Live beim „Krone“-Fest

John Newman: Ein Leben zwischen Himmel und Hölle

Musik
19.08.2026 05:00

2012 und 2013 explodierte der Brite John Newman zuerst mit Rudimental und dann solo in den britischen und europäischen Charts. Ein Gehirntumor und Depressionen schoben einem erfolgreichen Karriereverlauf aber immer wieder einen Riegel vor. Seit diesem Jahr ist der mittlerweile 36-Jährige aber wieder voll im Geschäft – und einer der Headliner des 25. Linzer „Krone“-Fest.

kmm

Wenige Musiker kennen die Tiefen des Lebens so gut wie der Brite John Newman. Rückschläge prägen sein gesamtes Dasein. Bereits im Alter von sechs Jahren verließ sein Vater ihn, Bruder James (Song-Contest-Teilnahmer 2021 für Großbritannien) und Mutter Jackie, woraufhin alle früh zusammengreifen mussten. Mit 16 zog er vom ländlichen Settle in die nordenglische Metropole Leeds, um sein durch Motown- und Northern Soul-Klänge erwecktes Interesse für Musik zu verfeinern. Bei einem tragischen Autounfall starben zwei seiner besten Freunde, was Newman im Teenageralter früh erwachsen machte. „Anstatt in der Bibliothek zu sitzen und Bücher zu studieren, habe ich das Leben von einer anderen Seite kennengelernt“, erzählte er später in einem Interview, „ich musste mit diesem Ereignis klarkommen und habe Nacht für Nacht über meine Gitarre geweint, als ich meinen Gefühlen Ausdruck verleihen wollte.“

Glück und Pech liegen nah beieinander
Nur langsam findet Newman von der Trauer zurück in die Spur. Mit 20 zieht Newman schließlich nach London und lernt mit Piers Agget ein Viertel der erfolgreichen Drum-&-Bass-Combo Rudimental kennen, die seiner Karriere wenig später einen Kickstart verleihen sollten. Als Teil der Rudimental-Single „Feel The Love“ eroberte Newman im Mai 2012 die Spitze der britischen Single-Charts, mit „Not Giving In“ gab es einen äußerst erfolgreichen Nachfolger, bis Newman schließlich 2013 mit seiner eigenen Debüt-Single „Love Me Again“ – ebenfalls Nummer eins in den britischen Charts, auch in den Top-10 Österreichs und bis heute einer der hartnäckigsten Ohrwürmer der 2010er-Pop-Schwemme. Kurz vor diesem dreifachen musikalischen Durchbruch musste sich Newman wegen eines Gehirntumors einer – zum Glück erfolgreichen - Operation unterziehen, 2016 musste er dafür noch einmal unters Messer.

„Alles lief gut, aber ich kann natürlich nicht leugnen, dass mich diese Sache immer wieder zurückgehalten hat“, erzählte uns Newman 2019 im „Krone“-Talk. Mit den beiden Alben „Tribute“ (2013) und „Revolve“ (2015) eroberte er die Hitparaden und auch die Herzen der Fans. Mit der Mischung aus einer eindringlichen, aber zuweilen samtweichen Stimme, poppigen Klängen und seinen selbst erarbeiteten Stärken im elektronischen Bereich traf er den kommerziellen Mainstream-Zeitgeist der 2010er-Jahre. Mit zunehmenden Erfolgen hat Newman aber auch zunehmend mit Depressionen zu kämpfen. 2016 zieht er erstmals eine Reißleine und taucht für gut drei Jahre ziemlich ab, bis er sich 2019 mit Singles wie „Feelings“ oder „Without You“ zurückmeldet. All das landet auf seiner EP „A.N.i.M.A.L.“, nach Ausbruch der Pandemie 2020 folgt noch die Kollaboration „High On You“ mit dem britischen DJ-Duo Sigma.

Es wird die Reißleine gezogen
Schon im damaligen „Krone“-Talk überlegte Newman, das Musikbusiness hinter sich zu lassen, um in der britischen Peripherie Gemüse zu züchten. „Ich fühle mich so, als würdest du jeden Tag in deinen Job gehen und dir dein Chef jeden Tag begreiflich machst, dass du diesen Job jederzeit verlieren könntest. Ich muss konstant Hits liefern und versuche mich schon länger, aus diesem Zirkel herauszuziehen. Ich kann nicht wie eine Maschine jeden Tag Musik erschaffen, die voll einschlägt und frage mich oft, ob dieser Stress überhaupt sein muss.“ Schon 2019 verzichtet Newman auf das „große Besteck“, wählt bewusst kleinere Bühnen aus und geht mit seiner Band auf eine Camper-Van-Tour. Ende 2020 trennt er sich von seinem Label und dem Management und gibt zu, an mentalen Problemen und Depressionen zu leiden. „Irgendwer kommt immer des Weges und bezeichnet dich als den ,Love Me Again-Typen‘“, wusste er schon damals, „manchmal möchte ich nur verschwinden, aber das geht leider nicht.“

In den folgenden Jahren kam der Brite für einzelne Singles und separate Auftritte immer wieder mal ins Rampenlicht zurück, von einem richtigen Comeback kann man aber erst in diesem Jahr sprechen. Mit seinem Megahit dürfte er sich mittlerweile ausgesöhnt haben, den gibt es in einer neuen Version zu hören, dazu folgten die Singles „Merry Go“ und unlängst „Throw Me A Line“. Newman scheint mittlerweile das richtige Tempo gefunden zu haben und auch die bestmöglichen Maßnahmen, um sich in dieser verrückten und temporeichen Welt der Musik nicht aufzureiben. Mit 36 Jahren scheint der smarte und labile Brite jedenfalls einen guten Weg gefunden zu haben, seine einst so florierende Karriere noch einmal zu revitalisieren, ohne dabei in die gefährlichen Fallen der Vergangenheit zu tappen. Wie weit er dabei zu gehen bereit ist und wie weit er sich den Mechanismen des Geschäfts entziehen kann, das wird die Zeit zeigen.

Headliner am Linzer „Krone“-Fest
Zum Jubiläum des 25. Linzer „Krone“-Fests wird John Newman am 22. August den Headliner geben und sich die Hauptbühne mit Moop Mama, den Flying Pickets und anderen teilen. Schon am 21. August darf man sich auf Folkshilfe, Wir4plusEins mit Wolfgang Ambros, Caro Fux, Alexander Eder und Ella Stern freuen. Unter www.kronefest.at gibt es das komplette Line-Up, die Einteilung nach Bühnen und alle weiteren Informationen zum kostenlosen Top-Festival.

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