Leichte Alu-Karosserie, sparsam und geräumig. Doch der Audi A2 war 1999 seiner Zeit voraus und zu teuer in der Produktion. Mit dem Audi A2 e-tron wollen die Ingolstädter nun zum richtigen Zeitpunkt auf dem Markt erscheinen. Im Dezember kommt er mit bis zu 646 Elektro-Kilometern, die „Krone“ nahm schon vorab Platz.
Bei Auto-Feinschmeckern ist der A2 mittlerweile ein gefragtes Objekt. Mit dem Alu-Leichtbau war der Kleinwagen schon bei seinem Erscheinen 1999 etwas Besonderes. Blöd nur, dass das auch die Produktionskosten in die Höhe trieb, so zahlten die Ingolstädter für jedes gebaute Auto sogar drauf. Und stellten das Modell nach sechs Jahren ein.
So wundert es nicht, wenn dieser Tage bei der Präsentation in einem Studio unweit von München nur von gewissen „Ähnlichkeiten“ zu einem „bekannten Modell“ die Rede ist. Als Nachfolger will man den Audi A2 e-tron nicht verstanden wissen. Dass der Neue eine fast idente Silhouette zeigt, soll reiner Zufall sein, versichern die Designer. Es habe sich einfach nur herausgestellt, dass das die aerodynamischste Form sei.
Ein halber Meter länger
Na schön, dann sehen wir uns die Unterschiede an: Mit 4,32 Metern Länge ist der A2 e-tron als technischer Bruder des VW ID.3 Neo rund einen halben Meter länger als der Ur-A2. Und während der Alte nur 855 kg leicht war, bringt der Neue mindestens 1840 kg auf die Waage. Weil nur noch die vier Audi-Ringe – und nicht die komplette Karosserie – aus Aluminium sind. Aber vor allem, weil der A2 e-tron ein reiner Stromer ist. Mit drei Akku-Größen – und einer Neuheit für Audi…
Premiere für LFP-Akkus
Erstmals schrauben die Ingolstädter Lithium-Eisenphosphat-Akkus in eines ihrer Autos: Die beiden kleineren Batterien (52 bzw. 61 kWh brutto) setzen auf LFP-Zellchemie. Der größte Stromspeicher mit 84 kWh (brutto) ist allerdings aus bekanntem Nickel-Mangan-Kobalt (NMC).
Den 84 kWh großen NMC-Akku gibt es in Verbindung mit zwei Motorisierungen: 170 kW/231 PS oder 240 kW/326 PS. Damit gehen sich 7,0 bzw. 5,7 Sekunden für den Hundertersprint aus, der elektronische Riegel wird bei 160 bzw. erst bei 200 km/h vorgeschoben. Geladen wird hier mit bis zu 183 kW, binnen 29 Minuten von 10 auf 80 Prozent. Einen Allrad-Antrieb wird es im Audi A2 e-tron nicht geben.
Immer Heckantrieb, kein quattro
Der kleinste Akku mit 52 kWh kommt in Verbindung mit einem 125 kW/170 PS starken E-Motor an der Hinterachse. Das soll für 8,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h reichen, bei Tempo 160 wird abgeregelt. Bis zu 423 km weit soll er damit fahren, am Schnelllader tankt die Basis mit nur 100 kW – trotzdem soll es binnen 24 Minuten von 10 auf 80 Prozent gehen. Zwei Minuten länger soll der 61-kWh-Akku brauchen, hier wird mit maximal 105 kW geladen und bis zu 515 km weit gefahren. Hier sitzen dann 140 kW/190 PS am Heck.
Eine echte Ansage sind die Reichweiten: 646 bzw. 630 km werden mit dem großen Akku versprochen, dabei ist eine stromsparende Wärmepumpe immer nur Option. Dafür sorgt der sensationelle Luftwiderstandsbeiwert von cw 0,24 für Extra-Kilometer. Dafür hat Audi sogar auf den bekannten Singleframe-Grill verzichtet, das schwarze Paneel an der Front wird als Neuinterpretation der typischen Audi-Front erklärt. Daneben sitzen übrigens optional Matrix-LED-Scheinwerfer.
Flügel verliehen
Selbst die Türöffner sind der Aerodynamik verpflichtet: Kleine Flügelchen dienen zum Öffnen. Wir steigen ein – und finden viel Platz vor. Auf der Rückbank herrschen 46 mm mehr Beinfreiheit als im Audi A3, hier merkt man 2,76 m Radstand. Das entspricht dem Q4. Im A2 e-tron wurden die Sitze allerdings etwas weiter vorne platziert, damit sich 396 l Kofferraumvolumen ausgehen. Unter der Fronthaube sitzt noch ein 13-l-„Frunk“. Wer mehr mitnehmen möchte, kann schon ab dem Basismodell einen 1600-kg-Anhänger mitschleppen.
Den Praktiker gibt der A2 auch bei den Ablagen: In die Türen sowie in die tiefe Mittelkonsole lassen sich große Trinkflaschen stellen, wenn man den Becherhalter an einen anderen der serienmäßigen Fidlock-Magnethalter klemmt. In der Mittelkonsole gibt es auch Platz für zwei Handyladeschalen mit Magnethalter. Aktiv gekühlt, mit 25 Watt fünfmal so schnell wie üblich. Darunter befinden sich noch ein richtiger Lautstärke-Drehregler und ein paar Tasten.
Diese Kurve ist Serie
Der Rest läuft über das Infotainment im 12,8-Zoll-Bildschirm, der gemeinsam mit dem 11,8-Zoll-Tacho serienmäßig ein Curved-Display bildet. Das Armaturenbrett mit der markanten Stufe und die Türverkleidungen sind mit Softwrap-Stoff bezogen, der aus recycelten Fasern gewonnen wurde. Sieht zumindest interessant aus, nicht nur unter dem optionalen Panorama-Glasdach.
Apropos Licht: Sieben Farben bietet Audi an, zwei davon sind allerdings dem Topmodell mit 84 kWh und 326 PS vorbehalten. Das beginnt im Dezember ab 50.900 Euro, die Basis mit 52 kWh und 170 PS legt bei 36.600 Euro los. Hoffentlich diesmal zum richtigen Zeitpunkt, zumindest wenn es nach den Ingolstädtern geht.
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