Was kann man auf einer Insel mitten im Atlantik schon tun, mag man sich beim Anblick der Azoren auf der Landkarte fragen. Die Antwort lautet: ziemlich viel! São Miguel ist die größte Insel der zu Portugal gehörenden Azoren – und ein ziemlich großer Abenteuer-Spielplatz. Bis zu zehn Meter hohe Baumfarne aus dem Zeitalter der Dinosaurier säumen Wanderwege zu beeindruckenden Aussichtspunkten.
Rauchende Quellen erinnern daran, dass man sich auf einem immer noch aktiven Vulkan bewegt. Und tosende Wasserfälle laden zum Canyoning oder einfach nur zum entspannten Baden ein. Und weil so viel Abenteuer auch ganz schön hungrig macht, schreibt man auf den Azoren auch Kulinarik groß. Die insgesamt neun Inseln mit ihren rund 250.000 Einwohnern haben sich der Produktion hochwertigen Fleisches, Käses, Obstes und natürlich Spezialitäten aus dem umliegenden Meer verschrieben.
Nationalgericht aus dem vulkanischen Erdboden
Auf das Jahr 1427 geht die Entdeckung der ersten Inseln des Archipels zurück. Rund zwei Stunden Flugzeit sind sie vom portugiesischen Festland entfernt. Die Austrian Airlines fliegen die Hauptinsel São Miguel in der Hauptsaison (Juni bis September) direkt ab Wien an. In der Nebensaison werden Umsteigeverbindungen, etwa mit der Schweizer Fluggesellschaft Edelweiss Air, via Zürich, angeboten.
ALLGEMEINE AUSKÜNFTE:
ANREISE UND TIPPS:
Vorm Antreten des Fluges nicht zu vergessen: Kleidung für jegliche Wetterlage einzupacken. Unter strahlenden Sonnenschein mischt sich auf den Azoren gerne auch ein spontaner Regenschauer. Wechselkleidung, vor allem bei längeren Wanderungen, wird empfohlen. Man will sich schließlich nicht mit nasser Kleidung herumschlagen, während ringsum so einiges darauf wartet, entdeckt zu werden.
Auf den Azoren gibt es ca. 70 offizielle und ausgeschilderte Wanderwege. Mehrere Stunden können schwierige Routen dauern. Das lässt sich gut mit einer besonderen kulinarischen Aktivität verbinden, die sich von ganz alleine kocht: Der „Cozido das Furnas“ (dt. Furnas-Eintopf) ist ein typisches Gericht der azoreanischen Küche. In einem riesigen Kochtopf werden Rindfleisch, Süßkartoffeln, Karotten, Yamswurzel, Blutwurst, Chorizo und Kohl geschichtet. Aber bitte alles mit System!
Mauro Ricardo Arancio vom Hotel Octant Furnas gibt seinen Gästen in einem eigenen Kochkurs die wichtigsten Tipps für einen gelungenen Eintopf mit. Dazu gehört neben den passenden Zutaten freilich auch die Garzeit: Rund sechs Stunden lang wird das Gericht in Löchern im geothermischen Boden am Furnas-See unter der Erde gekocht, bei einer Temperatur zwischen 70° C und 95° C. Furnas auf São Miguel ist der Ort mit der höchsten Konzentration an heißen Quellen in Europa. Durch den behutsamen Kochprozess im Erdboden bleiben Inhaltsstoffe gut erhalten und sorgen für eine Geschmacksexplosion.
Grösste Teeplantage Europas ist auf Azoren
Vom vulkanischen Boden profitieren auf der Azoreninsel noch weitere Spezialitäten. Die Ananas von São Miguel wurde ursprünglich als Zierpflanze eingeführt und erst seit Mitte des 19. Jahrhunderts landwirtschaftlich angepflanzt. Der Anbau geschieht im Gewächshaus. Der Reifungsprozess dauert von Beginn bis zur Ernte rund zwei Jahre. Als Ergebnis findet man eine zart-süße Frucht auf dem Teller, die mit rund 12 Euro pro Kilo zugegeben nicht ganz günstig ist, dafür aber ganz ohne Spritzmittel auskommt.
Auch Teegenuss wird auf São Miguel großgeschrieben. Die Plantagen von Gorreana sind der einzige Ort in Europa, wo Tee im großen Stil angebaut wird. Die ersten Samen der Pflanze kamen gegen Ende des 19. Jahrhunderts auf die Insel und mit ihnen auch Spezialisten aus Asien, die ihre Kenntnisse mitbrachten. Die Unterschiede beim Tee hängen von der Reife der Blätter und der Verarbeitung ab. Verkosten kann man ihn etwa zusammen mit lokalen Mehlspeisen im Teehaus Casa de Chá O Poejo.
