Der britische Rechtspopulist Nigel Farage hat die Nachwahl in Clacton für einen Sitz im Parlament gewonnen. Spaßkandidat „Count Binface“ wurde Zweiter. Der Ergebnisverkündung blieb Farage fern. Angeblich, weil die Polizei ihn vor einer „organisierten Kampagne“ gegen ihn gewarnt habe. Die weiß davon aber nichts.
Schon vor Bekanntgabe des offiziellen Ergebnisses hatte der Chef der Partei Reform UK sich zum Sieger erklärt. Er habe mehr Stimmen erhalten als bei der letzten Wahl in dem Bezirk bei den Parlamentswahlen im Jahr 2024, sagte Farage und sprach von einem „überzeugenden, überwältigenden Sieg“.
Knapp 10.000 Stimmen für „Mülltonnengesicht“
Laut Endergebnis kreuzten als 22.239 Wähler Farage am Stimmzettel an. Sein Hauptkonkurrent „Count Binface“ („Graf Mülltonnengesicht“) konnte mit 9455 Stimmen einen Achtungserfolg erzielen. Alle anderen Kandidaten waren weit abgeschlagen. Die Wahlbeteiligung lag bei rund 44,4 Prozent.
An der offiziellen Veranstaltung zur Bekanntgabe der Ergebnisse wollte Farage jedoch nicht teilnehmen. Demnach habe er durch die örtliche Polizei von einer geplanten „organisierten Kampagne“ gegen ihn erfahren, die darauf abziele „das Ergebnis zu stören und zu untergraben“, sagte er.
Polizei: Niemandem von Teilnahme abgeraten
Ein Sprecher der Reform-Partei fand wenig später deutlichere Worte und teilte mit, die Polizei der Grafschaft Essex habe Farage wegen einer „glaubwürdigen Drohung gegen ihn“ geraten, nicht an der Veranstaltung teilzunehmen. Die Polizei von Essex erklärte, in Clacton einen Polizeieinsatz „zur Gewährleistung der Sicherheit aller Teilnehmer“ durchzuführen. Allerdings habe die Polizei keinem Kandidaten von der Teilnahme an der Auszählung abgeraten.
Nötig war die Nachwahl durch ein politisches Manöver von Farage geworden. Er war wegen umstrittener Spenden und Zuwendungen in die Schlagzeilen geraten. Indem er seinen Parlamentssitz abgab, wollte er eine Untersuchung gegen ihn vorübergehend stoppen. Die anderen großen Parteien warfen Farage ein Ablenkungsmanöver vor und weigerten sich, Kandidatinnen und Kandidaten aufzustellen.
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