Sa, 22. September 2018

Keine Schmusekatze

31.10.2014 07:41

Dodge Hellcat: So fährt sich das Biest mit 717 PS

"Hellcat", die Höllenkatze, ist eine Wortschöpfung aus den USA - so hieß unter anderem ein leichter Jagdpanzer. Jetzt hören zwei Erzeugnisse des Fiat-Chrysler-Konzerns auf diese Bezeichnung. Man sollte sie sich merken.

Die Vorgabe war ambitioniert: Es ging den Chrysler-Ingenieuren darum, im US-amerikanischen PS-Krieg den unangefochtenen Sieg davonzutragen. Und so mussten die Ingenieure nicht nur die eigene Viper übertreffen, sondern auch den Chevrolet Camaro ZL1 und Z/28, den Ford Mustang in seinen leistungsstärksten Varianten - und nebenbei auch den Nissan GT-R, der in den USA Kultstatus genießt.

Untertreibung in Sachen Leistung
Insider haben im Laufe des letzten Jahres Gerüchte gestreut, in denen von "deutlich über 600 PS" die Rede war. Das war vornehm untertrieben - und ist so ziemlich die einzige Untertreibung, die mit diesem Auto in Verbindung gebracht werden kann. 717 PS sind es geworden - herausgekitzelt aus einem 6,2-Liter-Hemi-V8, der von einem IHI-Kompressor zwangsbeatmet wird. Das maximale Drehmoment liegt bei brutalen 881 Newtonmetern. Die Kraftstoffleitungen sind knapp 1,3 Zentimeter dick. Und eine Direkteinspritzung musste verworfen werden, weil es auf dem Markt keine Hochdruckpumpen mit der erforderlichen Kapazität gibt.

Dodge bietet das gewaltige Triebwerk sowohl im Challenger als auch der Limousine Charger an. Wir haben den Challenger getestet. Das ausladende Coupé mit seinem etwas schwülstigen Hüftschwung gefällt uns besser; beim Charger stellen sich unweigerlich Assoziationen an martialisch aufgedonnerte Polizeiautos ein. Und die sind der natürliche Feind des Hellcat.

Man kann viel anstellen mit diesem Coupé. Zum Beispiel kann man sich frühmorgens bei ungeliebten Nachbarn revanchieren. Der V8 bellt beim Kaltstart derart aggressiv los, dass im Umkreis eines Blocks niemand mehr einen Wecker braucht. Ein Druck auf den großen, roten Knopf genügt.

Eco Mode - wtf?
Dabei kann der Hellcat, einen vorsichtigen Gasfuß vorausgesetzt, zahm wie eine Hauskatze auftreten. Die verstärkte Achtgang-Automatik - es gibt auch ein Sechsgang-Schaltgetriebe - agiert weich und relativ diskret. Doch wer nur ein wenig mehr Gas gibt, erlebt eine Leistungsexplosion, die ihresgleichen sucht. Das Heck wird leicht, beschleunigt wie auf Eis, und wenn sich die 275er-Reifen erst einmal in den Asphalt gekrallt haben, hält praktisch niemand mehr mit. Die 100-mph-Marke - das entspricht 160 km/h - fällt in rund acht Sekunden. Über dieser Marke verwandeln sich in vielen US-Staaten die Strafzettel für zu schnelles Fahren in "reckless driving." Am Steuer empfiehlt sich deshalb abseits der Rennstrecken erbarmungslose Askese. Wer es riskieren will, erreicht glatte 320 km/h.

Dabei kann der Challenger Hellcat mit der Leistung gut umgehen - sofern man sie eben auf die Straße bringt. Das Fahrwerk, das in seinen Grundzügen noch von der Mercedes-Benz-E-Klasse aus den 90er-Jahren abgeleitet ist, wurde massiv versteift. Und für den Hellcat hat Dodge noch einmal die hydraulische Servolenkung ausgepackt, während bei den schwächeren Varianten eine elektrische Servolenkung verbaut wird. Unter den schwarzlackierten 20-Zoll-Felgen steckt eine bissig zupackende Hochleistungs-Bremsanlage.

Das Interieur wurde moderat angepasst. Noch immer sitzt man tief eingemauert in dem großen Coupé, das Lenkrad ist eigentlich deutlich zu groß geraten, und die vier Fahrzeugecken lassen sich nur ungefähr erahnen. Auf dem Zentralbildschirm lassen sich verschiedene Fahrzeugmodi einstellen; es gibt sogar - und dabei muss es sich um einen Witz handeln - eine "Eco"-Einstellung.

Nicht einmal 60.000 Dollar kostet der Dodge Challenger Hellcat in den USA - geradezu ein Schleuderpreis für ein ausgewachsenes, derart leistungsstarkes Coupé. Schade, dass er in seiner amerikanischen Heimat kaum in die Außenbezirke seiner Möglichkeiten gebracht werden kann. Aber vielleicht erbarmen sich die europäischen Importeure des kaum gezähmten Raubtiers. Es braucht Auslauf.

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