Salzburger Festspiele

Jelinek-Uraufführung: Unter Tieren zum Triumph

Kultur
17.08.2026 09:56

Elfriede Jelineks Fulminanztext „Unter Tieren“ gerät den Salzburger Festspielen in Koproduktion mit dem Burgtheater vorzüglich. Trotz pausenloser 3 ¾ Stunden auf der Pernerinsel.

Die Art Luxus muss wohl Festspielen vorbehalten bleiben: Während der große Jelinek-Regisseur Jossi Wieler in diesem Salzburger Sommer mit Traumresultat bei Peter Handke unabkömmlich war, wurde für die Uraufführung der Nobelpreiskollegin der andere Spezialist bemüht. Tatsächlich ist Nicolas Stemann, ein Mann des sprachzentrierten Hochpräzisionsspektakels, für den Fulminanztext „Unter Tieren“ noch geeigneter als der hochmusikalische Verinnerlicher Wieler.

Kalt funkelnde Tierfabel
Jelineks Werk speist sich aus zwei Absichten. Einerseits ist das eine Tierfabel aus dem aufklärerischen Geist Äsops, Aristophanes’, La Fontaines, Lessings, Kiplings und Orwells: eine rasierklingenscharf geschliffene Satire auf das Verbrechen Kapitalismus, glänzend recherchiert und kalt funkelnd wie ein Brecht’sches Lehrstück. Benko, Kurz, Siegfried Wolf werden hart hergenommen, und in einer KI-fingierten Live-Schaltung mit Peter Thiel macht man sich, unabhängig vom Originaltext, über den entgleisten Aktionismus der Wiener Festwochen lustig.

Andererseits hat selbst Brecht in einer emotionalen Ballade ein armes, von halbverhungerten Armen in Stücke gerissenes Kutschpferd sprechen lassen. Und auch Elfriede Jelinek erklärt den Tieren, die hier in vielerlei Gattungen auftreten, ihre Liebe und Solidarität. Die Klagen der Schweine und Kühe, die zum Schlachter gezerrt werden, ohne einen Tag gelebt zu haben, sind Höhepunkte des Abends, aufwühlende Texte, die Stemann auf Katrin Nottrodts minimalistischer Bühne denkwürdig umsetzt.

Groteske mit starken Ruhepolen
Schauspielerisch lässt die Koproduktion mit dem Burgtheater keinen Luxus vermissen. Als Tauben, Füchse, Hasen, Dachse zeigen Caroline Peters, Mavie Hörbiger, Branko Samarovski, Inge Maux und Sebastian Rudolph wahre Brillanzstücke, gut unterstützt von Thiemo Strutzenberger und Azaria Dowuona-Hammond.

Die Produktion ist gut gearbeitet, im überdrehenden Groteskhumor wirken die Ruhepunkte umso stärker. Nur das Verfahren, die 3 3/4 Stunden ohne Pause durchzuspielen, geht nicht ganz auf. Zwar wird man eingeladen, die Aufführung zwischendurch auch im Freien zu genießen, und tatsächlich sammeln sich viele Zufriedene vor den Monitoren im Hof der Pernerinsel. Aber die Spannung leidet am pausenlosen Kommen und Gehen, und man denkt an die sieben Stunden des Jelinek’schen „Sportstücks“ zurück, die einen 1998 im Burgtheater Minute für Minute gefesselt haben.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung