Wollte Mut machen

Ex-Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky verstorben

Innenpolitik
30.09.2026 18:36

Trauer um Andrea Kdolsky: Die Ex-Gesundheitsministerin, Ärztin und Autorin erlag am Mittwoch ihrem Krebsleiden. Kdolsky hatte ihre Erkrankung vor zwei Jahren öffentlich gemacht und immer wieder auch thematisiert, um anderen Mut zu machen. Nun verlor sie den Kampf gegen die tückische Krankheit.

„Andrea hatte die besondere Fähigkeit, Menschen zu sehen – gerade jene, die allzu oft übersehen wurden. Sie gab denen eine laute und starke Stimme, die selbst keine hatten“, nahm ihr früherer Lebensgefährte Philipp Ita auf Facebook mit emotionalen Worten Abschied: „Deine Stimme wird fehlen. Aber sie wird nicht verstummen. Adieu, liebe Andrea, wir sehen uns wieder!“

Acht Jahre lang führten Kdolsky und der Ex-Kabinettschef von Innenministerin Liese Prokop eine Beziehung. 2015 kam es zur Trennung, aber die beiden blieben bis zu ihrem Tod eng miteinander verbunden.

„Sonst würden schon ein paar wieder zurückkommen“
Das Ableben der Ex-Ministerin löste am Mittwochabend Bestürzung aus. Ihr Kampf gegen den Krebs hatte viele Menschen bewegt. Kdolsky ging mit ihrer Erkrankung offen um, sie schilderte ihren Kampf schonungslos.

Andrea Kdolsky machte ihre Krebserkrankung öffentlich, um anderen Mut zu machen und ihnen eine ...
Andrea Kdolsky machte ihre Krebserkrankung öffentlich, um anderen Mut zu machen und ihnen eine Stimme zu geben.(Bild: Reinhard Judt)

Armin Wolf erzählte sie im Mai, wie sie 50 Kilo abnahm, nichts mehr essen konnte, keine Luft bekam. Über Momente der Euphorie und der Tränen. „Ich fürchte mich eigentlich nicht vor dem Tod. Da kommt wieder mein schwarzer Humor zum Tragen: So schlecht kann es dort nicht sein, weil sonst würden schon ein paar wieder zurückkommen.“

Bereits auf der Uni politisch engagiert
Die gebürtige Wienerin hatte Medizin studiert, war vor ihrer Zeit als Gesundheitsministerin Fachärztin für Anästhesie im Wiener AKH gewesen. Schon während ihres Studiums engagierte sie sich politisch in der Österreichischen Medizinerunion, einer Hochschulfraktion und wechselte später in die Hochschullehrer-Gewerkschaft. Ab Jänner 2007 wurde sie ÖVP-Gesundheitsministerin in der Regierung unter Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (SPÖ) und Vizekanzler Wilhelm Molterer (ÖVP). 

Bis zu ihrem Amtsantritt als Ministerin rauchte Kdolsky regelmäßig und sprach sich später für die Beibehaltung von Raucherlokalen aus. Auch mit ihrer „Schweinsbraten“-Aussage sorgte sie für Aufsehen, betonte allerdings im Nachhinein immer wieder, dass sie missinterpretiert worden sei. Auch das Verteilen von Kondomen an Schüler im Beisein von Medienvertretern brachte ihr Kritik selbst in der eigenen Partei ein. 

Andrea Kdolsky war von Jänner 2007 bis Dezember 2008 Gesundheits- und Familienministerin.
Andrea Kdolsky war von Jänner 2007 bis Dezember 2008 Gesundheits- und Familienministerin.(Bild: AP/Hans Punz)

Aus Protest ÖVP verlassen
Später zog sich Kdolsky als aktive Politikerin zurück. Im Mai 2023 trat sie sogar aus der Volkspartei aus, nachdem diese im niederösterreichischen Landtag ein Koalitionsabkommen mit der FPÖ geschlossen hatte. Später stellte sie ihre Expertise den NEOS zur Verfügung.

Sie lebte ihr Leben in vollen Zügen. Schrieb ein Buch über Schweinsbraten-Rezepte, rauchte Zigarre, stand als Csárdásfürstin auf der Bühne, zwar zweimal verheiratet. Nach der Politik arbeitete sie im Krankenhaus-Management. Und blieb laut.

Nach dem Darmkrebs kam der Hirntumor
Dann kam der Darmkrebs. Oktober 2024. Sie ließ 43 Bestrahlungen über sich ergehen, ein Jahr später war sie krebsfrei – aber nicht geheilt. Am Wiener Flughafen brach sie zusammen, ein tennisballgroßer Tumor im Gehirn wurde festgestellt: Operationen, Metastasen, Chemotherapie, sie verlor alle Haare: Ein langer Leidensweg begann.

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Die Menschen schreiben mir, dass sie durch meine Offenheit Mut fassen. Dass sie sich nicht mehr schämen. Dass sie sich verstanden fühlen.

Andrea Kdolsky 2025 zur „Krone“

Sie machte ihre Krebserkrankung öffentlich – doch nicht, um Mitleid zu erhalten, wie sie auch gegenüber der „Krone“ betonte: „Jetzt möchte ich denen eine Stimme geben, die sich nicht trauen, über ihre Krankheit zu sprechen, weil Krebs immer noch ein Tabu ist. Obwohl sehr viele mit der Diagnose konfrontiert sind, und in Zukunft werden es noch mehr.“

Krebshilfezentrum soll künftig ihren Namen tragen
Im Oktober des Vorjahres sprach sie über ihre neue Arbeit, die Leitung der Planungsarbeiten zum ersten österreichischen Krebshilfezentrum, dem Maggie’s Centre, das in Oberwart im Burgenland entsteht und das künftig ihren Namen tragen soll: „Ich brauche die Arbeit wie die Luft zum Atmen. Mir ginge es deutlich schlechter, wenn ich zu Hause nur herumsitze.“

Im Mai erfolgte ihr Abschied von den sozialen Medien – sie wolle sich von Beiträgen über „Mord, Tierqual, Neid und Missgunst“ nicht mehr die Energie rauben lassen, sagte sie. „Macht es gut“, schrieb sie auf Facebook und schickte ein Herz an alle nach. 

Nun erlag Andrea Kdolsky mit 63 Jahren ihrer Erkrankung, gegen die sie so lange mit Vehemenz angekämpft hatte. 

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