranchen. Diese Bilder dürften aber in Wirklichkeit gar nicht existieren. Die Anklage lautet auf 189.000 Euro, mehr als 150.000 seien tatsächlich geflossen. Die Handschellen klickten bei der Übergabe der letzten Tranche in der Höhe von 30.000 Euro.
Sie fragen sich vielleicht, warum der Name des Verdächtigen im ersten Artikel zunächst nicht zu lesen war. Zur Erklärung: Auch im Fall Teichtmeister wusste die „Krone“ schon lange vor der Anklage, dass die schweren Vorwürfe seine Person betreffen. Trotzdem entschieden wir uns im Anfangsstadium der Ermittlungen für eine anonymisierte Berichterstattung.
Im aktuellen Fall hat der ORF den Namen seines ehemaligen Stars öffentlich gemacht. Außerdem wurde Anklage eingereicht. Somit nennen auch wir den mutmaßlichen Täter.
Die Mutter des jungen Opfers wurde im Juni festgenommen, deren Mutter wiederum als Beitragstäterin im Juli. Beide sitzen noch in Untersuchungshaft, seit Mittwoch gibt es eine (nicht rechtskräftige) Anklage. Den Frauen drohen ein bis zehn Jahre Haft.
Anklagen gegen alle drei erhoben
Eine Anklage gibt es nun auch gegen den erpressten Paal, den wir somit jetzt auch namentlich nennen. Ihm drohen sechs Monate bis fünf Jahre Haft. Beide Fälle werden gemeinsam im Wiener Landesgericht verhandelt, einen Termin dafür gibt es noch nicht.
Wie berichtet, dürfte „Gunkl“ zu dem Missbrauch geständig sein. Bei einer Hausdurchsuchung wurden bei ihm zudem Missbrauchsdateien Unmündiger sichergestellt, laut Gerichtssprecherin Christina Salzborn 960 Bilder und 19 Videos. „Dieser Tatbestand setzt auch einen Besitzwillen voraus, den hatte mein Mandant nicht mehr“, sagt Höllwarth und ergänzt, dass diese Vorwürfe teils 13 Jahre zurückliegen.
Meine Mandantinnen sind verzweifelt, dass die Kinder abgenommen wurden. Die Mutter bereut das alles fürchterlich.

Für das Mutter-Tochter-Gespann: Rechtsvertreter Werner Wendt von der Kanzlei Mag. Hubert Wagner.
Bild: Zwefo
Die beiden Frauen werden indes von der Kanzlei Mag. Hubert Wagner durch Werner Wendt vertreten: „Meine Mandantinnen sind verzweifelt, dass die Kinder abgenommen wurden. Die Mutter bereut das alles fürchterlich“, so Wendt.
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