„Der talentierte Mr. Ripley“, Patricia Highsmiths berühmtester und oft verfilmter Kriminalroman, feiert am 1. Oktober im Wald4tler Hoftheater Premiere. Wir baten Markus Freistätter, der den smarten Killer spielt, zum Interview.
„Krone“: Sie spielen Patricia Highsmiths berühmte Romanfigur Tom Ripley, den sie vor 70 Jahren erschaffen hat: Er ist ein Dieb, Hochstapler und Mörder. Was fasziniert uns an diesem Verbrecher?
Markus Freistätter: Ich kann es mir auch schwer erklären, aber es ist offensichtlich faszinierend, wenn jemand scheinbar lieb und nett ist und sich hinter dessen Fassade dunkle Dinge verbergen. Ripley ist ein Mensch, der emotional so verloren ist, dass er zum Äußersten geht. Er möchte sich etwas aneignen, das er noch nie besessen und verspürt hat: Aufmerksamkeit, Liebe und Zuspruch.
Mögen wir diesen „Mr. Ripley“?
Ich glaube, prinzipiell mögen wir keine Mörder. Aber ja, wir mögen ihn, ja. Bis zu einem gewissen Punkt. Weil in uns allen der Wunsch steckt, gesehen zu werden.
Ist diese Ambivalenz eine besondere Herausforderung?
Ja, denn ich muss ununterbrochen darauf achten, wann ich welche Figur bin: Wann Tom Ripley. Wann Dickie Greenleaf. Und nahezu im Sekundentakt entstehen neue Brüche, kommen neue Situationen.
Wie funktioniert das auf der Theaterbühne?
Durch Kostümwechsel, mit der Maske, mit den Frisuren, aber auch Gestik und Mimik und der unterschiedlichen Art der beiden zu sprechen. Aber vor allem mit der Psyche: Warum will Tom Ripley einwie jemand anderer sein? Warum ist er mit sich selbst unzufrieden? Warum macht er nicht aus seinem Leben etwas Besseres?
Wie schafft man es, die Spannung zu transportieren?
Indem wir sowohl uns als Schauspielerinnen und Schauspieler als auch das Publikum zwingen, in eine unfassbare Geschwindigkeit einzutauchen, in einen Strudel. Denn wir erzählen die Handlung in knappen 90 Minuten ohne Pause, und wir sind quasi non-stop auf der Bühne. Wir zeigen nicht nur wie sich Tom Ripley verändert, sondern auch sein Umfeld und, was mit den Personen um ihn herum passiert. Das ist ein Thriller wie im Fernsehen (lacht) Wir bringen den „Tatort“ auf die Bühne des Wald4tler-Hoftheater.
Auch das „Dolce Vita“ der Amalfi-Küste?
Ja, wir bringen Italien ins Waldviertel. Wir haben ein Schiff, wir haben einen Sandstrand, wir tragen Badekostüme. Und reisen in knappen 90 Minuten von New York nach Rom und Neapel.
Es gibt zwei berühmte Verfilmungen mit Alain Delon und Matt Damon. Haben Sie die gesehen?
Ich habe mir den Film mit Matt Damon und Jude Law vor, ich glaube, 15 Jahren angesehen und seitdem nicht mehr. Ganz bewusst nicht, um meinen eigenen Blick auf die Figur zu bewahren.
Das Buch
„The Talented Mr. Ripley“ ist ein Kriminalroman der US-amerikanischen Autorin Patricia Highsmith aus dem Jahr 1955 und der erste von insgesamt fünf Romanen um die Figur Tom Ripley. 1961 erschien das Buch erstmals in deutscher Sprache unter dem Titel „Nur die Sonne war Zeuge“, später als „Der talentierte Mr. Ripley“.
Darum geht´s
Der mittellose Tom Ripley von einem reichen Reeder nach Italien geschickt, um dessen hedonistischen Sohn Dickie Greenleaf nach Amerika zurückzuholen. Fasziniert von Dickies luxuriösem Lebensstil, entwickelt Tom eine obsessive Eifersucht, die schließlich in Mord gipfelt, als Dickie sich von ihm abwenden will. Um nicht enttarnt zu werden, nimmt Tom kurzerhand Dickies Identität an und verstrickt sich in ein eiskaltes Netz aus Lügen, Betrug und weiteren Verbrechen.
Verfilmungen
Bühne
Das „Wald4tler Hoftheater“ zeigt „Der talentierte Mr. Ripley“ nach Patricia Highsmith in der Bühnenfassung von Bastian Kraft – Premiere: 1. Oktober, 20:15 Uhr. bis 18. Oktober, Karten: hoftheater.at
Nach „Amadeus“ im Vorjahr nun Ihre zweite Titelrolle im Hoftheater: Ihr neuer Lieblingsplatz, das Waldviertel?
Ich muss zugeben, ich habe das Waldviertel neu entdeckt, denn es ist ein Gebiet, wo man zur Ruhe kommen kann. Das Hofheater, ist ein idyllischer, wunderschöner Ort, eine tolle Kraftquelle und unter der Intendanz von Moritz Hierländer ein wunderbarer Ort für Theaterschaffende.
Und was ist nun die Moral aus der Ripley-Gschicht?
Dass es vielleicht keine Moral in diesem Stück gibt. Moral ist ja ein wirklich sehr „dehnbarer“ Begriff. Meine persönliche Erkenntnis aus dieser Arbeit, die ich gemeinsam mit unserem Regisseur Claus Tröger teile, ist, dass unsere Welt eben nicht nur aus „schwarz und weiß“, aus „gut und schlecht“ besteht. Es gibt so viele Schattierungen dazwischen, so viele Ebenen, die in uns Menschen vorgehen.
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