Zu hoch angesetzt

Zweifel an Bewertung von Shein vor Börsendebüt

Digital
14.08.2026 07:21
Porträt von krone.at
Von krone.at

Vor dem für Ende August geplanten Börsendebüt von Shein wachsen bei Investoren die Zweifel an der Bewertung des chinesischen Billig-Modehändlers. Mehrere Investoren erachten die vom Unternehmen erwarteten 30 bis 40 Milliarden Dollar angesichts eines verlangsamten Wachstums als viel zu hoch angesetzt.

Für Stirnrunzeln sorgt bei den professionellen Anlegern vor allem, dass Shein bei Weitem nicht mehr so stark wächst wie in den vergangenen Jahren. Reuters sprach mit fünf Investoren, die an Präsentationen von Shein vor dem Börsengang teilnahmen oder die jüngsten Bilanzen unter die Lupe genommen haben. 2023 wuchs das Unternehmen noch mit 41 Prozent, 2024 mit 20 Prozent. Für 2026 rechnen die Analysten von Coresight dagegen nur noch mit einem Zuwachs von zwei Prozent.

Zu schaffen machen Shein vor allem die neuen Hürden, die die USA und Europa aufgezogen haben, um das Geschäftsmodell der Billigversender aus Asien zu bremsen. Die Europäische Union erhebt seit 1. Juli Zölle von drei Euro je Warengruppe für E-Commerce-Sendungen aus dem Ausland. Die USA hatten bereits im vergangenen Jahr die Zollfreiheit für billige Warensendungen gekippt – was Shein zu aufwendiger Lagerhaltung in den USA zwingt.

Doch keine Wachstumsdelle?
Der Vorstand habe in den Präsentationen vor dem Börsengang versucht, die Anleger zu überzeugen, dass das nur zu einer Wachstumsdelle führe, und auf neue Chancen mit Eigenmarken hingewiesen, sagte einer der Investoren – doch er zweifelt, ob dies das Wachstum wieder ankurbeln kann. Coresight-Chefanalyst John Mercer sagte, Shein werde versuchen, stattdessen den Rest der Welt zu erschließen, und darauf verzichten, die Zollgebühren auf die Kunden in der EU abzuwälzen.

  Die Werbemaschinerie von Shein habe offenbar Grenzen, warnen Investoren und Analysten. Zwar stieg die Zahl der aktiven Kunden 2025 von 230 Millionen auf 273 Millionen. Doch die Zahl der Bestellungen trat mit vier pro Jahr auf der Stelle. „Sie haben App-Installationen bekommen, sie haben Nutzer bekommen, aber das war nicht nachhaltig“, kritisiert Mike Ryan, E-Commerce-Experte von Smarter Ecommerce. Im ersten Quartal dieses Jahres hat Shein die Marketingausgaben auf 1,43 Milliarden Dollar erhöht. Ein Jahr zuvor waren es nur 1,09 Milliarden.

Niederlage vor Gericht
Einen Rückschlag erlitt Shein auch vor Gericht. In London scheiterte das Unternehmen am Donnerstag mit einer Urheberrechtsklage gegen Temu. Shein hatte dem Konkurrenten vorgeworfen, Fotos von Shein-Eigenmarken veröffentlicht zu haben, die Händler auf der Plattform nutzten, um Kopien der Kleidungsstücke zu verkaufen.

Temu hatte Shein im Gegenzug vorgeworfen, mit der Klage nur den Wettbewerb verhindern zu wollen. Im Gegenzug klagte Temu selbst auf Schadenersatz, weil man Angebote nach einer einstweiligen Verfügung habe zurückziehen müssen, obwohl Shein für die dort verwendeten Fotos nicht die Urheberrechte besaß.

Richterin Kelyn Bacon verwarf die Urbeherrechtsklage von Shein. Temu sei nicht verantwortlich für Taten der Händler auf seiner Plattform. Ein Sprecher von Shein erklärte, man sei überrascht über die Entscheidung.

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