Podcast Kultur Kompass

Mallwitz: „Womit ich dirigiere? Mit den Ohren!“

Kultur
11.08.2026 06:00

Joana Mallwitz dirigiert in Salzburg gerade Mozarts Oper „Così fan tutte“. Zwischen den Aufführungen war sie zu Gast im „Krone“-Kultur-Podcast. Ein Gespräch über fantasievolles Hören, das Wunder eines Symphoniekonzerts und warum das Ohr der wichtigste Körperteil beim Dirigieren ist.

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Die Karriere von Joana Mallwitz begann mit einem Sprung ins kalte Wasser. Sie war gerade 19, hatte ihre erste Stelle am Theater in Heidelberg. Dass sie Dirigentin werden wollte, war ihr schon klar, dass sie so schnell zum ersten Mal am Pult stehen würde, kam dann überraschend – mit einem Anruf, der Generalmusikdirektor sei ausgefallen und sie solle bitte am selben Abend als Dirigentin von Puccinis Oper „Madama Butterfly“ einspringen.

„Ich hatte jede Probe gespielt, wusste auswendig, was die Sänger machen, kannte jede Note, doch ich hatte nicht einmal eine eigene Partitur“, erinnert sie sich im Gespräch. Dann kam der Anruf, man brachte sie ins Theater, drückte ihr die Partitur in die Hand, und es ging in den Graben.

„Vielleicht war das auch der Glücksfall, weil ich überhaupt keine Zeit hatte, mir Gedanken zu machen. Ich habe einfach darauf vertraut, diese Musik zu kennen und einfach mit dem Orchester das Stück zu atmen – so, wie ich es kannte.“ Der Abend wurde zum Erfolg, und Mallwitz startete durch.

Immer wieder die erste Frau am Pult
Mittlerweile ist die 1986 im deutschen Hildesheim geborene Musikerin eine gefragte Dirigentin, gastiert weltweit an Opernhäusern und ist aktuell Chefdirigentin des Konzerthausorchesters Berlin. In Salzburg leitet sie gerade Mozarts „Così fan tutte“, in jener Produktion, die bereits 2020 hier zu sehen war. Damals war Mallwitz die erste Frau, die bei den Festspielen eine szenische Opernproduktion dirigierte.

Wie es ihr damit geht, im Laufe ihrer Karriere regelmäßig die erste Frau zu sein, die in musikalische Männerdomänen vordringt? „Mich überrascht es immer wieder, wo man überall noch als erste Frau genannt wird!“, lacht Mallwitz. Jungen Kollegen rät sie schlicht, „ihrem Bauchgefühl zu folgen. Und wenn es das Dirigieren ist, dann bitte, los!“

Dirigentin ist sie geworden, weil sie sich schon als Mädchen in Partituren zu Hause gefühlt hat und ihr klar wurde: „Damit möchte ich mein Leben verbringen!“ Ihre Beziehung zu Musikstücken vergleicht sie mit denen zu einer Person, „sehr schön und sehr komplex“.

Lebendigkeit, die erst mit dem Publikum entsteht
Lebendig wird so ein Werk allerdings erst „in dem Moment, wo man es aufführt, vor Publikum, auf der Bühne. Vorher lebt es ja noch nicht.“ Im Erklingen lernt Mallwitz die Stücke dann auch erst richtig kennen: „Egal, wie viel man es vorher studiert und analysiert und versucht hat, diese Landkarte so gut wie möglich zu kennen“, letztlich gilt: „Dirigieren lernt man nur durchs Dirigieren.“ Ob mit Taktstock oder ohne, ob auswendig oder mit Partitur, das entscheidet Mallwitz oft erst kurz vor dem Auftritt.

Was ist aber das wichtigste Körperteil beim Dirigieren – Arme, Hände, Augen? „Es ist egal, was der Körper macht, vor allem über die Arme wird immer so viel geredet. Am Ende sind es die Ohren! Ob analytisch oder durch das fantasievolle Hören – da findet die gesamte Arbeit statt.“

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