Mauer statt Wanderweg

Deutscher Milliardär bringt Vorarlberger auf Palme

Vorarlberg
10.07.2026 14:35

In der Gemeinde Lochau in Vorarlberg sorgt der Bau einer Villa für gehörigen Ärger. Der Grund: Ein deutscher Milliardär hat einen Panoramawanderweg auf den Pfänder, eines der beliebtesten Ausflugsziele im Ländle überhaupt, eigenmächtig verlegt. Dort, wo einst der Pfad verlief, steht nun eine Barrikade.

Freie Sicht auf den Bodensee, jeden Abend ein Sonnenuntergang wie aus einem Reiseprospekt: Der Pfänderhang in Lochau ist die mit Abstand exklusivste Wohnlage in Vorarlberg, wer sich hier in Eigentum verewigen will, braucht vor allem eines: viel Geld.

Michael Wisser, ein Unternehmer aus Frankfurt, hat davon jede Menge, er hat eine Gebäudereinigungsfirma zu einem internationalen Dienstleister ausgebaut und ist so zum Milliardär geworden. Als solcher will man natürlich standesgemäß logieren, also erwarb er vor ein paar Jahren ein Grundstück am Pfänderhang und ließ darauf eine Villa errichten, der man auf den ersten Blick ansieht, dass der Hausherr kein kleiner Bausparer ist.

Schon schön: der Blick vom Pfänder auf den Bodensee
Schon schön: der Blick vom Pfänder auf den Bodensee(Bild: Veronika Breuer)

Auf einmal war der Wanderweg weg
Doch bereits während der Bauphase hat der reiche Deutsche den Unmut vieler Vorarlberger auf sich gezogen. Denn am Rand seines Grundstückes verläuft ein beliebter Wanderweg auf den Pfänder. Und diesen ließ er kurzerhand sperren – Sicherheitsgründe und so. Mittlerweile steht die Villa Protz und dort, wo früher der Pfad verlief, bäumt sich eine Gartenmauer auf. Und so etwas kommt in Vorarlberg gar nicht gut an: Reich darf man im Ländle gerne sein, das freie Unternehmertum wird fast schon religiös verehrt – nur sollte man nicht eigenmächtig die Regeln machen.

Ortschef: „Ein beispielloses Vorgehen“
Jedenfalls beschwerten sich unzählige Einheimische bei der Gemeinde und forderten, dass der alte Wanderweg wieder geöffnet werden müsse. Auch Lochaus Bürgermeister Frank Matt ist ob der Unverfrorenheit des Unternehmers fassungslos: „Wir Lochauer sind alle verärgert, so ein Vorgehen ist beispiellos und es wird dagegen vorgegangen“, echauffierte er sich gegenüber dem ORF. Die Gemeinde prüft nun zivilrechtliche Schritte. 

Der Lochauer Bürgermeister Frank Matt ist auf den deutschen Milliardär nicht gut zu sprechen.
Der Lochauer Bürgermeister Frank Matt ist auf den deutschen Milliardär nicht gut zu sprechen.(Bild: Shourot Maurice)

Gewaltiges Medienecho
Was für Wisser aber womöglich noch deutlich schmerzhafter ist: Der Fall hat mittlerweile auch in seiner Heimat ein gewaltiges Medienecho ausgelöst. „Deutscher Milliardär baut Villa auf Wanderweg“, titelte die mächtige „Bild“ am Donnerstag, garniert mit einem Foto der Mauer des Anstoßes und einem Porträtbild des fröhlich grinsenden Milliardärs. Das Lachen dürfte Wisser angesichts solcher Schlagzeilen vergangen sein. Ob er allerdings einlenken wird, darf bezweifelt werden. Den einer Schuld ist er sich nicht bewusst: Laut Jana Lorena Eggert, der Sprecherin der Familie Wisser, bestehe auf dem erworbenen Grundstück weiterhin ein öffentliches Wegerecht. Der Eigentümer dürfe aber entscheiden, wo der Weg auf seinem Grund verläuft. Es sei eine nur geringfügig abweichende Alternative geschaffen worden, um Wanderern „eine sichere und befestigte Strecke“ zu bieten. Zudem würden Luftaufnahmen belegen, dass der Weg auch früher schon mehrfach verlegt worden sei.

Die „Mauer des Anstoßes“.
Die „Mauer des Anstoßes“.(Bild: Harald Küng)

Gericht könnte über Wegverlauf entscheiden
Und wie wird es nun in der Causa weitergehen? Die wahrscheinlichste Option: Ein Gericht wird letztlich klären müssen, ob der Wanderweg wie früher rechts von der Villa (Wunsch der Gemeinde) oder links davon (Umsetzung des Besitzers) verlaufen soll. Gleich wie das Urteil ausfällt, eines ist jetzt schon sicher: Ehrenbürger der Gemeinde Lochau wird Michael Wisser so schnell nicht werden.

Dabei wäre es für ihn so einfach gewesen: Den Wanderweg nach Fertigstellung der Betonvilla einfach an der alten Stelle auf eigene Kosten wieder instand setzen, dazu ein Instrument für örtliche Bürgermusik, eine kleine Spende an den Krankenpflegeverein – und schon hätte er den Sonnenuntergang am Bodensee in aller Ruhe genießen können ... 

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