„Kritischer Zustand“

Todeskandidatin Pike „im Moment noch am Leben“

Ausland
01.10.2026 22:51

Die zum Tode verurteilte Mörderin Christa Pike ist laut Angaben ihrer Anwälte „im Moment noch am Leben“, allerdings befindet sie sich in kritischem Zustand. Die 50-Jährige war nach zwei Injektionen der tödlichen Substanzen während ihrer geplanten Hinrichtung immer noch am Leben gewesen. Ihre Verteidiger schildern die dramatischen Stunden, die wie aus einem Horrorfilm anmuten. 

„Christa ist im Moment am Leben“, sagte einer ihrer Anwälte, Randall Spivey, am Donnerstag. Man habe jedoch keine Einschätzung zu ihrer Prognose. Die Hinrichtung sei „die reinste Folter“ gewesen, „brutal und grausam“. So habe es über eine Stunde und sieben Versuche gebraucht, bis man eine Nadel in die Venen der 50-Jährigen platzieren konnte. 

„Wir konnten sie stöhnen und röcheln hören“
Nach der ersten Injektion habe Pike noch gesagt, dass sich ihr Arm anfühlen würde, „als würde er gleich platzen“ und sie habe den Gefängnisbeamten gefragt, ob das normal sei. Danach sei über eine Stunde vergangen, in der die Zeugen, Medienvertreter und Anwälte im Nebenraum vor den verschlossenen Vorhängen gesessen seien.

Video: Christa Pikes Anwälte im Gespräch mit US-Medien

„Aber wir konnten Christa durch das Mikrofon stöhnen und röcheln hören. Das ging ewig so“, kritisierte der Anwalt, der zu diesem Zeitpunkt bereits den Abbruch der Hinrichtung gefordert und ein Telefonat mit seinem Kollegen verlangt hatte: „Dafür hat man dann aber noch einmal eine halbe Stunde gebracht, um mich zu einem Telefon zu bringen.“ In dem Aufenthaltsraum für die Zeugen einer Hinrichtung sind keine elektronischen Geräte erlaubt. Auch sei Pikes „spiritueller Beistand“ immer wieder weggeschickt worden.  

Nachdem man nach über einer Stunde die zweite potenziell tödliche Dosis verabreicht hatte, habe die 50-Jährige immer noch geatmet: „Das konnten wir deutlich hören.“ Danach habe man die Zeugen und Medienvertreter hinausgeschickt. Verteidiger Spivey kritisierte im Gespräch mit US-Medien ebenfalls, dass man im Vorfeld der Hinrichtung wiederholt auf eine Aussetzung aus gesundheitlichen Gründen gedrängt hatte. Konkrete Details dazu nannte er allerdings nicht.

Die Karte zeigt die Todesstrafenregelungen in den USA zum Stand 30. September 2026. In vielen Bundesstaaten besteht die Todesstrafe, einige Staaten haben sie abgeschafft oder die Vollstreckung ausgesetzt. Seit 1977 wurden 1492 Exekutionen mit Giftspritze, 163 mit elektrischem Stuhl, 19 mit Giftgas, 6 durch Erschießungskommando und 3 durch Galgen durchgeführt. Quelle: Death Penalty Center.

30 Jahre in der Todeszelle
Es war der erste Versuch des US-Staates seit 200 Jahren, ein Todesurteil an einer Frau zu vollstrecken. Christa Pike war vor über 30 Jahren als 18-Jährige wegen des Mordes an einer Mitschülerin verurteilt worden.

Die Grausamkeit der Tat, bei der die Täter dem Opfer unter anderem ein Pentagramm in die Brust ritzten, erregte damals großes Aufsehen. Anwälte und Menschenrechtler hatten die geplante Hinrichtung dennoch scharf kritisiert und auf die schwere Kindheit der Verurteilten, sexuellen Missbrauch und psychische Erkrankungen verwiesen.

Mit 20 Jahren wurde Christa Pike wegen Mordes zum Tode verurteilt (Archivbild).
Mit 20 Jahren wurde Christa Pike wegen Mordes zum Tode verurteilt (Archivbild).(Bild: AP/WBIR-TV via AP)

Auch in einem Gnadengesuch zur Umwandlung der Todesstrafe in eine lebenslange Freiheitsstrafe hatten die Anwälte auf schwere Kindheitstraumata sowie mutmaßlichen Alkoholmissbrauch der Mutter während der Schwangerschaft hingewiesen, was die Impulskontrolle der Frau beeinträchtigt habe. Sie wurde laut der Strafvollzugsbehörde außerdem 2001 nach einem Angriff auf eine Mitinsassin wegen versuchten Mordes verurteilt.

Umstrittener Giftcocktail
Zuletzt hatte es diverse Zwischenfälle bei Hinrichtungen in den USA gegeben. Erst im Mai musste in Tennessee die Hinrichtung eines Mannes abgebrochen werden, weil keine geeignete Vene für die Injektion gefunden werden konnte. 

Auch der Cocktail aus Substanzen ist nicht unumstritten, allen voran der Wirkstoff Pentobarbital. Dabei handelt es sich eigentlich um ein starkes Beruhigungsmittel, welches die Aktivität des Gehirns und des Nervensystems verlangsamt. Heuer wurde es bereits 14 zum Tode verurteilten Häftlingen in den USA verabreicht. Auch bei der Behandlung von Schlafstörungen, Epilepsie und Schädel-Hirn-Traumata findet es Anwendung. In hohen Dosen kann es zum Atemstillstand und Tod führen. Das Mittel, das zur Gruppe der Barbiturate zählt, wird auch in der Sterbehilfe oder zum Einschläfern von Tieren eingesetzt.

Bezeichnend ist, dass der einzige dänische Hersteller des Human-Medikaments Nembutal mit dem Wirkstoff Pentobarbital seine Zustimmung zur Verwendung bei Hinrichtungen verweigerte. Es wird daher angenommen, dass die USA einen billigen Nachbau des Medikaments verwenden. Erwiesen ist dies aber bislang nicht – allerdings könnte es ein möglicher Grund für die Pannen bei den Exekutionen sein.

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