Regisseur Damiano Michieletto verlegt das Spiel auf dem See, Verdis „La Traviata“, in die rauschhaften, aber gnadenlosen 1920er-Jahre. Im „Krone“-Interview erklärt er, warum er das getan hat.
„Krone“: Maestro Michieletto, die Bühnenskulptur zeigt einen zerbrochenen Spiegel, Sinnbild für das Leben der Protagonistin Violetta Valéry. Wenn Sie mit dieser Handlung dieses Leben zwischen der glamourösen Welt des ersten Akts und dem Sterben am Ende erzählen, interessiert Sie dabei auch der moralische Aspekt? „La Traviata“ heißt ja „die vom rechten Weg Abgekommene“?
Damiano Michieletto: Es ist die Gesellschaft, die Violetta zu einer Kurtisane macht, sie ist ein Opfer der Gesellschaft, in der sie lebt. Der Titel „La Traviata“ zitiert das öffentliche Urteil, das über Violetta gefällt wird. Es gibt ja den Punkt in ihrer Biografie, wo sie ihr Leben vollständig ändert. Als sie Alfredo trifft, kehrt sie Paris den Rücken, lebt mit ihm auf dem Lande. Mich interessiert vor allem Violettas Traum von einem glücklichen Leben in Ruhe und in Liebe.
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