„Auffällig krankhaft“

Jennis Mörder führte 8 Jahre ganz normales Leben

Gericht
27.08.2026 20:39

Die Aussage von Clemens T. in seinem Mordprozess im Wiener Landesgericht dauerte nicht lang. Doch sie zeigte das, was Gerichtspsychiater Peter Hofmann letztlich aus professioneller Sicht bestätigte: „Eine sehr, sehr auffällige krankhafte Persönlichkeit.“ Denn der 33-Jährige scheint sich selbst am meisten leidzutun. Nicht Jenni S., die er erwürgte und acht Jahre damit normal weiterlebte.

Im Wiener Landesgericht saß vor den Geschworenen ein junger Mann, der in Selbstmitleid zerfließt. Spätestens bei den Schlussworten von Clemens T., die er sich sorgfältig zurechtgelegt hatte, wird das mehr als klar: „Ich hab‘ im Jänner 2028 Gott gespielt. Ich hab‘ jemandem das Leben genommen, weil ich einfach mit persönlichen Problemen kämpfe. Ich will, dass mir geholfen wird. Es ist traurig, dass mir das passiert ist.“ Seine verkehrte Sicht auf den Mord an seiner Ex-Freundin Jenni S. für den er lebenslange Haft ausfasste.

Sie durfte nicht gehen
Am 22. Jänner erwürgte er die junge Frau in ihrer Wiener Wohnung, weil sie sich von ihm trennen wollte. Für Clemens T. völlig inakzeptabel – während er aber gleichzeitig mit mehreren Frauen chattete. Das war auch das Erste, was der nun 33-Jährige nach der grausamen Gewalttat machte. Er setzte sich auf die Couch, Jennis lebloser Körper am Boden und lud sich Instagram herunter. „Für mich hat die Beziehung zu einer Frau nicht gereicht.“ Aber auf der anderen Seite völlig konträr: „Ich hab‘ das nicht verkraftet, dass sie aus meinem Leben verschwindet.“

Clemens T. empfand „Angst“
Doch dafür sorgte er an jenem Vormittag im Jänner 2018 – als er die Leiche der 21-Jährigen in eine Kiste legte und sie im Wald versteckte. „Was empfanden sie dabei?“, fragte die Richterin den jungen Mann im schwarzen Anzug. „Angst“, so die plumpe Antwort. Mehr habe er nicht gefühlt. Nur die Angst um sich selbst. Die Sorge, selbst zur Rechenschaft gezogen zu werden. Die Sorge, vor den Konsequenzen, wenn er letztlich erwischt werden sollte.

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Das erste Jahr war wirklich schwierig. Da ging es mir ganz schlecht. Da wusste ich, ich muss was ändern, also hab‘ ich es verdrängt.

Clemens T. über die Zeit nach dem Mord

Wie es im Dezember der Fall war. Wo sich die Beweislage dann doch letztlich verdichtete, er bei der Polizei zumindest ein Tatsachengeständnis ablegte. Acht Jahre nach dem Mord. Im Wiener Landesgericht meinte er nun, dass besonders das erste Jahr unerträglich gewesen sei, er mit der Schuld fast nicht hätte leben können – der Mutter, die immer wieder nach ihrer Tochter fragte, log er aber ins Gesicht. „Das erste Jahr war wirklich schwierig. Da ging es mir ganz schlecht. Da wusste ich, ich muss was ändern, also hab‘ ich es verdrängt.“ Warum Clemens T. auch seinen Namen änderte, wurde im Geschworenenprozess nicht thematisiert ...

„Hatte Job und Beziehungen“
Der 33-Jährige scheint sich selbst sehr leidzutun. Denn die Realität ist und so bringt es auch Gerichtspsychiater Peter Hofmann auf den Punkt: „Der Herr T. hat acht Jahre lang ein völlig normales Leben geführt. Er hatte einen Job, hat sich selbstständig gemacht. Er hatte immer wieder Beziehungen.“ Mit der Last, Jenni S. umgebracht zu haben, schien er scheinbar nach außen hin gut zu leben.

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Das, was wir hier haben, ist das Bild einer sehr, sehr auffälligen krankhaften Persönlichkeit.

Gerichtspsychiater Peter Hofmann

Gutachter Hofmann sagte weiter: „Als ich ihn kennengelernt hab, war er sehr bemüht, mir zu verdeutlichen, dass Jenni S. das Problem ist.“ Der Angeklagte habe sich an ihrem gelegentlichen Cannabiskonsum gestoßen und letztlich die 21-Jährige für alles, was schlecht war in der Beziehung verantwortlich gemacht.

Ein Auswuchs seiner kombinierten Persönlichkeit mit narzisstischen und explosiv-aggressiven Zügen, weshalb er neben der Haftstrafe in einem forensisch-therapeutischen Zentrum untergebracht wird. „Das, was wir hier haben, ist das Bild einer sehr, sehr auffälligen krankhaften Persönlichkeit.“ Das Ganze würde in dem Satz gipfeln, den er im Prozess gesagt hat: „Ich will, dass mir geholfen wird.“

Die Richterin erwiderte ihm: „Jenni S. kann nicht mehr geholfen werden.“ Über sie wird im Mordprozess aber nur wenig gesprochen, keine Angehörigen werden gehört, keine Zeugen, die die 21-Jährige kannten. Nur Clemens T. kann vor den Geschworenen die ein oder andere Träne verdrücken. „Jenni S. hatte am Ende Angst vor diesem Mann“, sagt der Opfervertreter deutlich.

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