Super-GAU in Berlin

Hacker stellen hochsensible Notfalldaten ins Netz

Web
05.09.2026 09:50
Porträt von krone.at
Von krone.at

Die deutsche Hauptstadt Berlin wird von einem Daten-Super-GAU erschüttert: Hacker stahlen bei einem Cyberangriff auf die Verwaltung hochsensibles Material und forderten ein Lösegeld in Millionenhöhe. Nachdem ein Ultimatum verstrichen war, stellten die Kriminellen die Daten jetzt ins Darknet.

Erbeutet wurden Notfallpläne inklusive sensibler Details, etwa Handynummern der Zuständigen, sowie Schwachstellenanalysen zur Trinkwasserversorgung, Unterlagen zu Bauangelegenheiten und Bewerbungsverfahren sowie private Daten von Beamten. Auch vertrauliche Unterlagen aus Bundesratsausschüsse dürften darunter sein. Zudem brüsteten sich die Erpresser damit, Zugangsdaten und Passwörter im Klartext erlangt zu haben – unter anderem für Datenbanken der Verwaltung und Zahlungsdienstleister.

Riesige Datenmenge
Angesichts der riesigen Menge von rund 1,44 Millionen Dateien, die mehr als fünf Terabyte Speicher belegen, gibt es noch keinen Überblick über den Schaden, den das Datenleck für Berlin bedeutet. Klar ist aber, dass daraus ein gewaltiges Datenschutz- und Sicherheitsrisiko erwächst. IT-Experten prüfen, welche Dateien genau veröffentlicht wurden, wie die Stadtregierung am Freitagabend mitteilte.

Experte sieht Terrorgefahr
Der deutsche Investigativjournalist Lars Winkelsdorf, der die Daten gesichtet hat, geht davon aus, dass sich Terrorgruppen, die sich im Darknet tummeln, diese Dateien schon heruntergeladen haben. Er warnt daher gegenüber der „Bild“ vor Terroranschlägen auf Berlin.

„Schon unangenehm“
„Das ist für die Berliner Verwaltung schon unangenehm“, so IT-Experte Joachim Selzer zur Deutschen Presse-Agentur, „das sind natürlich sehr viele interne Daten, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind. Ich sehe hier zum Beispiel Personalangelegenheiten, auch Arbeitszeugnisse. Mit solchen Daten können Kriminelle immer irgendetwas anfangen.“

Gefahr durch Identitätsdiebstahl
Der Sprecher der Hacker-NGO Chaos Computer Club sieht durch das Leck besonders die Gefahr für Identitätsdiebstahl gegeben. So sei etwa unter Daten der Antrag auf ein neues Handy – samt der Unterschrift des Verwaltungsmitarbeiters. „Das heißt, ich habe schon mal Unterschriftenproben, das ist für manche Kriminelle ja ganz praktisch“, sagte Selzer. Der Experte geht davon aus, dass die Daten aber eher mittelfristig für kriminelle Zwecke missbraucht werden. „Es ist schon ein großer Datenbestand, den muss erst mal jemand durchsehen.“

Website mit Countdown
Der Cyberangriff der kriminellen Hackergruppe Rhysida auf die Berliner Verwaltung war Mitte August bekannt geworden. Die Erpresser forderten ein Lösegeld von 30 Bitcoin – rund zwei Millionen Euro – für die Daten. Sie richteten im Darknet eine Website für die Leaks ein, wo sie einen Countdown schalteten, der am Freitagnachmittag auslief. Nach dem Verstreichen der Frist wurde die „Auktion“ beendet und die Daten veröffentlicht. „Alle Dateien wurden im öffentlich zugänglichen Bereich hochgeladen – viel Spaß beim Stöbern, Datenjäger!“, hieß es auf der Website.

Zitat Icon

Die Daten sind in den Händen von Kriminellen.

IT-Sicherheitsexperte Christof Fischer

Der Berliner Senat hatte vorab bekräftigt, auf derartige Erpressungen nicht einzugehen und kein Lösegeld zu zahlen. Das stieß in der Fachwelt auf Zustimmung. Der T-Sicherheitsexperte Christof Fischer verwies darauf, dass der Staat per Gesetz keine Zahlungen bei Erpressungen vornehmen dürfe.

Wollen Täter Schutz erkaufen?
Die Situation bei Vorfällen wie in Berlin sei aber sehr schwierig: „Die Daten sind in den Händen von Kriminellen, und eine Veröffentlichung hat in vielen Fällen sehr schädliche Auswirkungen. Bislang ist mir kein Fall bekannt geworden, bei dem gezahlt wurde und trotzdem eine Veröffentlichung erfolgte.“ Allerdings sei anzunehmen, dass die Täter, die meist in osteuropäischen Ländern lebten, diese Daten den dortigen Behörden zugänglich machten, um sich Schutz vor Ermittlungen gegen sie selbst zu erkaufen, sagte Fischer der dpa.

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