Legende elektrisch

VW bringt ID. Buzz endlich als California, aber …

Motor
27.08.2026 21:35
Porträt von krone.at
Von krone.at

Jahrelang haben Bulli-Fans auf einen elektrischen California gewartet. Jetzt kommt er tatsächlich: Der ID. California Cruise bietet Bett, Campingmöbel, Standklima und Strom für die Kaffeemaschine. Ein vollwertiges Reisemobil ist er allerdings noch nicht.

Auf dem Caravan Salon in Düsseldorf zeigt Volkswagen Nutzfahrzeuge den ersten vollelektrischen Vertreter der California-Familie. Anfang 2027 sollen die ersten Autos ausgeliefert werden, zum Basispreis von voraussichtlich über 60.000 Euro. Und VW macht gleich klar: Dabei soll es nicht bleiben. Bis 2028 folgen weitere elektrische California-Modelle. Die Premiere ist also eher der Beginn einer neuen Familie als deren Höhepunkt.

Denn wer beim Namen California sofort an Zimmer, Küche, Kabinett bzw. Aufstelldach, Küchenzeile, Wasseranschluss und vier Schlafplätze denkt, muss seine Erwartungen zunächst etwas herunterfahren.

Der Cruise ist im Grunde die elektrische Interpretation des California Beach. Geschlafen wird zu zweit auf einer 2,03 Meter langen und 1,20 Meter breiten Liegefläche im Innenraum. Darauf kommt eine neun Zentimeter starke Klappmatratze. Verdunkelungen für alle Fenster, Lüftungsgitter, zwei Campingstühle und ein Tisch gehören ebenfalls zum Paket.

(Bild: Volkswagen)
(Bild: Volkswagen)
(Bild: Volkswagen)
(Bild: Volkswagen)
(Bild: Volkswagen)
(Bild: Volkswagen)
(Bild: Volkswagen)
(Bild: Volkswagen)

Vielen reicht das. Gerade wer den Bus im Alltag nutzt und nur am Wochenende spontan Richtung See oder Berge verschwindet, braucht nicht unbedingt eine rollende Zwei-Zimmer-Wohnung mit Küchenblock.

Heizung aus dem Fahrakku
Dafür kann der Elektro-Bulli Dinge, mit denen ein klassischer Camper zusätzlichen technischen Aufwand betreiben müsste.

Ein eigener California-Modus hält USB-Anschlüsse dauerhaft aktiv und steuert Licht- sowie Komfortfunktionen für die Nacht. Besonders interessant ist die Klimatisierung: Je nach Außentemperatur und Akkustand kann der Innenraum laut VW bis zu 48 Stunden am Stück geheizt oder gekühlt werden.

(Bild: Volkswagen)
(Bild: Volkswagen)

Das ist im Hochsommer äußerst angenehm. Allerdings kommt die Energie natürlich nicht aus der kalifornischen Sonne, sondern aus der Hochvoltbatterie. Wer zwei Nächte ausgiebig klimatisiert, nimmt entsprechend weniger Strom mit auf die Weiterfahrt.

Kaffeemaschine und Herdplatte bitte mitbringen!
Noch praktischer wird es mit Vehicle-to-Load. Über den serienmäßigen PowerSocket-Adapter liefert der ID. California Cruise dauerhaft bis zu 2000 Watt, kurzfristig sind 3,6 kW möglich. Kaffeemaschine, Wasserkocher, Kochplatte, Kühlbox oder Ladegerät fürs E-Bike können damit direkt vom Auto versorgt werden. Das riesige Verlängerungskabel zum nächsten Campingplatzanschluss darf zu Hause bleiben.

(Bild: Volkswagen)
(Bild: Volkswagen)

Zwei Radstände, zwei Akkugrößen
Technische Basis ist der ID. Buzz Pro, den VW sowohl mit kurzem als auch mit langem Radstand anbietet. Beim normalen ID. Buzz Pro steckt in der Kurzversion aktuell eine 79-kWh-Batterie, beim langen Modell sind es 86 kWh. VW gibt dafür bis zu 460 beziehungsweise 498 Kilometer WLTP-Reichweite an; von zehn auf 80 Prozent dauert das Schnellladen etwa 26 bis 29 Minuten.

Eigene Reichweiten- und Verbrauchswerte des California Cruise nennt Volkswagen bisher noch nicht. Das ist durchaus relevant: Matratze und Campingstühle werden den Stromverbrauch kaum ruinieren, zusätzliches Gewicht, längere Standklimatisierung und elektrische Campinggeräte gehen aber letztlich alle auf dasselbe Energiekonto.

Dafür baut VW das Thema elektrisches Reisen auch digital aus. Die California-App berücksichtigt künftig Ladepunkte bei der Tourenplanung, Plug & Charge soll an kompatiblen Säulen das Laden ohne zusätzliche Karte oder App ermöglichen.

Warum nicht gleich ein richtiger California?
Dass VW so vorsichtig beginnt, hat eine Vorgeschichte. Einen ID. Buzz California hatte der Konzern schon Jahre zuvor geplant. Das Projekt wurde zunächst gebremst, unter anderem weil ein voll ausgestatteter Elektro-Camper mit Aufstelldach, Möbeln, Küche und großer Batterie schwer und teuer geworden wäre. Jetzt wählt VW offensichtlich den pragmatischeren Einstieg.

Der Cruise behält die Vielseitigkeit des ID. Buzz und ergänzt genau jene Dinge, die man für spontane Übernachtungen braucht. Mehr nicht. Wer vier Schlafplätze, Küche und das klassische California-Aufstelldach erwartet, muss weiter warten.

Dass VW gleichzeitig weitere Elektro-Californias bis 2028 ankündigt, lässt allerdings wenig Zweifel daran, dass der Cruise nicht das letzte Wort ist.

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