Sorge vor Preisschock

Jetzt droht Trump Europa mit Diesel-Exportstopp

Außenpolitik
01.10.2026 17:12
Porträt von krone.at
Von krone.at

Die USA erhöhen den Druck auf Europa: Deutschland und Frankreich sollen nach Informationen von Insidern Dieselreserven freigeben – andernfalls droht Washington offenbar mit einem Stopp von Diesel-Exporten. US-Präsident Donald Trump will damit die hohen Kraftstoffpreise in den USA noch vor den Zwischenwahlen im November drücken.

Wie die Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag unter Berufung auf drei mit den Vorgängen vertraute Personen berichtete, fordert die US-Regierung von der EU, Deutschland und Frankreich die Freigabe von Dieselreserven. Einer weiteren Quelle aus einer europäischen Hauptstadt zufolge sollen in den kommenden sechs Monaten 120 Millionen Barrel Diesel freigegeben werden.

USA erhöhen den Druck
„Es ist im besten Interesse Europas, mit den Vereinigten Staaten zusammenzuarbeiten“, sagte ein Vertreter der US-Regierung laut Reuters. Hintergrund der Forderung sind demnach die hohen Kraftstoffpreise in den USA. Trump will diese vor den Zwischenwahlen im November senken.

Nach Informationen des „Spiegel“ geht die aktuelle Forderung über Vereinbarungen hinaus, die im März getroffen worden waren. Demnach war sie auch Gegenstand eines Schreibens des US-Energieministeriums an das deutsche Wirtschaftsministerium. Eine Reaktion des Ministeriums auf eine Anfrage lag zunächst nicht vor.

Das Balkendiagramm zeigt die EU-Importe von Öl und Erdölprodukten aus verschiedenen Ländern für die Jahre 2021 und 2024. Russland hatte 2021 mit 173 Millionen Tonnen den höchsten Anteil, dieser sank 2024 auf 15 Millionen Tonnen. Die USA steigerten ihre Exporte deutlich von 53 auf 97 Millionen Tonnen. Auch Norwegen, Kasachstan und Saudi-Arabien erhöhten ihre Liefermengen. Quelle: Eurostat.

In Brüssel sorgt die Drohung laut „Spiegel“ für Besorgnis. Die EU-Kommission habe die Forderung entsprechend registriert.

Folgen für Dieselpreis befürchtet
Für Europa könnte eine Freigabe der Reserven beziehungsweise ein möglicher US-Exportstopp Folgen haben. Der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, rechnet laut „Spiegel“ mit einer möglichen Verteuerung von Diesel um 20 bis 25 Prozent.

Europa ist nach dem Einfuhrverbot für russische Produkte infolge des Ukraine-Krieges und Lieferunterbrechungen aus dem Nahen Osten infolge des Krieges gegen den Iran stärker auf Treibstoff aus den USA angewiesen. Deutschlands Anteil an US-Diesel am gesamten Bedarf liegt dem Bericht zufolge bei rund fünf Prozent.

Streit um frühere Zusagen
Die US-Regierung ist den Insidern zufolge außerdem verärgert, weil Deutschland und Frankreich frühere Zusagen zur Freigabe von Notreserven nicht vollständig umgesetzt hätten. Aus dem deutschen Wirtschaftsministerium hieß es dem „Spiegel“ zufolge hingegen, dass von den im Frühjahr zugesagten Mengen nur ein Bruchteil abgerufen worden sei.

Bemerkenswert ist zudem, dass US-Energieminister Chris Wright erst vor wenigen Tagen öffentlich erklärt hatte, ein amerikanischer Exportstopp für Diesel stehe nicht zur Debatte.

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