Kinder unter 14, die andere mit Messern verletzten, vergewaltigen oder wiederholt spitalsreif prügeln, dürfen nicht ins Gefängnis. Für sie hat Wien eine Auszeit-WG geschaffen. Das nun veröffentlichte Konzept überrascht. Es wirkt eher wie eine Wohlfühloase als eine Einrichtung mit Disziplincharakter.
In Simmering gibt es seit Kurzem die sogenannte Auszeit-WG für Jugendliche, die das „System sprengen“. Der erste Bewohner, ein 13-jähriger Bursche, hat die Einrichtung planmäßig wieder verlassen. Jetzt soll der nächste Jugendliche hier intensiv betreut werden.
Die zuständige MA11 hat am Montag das Konzept der Wohngemeinschaft veröffentlicht – und das überrascht. Denn die ganze Einrichtung klingt mehr als Wohlfühloase als ein Haus zur Disziplinierung gefährlicher Intensivstraftäter.
Entspannung und Körpergefühl
So heißt es unter dem Punkt Entspannungsangebote wörtlich: „Hier soll es unterschiedlichste Formen von Angeboten geben. Neben dem Abbau von Spannungen sollen diese Angebote den Fokus auf Körpergefühl und Körpersensibilisierung legen. Weiters sollen die Angebote zur emotionalen ,Nachnährung‘ dienen.“ Konkret soll diese sogenannte Nachnährung durch ein Wasserbett, Hängesessel und eine Schaukel erreicht werden.
Das Gebäude verfügt über zwei Etagen mit einer Wohnfläche von 140 Quadratmetern. Darin enthalten: zwei Zimmer mit WC und Dusche, Küche mit Esszimmer und ein Büro für die Mitarbeiter, die ständig vor Ort sind.
Unter dem Punkt „Pädagogische Überlegungen“ wird angeführt, was in diesen 140 Quadratmeter während des mehrwöchigen Aufenthalts geschehen soll. „Ziel dieses Angebots ist die destruktiven Handlungsmuster zu stoppen beziehungsweise zu verringern.“ Ein weiteres Ziel sei das Erlernen von sozialen Werkzeugen unter „reiz- und stressarmen“ Rahmenbedingungen, heißt es.
Einsperren und Ausgänge
Dazu wurde ein Stufenmodell entwickelt, in welchen die Bewohner – je nach Ausgangslage und Therapiefortschritt – fallen: Das reicht vom Verbot, das Haus zu verlassen und Bewegung am Areal nur in Begleitung zu absolvieren, bis hin zu selbstständigen Ausgängen ohne Begleitung.
Auch Sport ist vorgesehen, welcher, wird nicht ausgeführt. Und die Jugendlichen sollen in der Einrichtung durch einen Jugendpsychiater, eine Psychologin und einen Heilpädagogen betreut und behandelt werden. Kostenpunkt: mehr als 900.000 Euro im Jahr!
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