Circa 25 Arten Wale und Delfine rund um Azoren
Vielfältig geht es auch im Meer rund um São Miguel zu. Rund 25 Wal- und Delfinarten sind je nach Saison vor den Inseln zu erspähen. Es werden – natürlich wetterabhängig – täglich Bootsfahrten angeboten. Die Chancen, die Meeressäuger auch tatsächlich anzutreffen, stehen dabei ausgezeichnet. Möglich macht das ein ausgeklügeltes System der Meeresbiologen.
Von Land aus halten sie Ausschau nach den Tieren. Die Beobachtungsboote werden schließlich genau mittels Funk zu etwaigen Sichtungen gelotst. Dabei gilt immer Mindestabstand. Um die Tiere nicht in Stress zu versetzen, dürfen sich Boote nur mit gewissem Abstand nähern. Vor allem neugierige Delfine kommen aber von sich aus gerne näher zu den Touristen und verzücken mit freudigen Sprüngen aus dem Wasser.
Zu den am häufigsten erspähten Walarten vor den Inseln gehören Pottwale. Sie können bis zu 18 Meter lang und unglaubliche 44 Tonnen schwer werden. Aber auch einige Haifischarten, Schildkröten und andere Meeresbewohner lassen sich beobachten. Wassertemperaturen zwischen 22° C im Sommer und 16° C im Winter sowie gute Sichtverhältnisse im kristallklaren Wasser machen die Azoren zu einem idealen Ort für Taucher. An die 600 Fischarten tummeln sich rund um das Archipel.
Naturschutz wird auf Inseln großgeschrieben
Für typischen Strandurlaub eignen sich die Azoren weniger. Während der Atlantik an der Nordküste von São Miguel vermehrt Surfer anlockt, gibt es im Süden jedoch vereinzelt wellenarme Sandstrände, wie den Praia do Fogo. Nach Hotelburgen mit All-inclusive-Charakter hält man jedoch vergeblich Ausschau. Und darauf ist man auf den Azoren auch stolz!
Statt Massentourismus fördert die Insel Nachhaltigkeit. Etwa in Form von Hotels, die sich optisch nahtlos in die Landschaft einpflegen – wie etwa das Santa Bárbara Eco Beach Resort. Das Abweichen von den vorgegebenen Wanderwegen wird nicht gerne gesehen. Und in den naturbelassenen Seen auf São Miguel darf nicht gebadet werden.
Fürs Baden gibt es auf der Azoreninsel aber dennoch genug andere Möglichkeiten. Diese reichen sogar quer durch alle Wassertemperaturen. Der historische Terra Nostra Park verfügt über mehrere Thermalbecken. Dem eisenhaltigen Wasser vulkanischen Ursprungs werden heilende Eigenschaften und eine gesundheitsfördernde Wirkung zugeschrieben. Aber Achtung! Wer entspannt baden will, sollte dunkle, beziehungsweise schwarze Badekleidung mitbringen. Das Wasser färbt durch seine bräunliche Tönung Textilien dementsprechend ein.
Mit optisch nicht ganz so herausforderndem Wasser warten die natürlichen Becken und ein malerischer Wasserfall im Umwelt-Informationszentrum Caldeira Velha auf. Statt Masse gilt auch hier Klasse: Zutrittszeiten werden mit genau vorgegebenen Zeiträumen geregelt, damit sich in der von Moos und Baumfarnen gesäumten Anlage nicht zu viele Touristen auf einmal tummeln. Vorab zu reservieren und pünktlich zu sein lohnt sich daher. Anderthalb Stunden Aufenthalt kosten 10 Euro Eintritt für Erwachsene.
Gefährliche Tiere gibt es im Naturparadies keine
Gratis geht es dafür zum nahe gelegenen Wasserfall Salto do Cabrito. 30 Meter rauscht das kühle Wasser dort die Felsen hinab. Badeschuhe werden empfohlen, es gibt viele kleine und auch rutschige Steine. Der Weg zum Wasserfall fällt steil ab und ist nur zu Fuß erreichbar. Dafür braucht man sich keine Gedanken um etwaige gefährliche Tiere im Dschungelparadies zu machen.
Es gibt weder giftige Spinnen noch Schlangen auf dem Archipel. Auch sonst verhält sich die Fauna im Gegenteil zur Flora unaufgeregt. Große Wildtiere, wie etwa Raubkatzen, gibt es auf der Insel ebenso nicht. Einzig Wildhasen hoppeln mal hier, mal da über den Weg – und auch über die Straße. Das kann bei abendlichen Autofahrten ein bisschen zur Herausforderung werden.
Dafür braucht man am Abend vor sonst nichts Angst zu haben. Die Kriminalität auf den Azoren ist ausgesprochen gering. Sie gelten als eines der sichersten Reiseziele Europas.
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