Industrie soll zahlen

Nach Dürre kommen jetzt Rufe nach Wassersteuer

Innenpolitik
27.08.2026 21:09

Während die Österreich unter der Dürre ächzt, zapft die Industrie das kostbare Grundwasser bisher kostenlos an. Greenpeace fordert jetzt eine Abgabe – und rechnet mit Einnahmen von mehr als 30 Millionen Euro jährlich.

Es ist ein Schatz, der tief unter unseren Füßen verborgen liegt – und doch gerade in Zeiten der Dürre immer kostbarer wird: unser Grundwasser. Während die Pegel an vielen Messstellen besorgniserregend niedrig sind, macht die Industrie laut Greenpeace rund ein Drittel des gesamten Grundwasserverbrauchs aus, nämlich 330 Milliarden Liter Grundwasser pro Jahr – bisher ohne dafür eine Abgabe zu zahlen.

In anderen Ländern ist Wasser ein teures Gut
Genau das will die Umweltorganisation nun ändern. Eine aktuelle Greenpeace-Berechnung zeigt: Würde Österreich eine Abgabe nach dem Vorbild Bayerns einführen, könnten jährlich rund 33 Millionen Euro in die Staatskasse fließen. Beim deutlich höheren Berliner Modell wären sogar mehr als 100 Millionen Euro möglich.

Der voest-Hafen in Linz
Der voest-Hafen in Linz(Bild: RALPHFISCHBACHERwerbefotograf.at)

„Kein Selbstbedienungsladen“
„Die aktuelle Dürre führt uns allen drastisch vor Augen, wovor Fachleute seit Langem warnen: Wir haben in Österreich immer öfter zu wenig Wasser und unsere Wasserversorgung kommt vermehrt an ihre Grenzen“, warnt Greenpeace-Wasserexperte Sebastian Theissing-Matei. Seine Forderung ist klar: „Unser Grundwasser darf nicht länger ein Selbstbedienungsladen für die österreichische Industrie sein.“ Wer mit der gemeinsamen Ressource Gewinne mache, müsse sich auch stärker an den Kosten für das Trinkwassernetz beteiligen.

Andere Länder machen es längst vor
Ein Blick über die Grenzen zeigt: Österreich ist mit seiner bisherigen Gratis-Nutzung keineswegs der europäische Standard. In Frankreich und in fast allen deutschen Bundesländern zahlen Industriebetriebe bereits Abgaben für die Entnahme von Grundwasser.

Greenpeace schlägt für Österreich einen Satz von zehn Cent pro Kubikmeter vor – angelehnt an Bayern. Das könnte jährlich rund 33 Millionen Euro bringen und damit einen beträchtlichen Teil jener Finanzierungslücke schließen, die beim Ausbau und Erhalt der heimischen Trinkwasserinfrastruktur klafft.

30 Millionen für jeden Tropfen Zukunft
Laut Greenpeace fehlen jährlich rund 50 Millionen Euro an öffentlichen Förderungen für das Trinkwassernetz. Gerade jetzt, da die Klimakrise den Wasserhaushalt immer stärker unter Druck setzt, könnte eine zweckgewidmete Grundwasserabgabe helfen, Leitungen, Speicher und Versorgungssysteme für kommende trockene Jahre zu rüsten.

„Wasser ist keine unerschöpfliche Gratisware.“
„Wasser ist keine unerschöpfliche Gratisware.“(Bild: Christof Birbaumer)

Die Botschaft der Umweltschützer an die Bundesregierung ist daher unmissverständlich: Zehn Cent pro Kubikmeter industriell genutzten Grundwassers sollen künftig nicht im Sand verlaufen – sondern in die Sicherheit unseres wichtigsten Lebensmittels fließen. „Eines ist in diesen heißen, trockenen Monaten immer deutlicher geworden: Wasser ist keine unerschöpfliche Gratisware. Und jeder Tropfen, den wir heute schützen, kann morgen Gold wert sein“, appelliert Greenpeace-Chef Alexander Egit.

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