Auszeit in Österreich

Bei Burnout und Krisen: Bauernhof als Kraftquelle

Emotionale Erschöpfung, seelischer Ausnahmezustand oder ein Kind, das im Alltag besondere Zuwendung braucht. Betroffene suchen dafür nach Halt, Orientierung und Unterstützung. 145 Orte, wo Menschen in schwierigen Phasen mit Hilfe von Therapietieren in der Natur neue Lebensenergie schöpfen.

Am Klausnerhof in Aich bei Schladming (Stmk.) reicht der Blick bis zum Dachsteinmassiv. Auf dem Bergbauernhof werden Rinder, Schweine, Pferde, Lamas und Alpakas gehalten. Was auf 1.000 Höhenmetern geboten wird, geht jedoch weit über ein traumhaftes Panorama und „Urlaub am Bauernhof“ hinaus. Katrin Horn-Moosbrugger ist diplomierte Physio- und Hippotherapeutin. Gemeinsam mit ihrer Familie betreibt sie den Hof und eine Gesundheitspraxis.

Ihr Angebot richtet sich unter anderem an Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit besonderen Bedürfnissen sowie an Menschen mit körperlichen oder psychischen Belastungen. Seit 2015 ist der Klausnerhof Teil eines österreichweiten Netzwerks, das Landwirtschaft mit Gesundheit, Sozialem und Prävention verbindet.

Zwischen Stallarbeit und Selbstfürsorge
„Green-Care-zertifizierte Betriebe gibt es in Österreich seit knapp 15 Jahren. Viele wissen nicht, was damit verbunden ist“, sagt Geschäftsführer Günther Mayerl im Gespräch mit „Krone GESUND“.

Katrin Horn-Moosbrugger (links) während einer Therapiestunde am Klausnerhof. Die Alpakas nähern ...
Katrin Horn-Moosbrugger (links) während einer Therapiestunde am Klausnerhof. Die Alpakas nähern sich in ihrem eigenen Tempo. Dieses Abwarten braucht Geduld, die mit Vertrauen belohnt wird.(Bild: Diana Zwickl)

Green Care umfasst Angebote auf land- und forstwirtschaftlichen Betrieben, die gesundheitliche, pädagogische oder soziale Ziele verfolgen. Sie entstehen meist in Zusammenarbeit mit Ärzten, Institutionen oder Sozialträgern und verstehen sich als Ergänzung zu bestehenden Gesundheits- und Betreuungsangeboten. Natur, Tiere und bäuerliche Strukturen werden dabei zu einem Umfeld, in dem Menschen lernen, sich entwickeln und wieder Stabilität gewinnen können.

Mit reiner Landromantik hat das nichts zu tun, betont Mayerl: „Die Höfe sollen auch wirtschaftlich profitieren“. So entsteht aus klassischer Landwirtschaft ein zweites Standbein, während Menschen in belastenden Lebenssituationen gleichzeitig zielgerichtete Unterstützung erhalten.

Spezielle Schwerpunkte
Die Programme auf den zertifizierten Höfen richten sich an Erwachsene mit Burnout oder psychischer Überlastung, Senioren mit Pflegebedarf, Kinder und Jugendliche mit Behinderungen sowie an Personen, die nach einer Krise wieder Struktur suchen. Sogenannte Auszeithöfe sind für jene gedacht, die bewusst gegensteuern wollen, bevor Überforderung, Erschöpfung oder Dauerstress krank machen.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen. Diese werden von ausgebildeten Fachkräften in tiergestützten Programmen begleitet. Dabei geht es vor allem darum, Selbstständigkeit zu fördern und die eigenen Fähigkeiten zu stärken.

Burnout Patient berichtet
„Das war für mich ein wichtiger Wendepunkt“

Der Aufenthalt auf dem Auszeithof Enk (NÖ) hat mir die Ruhe zurückgegeben, die ich längst verloren hatte. Beim Arbeiten im Garten und mit der Erde spürte ich wieder festen Boden unter den Füßen. Der ständige Druck wich einer tiefen, heilsamen Gelassenheit mitten im Grünen. Hier durfte ich einfach sein, ganz ohne Erwartungen und ohne den stressigen Alltagsballast. Für mich ein wichtiger Wendepunkt zurück ins Leben.

Jürgen P. (Name von der Redaktion geändert), 49 Jahre

Tierisch wertvolle Mitarbeiter
In der Begleitung von Patienten mit unterschiedlichen Belastungen übernehmen Therapietiere eine wichtige Rolle. Ihr Kontakt kann Ängste ab- und Vertrauen aufbauen. Entsprechend sorgfältig werden die tierischen Helfer ausgewählt und ausgebildet.

Auch im Burgenland setzt man auf dieses Prinzip. Am Gut der St. Martins Therme & Lodge kommen für die tiergestützte Stressprävention zertifizierte Schafe, Kaninchen, Hühner und Barockesel zum Einsatz. „Wir reden hier nicht von einem klassischen Bauernhof-Tier, sondern von sehr wertvollen Mitarbeitern“, so Günther Mayerl.

Hilfe annehmen
So finden Sie den passenden Hof

Auf greencare-oe.at lässt sich nach Bundesland und Themenbereich filtern. Ablauf und Kosten werden individuell geklärt und unterscheiden sich je nach Angebot und Betrieb.

Wer selbst einen Hof führt, kann sich für eine Zertifizierung in einem oder mehrere Bereiche bewerben.

Frauen als treibende Kraft
Auffällig ist, dass auf vielen Höfen Frauen die Initiative vorantreiben, häufig mit einer Ausbildung aus Pflege, Pädagogik oder Sozialarbeit. Sie verbinden diese mit dem landwirtschaftlichen Betrieb und schaffen sich so ein planbares Arbeitsleben mit geregelten Zeiten und eigenem Einkommen. Für viele jüngere Generationen wird das auch zum Grund, am Hof zu bleiben.

Landwirtschaft mit sozialem Auftrag
Aktuell zählt Österreich 145 zertifizierte Betriebe, weitere befinden sich im Aufbau. Für Günther Mayerl ist klar, wohin die Reise geht. „Landwirtschaft ist weit mehr als Lebensmittelproduktion. Diese Orte helfen, zur Ruhe zu kommen, neue Perspektiven zu entwickeln und wieder Kraft zu tanken.“

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