In einem ungewohnt offenen Interview trat Ex-Außenministerin Karin Kneissl kürzlich von einem Fettnäpfchen ins nächste. Nun scheint sie die Lehren daraus gezogen zu haben – und will verzweifelte Ausländer bei ihrem Integrationsprozess in die russische Gesellschaft unterstützen.
Seit knapp drei Jahren lebt die frühere österreichische Außenministerin in Russland und ließ sich dort in der Provinz nieder. Bei dem von Drohnenangriffen überschatteten Wirtschaftsforum in Sankt Petersburg Anfang Juni räumte sie öffentlich ein, von Kremlchef Wladimir Putin persönlich die Erlaubnis erhalten zu haben, im flächenmäßig größten Land der Erde zu leben und zu arbeiten.
Doch dass dort nicht immer eitel Wonne herrscht, sickerte wenig später durch. So beschwerte sich Kneissl unlängst über russische Mütter mit Alkoholproblemen, die sich lieber Hochprozentiges besorgen, statt ihren Kindern Essen zu kochen. „Mein Leben ist nicht einfach“, gab die 61-Jährige gegenüber einem News-Portal zu. Viele im Dorf würden sie wie einen Geldautomaten behandeln und schlecht hinter ihrem Rücken sprechen. Eine Russin wolle sie nicht werden, lautete ihr Fazit.
Russischer Behörden-Wahnsinn
Nicht nur der harte Alltag traf sie mit voller Wucht. Bei dem Prozedere für die Aufenthaltsgenehmigung wurde der Ex-Ministerin – trotz Putins Gunst – die berühmt-berüchtigte russische Bürokratie-Hölle heiß gemacht. „Ich bin 2023 nach Russland gekommen, und mir wurde die Frage gestellt: ,Warum sind Sie nicht früher hierher gekommen?‘ Es ist nicht so einfach, aus dem Nichts hierher zu kommen“, sagte Kneissl am Donnerstag im Gespräch mit dem Kreml-Hetzer Wladimir Solowjow, der sie für das russische Medium „Vesti“ interviewte.
Neben lästigem, nicht enden wollenden Papierkram müssen Ausländer aufwendige medizinische Untersuchungen durchführen lassen und sich dabei fast zur Gänze entkleiden. „Ich weiß, dass man hier in Russland nachweisen muss, dass man einen guten Gesundheitszustand hat. Ich werde das nicht kritisieren, das ist wirklich gut, aber es ist notwendig, (für Ausländer, Anm.) ein professionelles Hilfesystem zu schaffen, das einem helfen kann, all diese Schritte zu durchlaufen“, wählte Kneissl eine vorsichtige Formulierung.
Auf Grundlage ihrer Erfahrungen hat sie nun ein eigenes Konzept zur Erleichterung solcher Verfahren für Ausländer ausgearbeitet. Ein „professioneller Dienst“ soll beim Eingewöhnen im neuen Umfeld, beim Lernen der Sprache sowie bei der Wohnungs- und Jobsuche helfen, wie sie „Vesti“ erklärte.
„Patenmutter der russischen Mafia“
Verdächtig erinnert der Name des Maßnahmenpakets – „To Russia with Love“ – an den zweiten Teil der James-Bond-Reihe. In dem eine junge russische Überläuferin einen britischen Superspion nach Istanbul lockt. An diesbezüglichen Interpretationen dürfte sich die 61-Jährige wohl nicht stören. Im Ausland werde sie ohnehin als „die Patenmutter der russischen Mafia“ bezeichnet, erzählte sie im Gespräch. „Das hat mich amüsiert.“
Im Dienst der russischen Propaganda
Kneissl war von 2017 bis zum Ibiza-Skandal 2019 Österreichs von der FPÖ nominierte Außenministerin. 2018 hatte sie Russlands Präsident Wladimir Putin zu ihrer Hochzeit in die Steiermark – samt Knicks – eingeladen und ihn auch mehrmals persönlich getroffen.
NEOS-Klubobmann Yannick Shetty geht davon aus, dass vor allem ihr Propaganda-Geschäftsmodell ein rechtliches Nachspiel für die österreichische Staatsbürgerschaft haben werde. Die Rechtslage scheint in diesem Fall jedenfalls klar zu sein: Wenn eine Österreicherin für einen fremden Staat arbeitet und dabei das Ansehen der Alpenrepublik schädigt, wird die Staatsbürgerschaft von den Behörden aberkannt.
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