Schneller als angesagt

Jaecoo 5: China-SUV wurde auf Stromlinie gebracht

Motor
12.07.2026 12:00

Mehr als zehn Prozent Marktanteil haben Chinas Hersteller bereits in Österreich, über Zehntel davon die Doppelmarke Omoda-Jaecoo. Dabei ist die Chery-Tochter erst seit November bei uns zu haben, wegen der Strafzölle der EU vorerst „nur“ mit einem Benziner und Hybriden – das ändert sich allerdings mit dem Jaecoo 5. Der kommt im Herbst als reiner Stromer zu uns, die „Krone“ ist das Kompakt-SUV schon gefahren…

Mit 4,38 m Länge ist der Jaecoo 5 genau 10 cm kürzer als der Elektro-Bestseller Škoda Elroq, im Gegensatz zum Tschechen gibt es den Chinesen ausschließlich mit Frontantrieb. Dabei gibt sich der J5 wie ein Modell einer bekannten Offroad-Marke: Range Rover hat wie beim größeren J7 sichtlich als Vorbild gedient, an der Front des sitzt jedoch diesmal kein fetter Chrom-Kühlergrill, glatte Flächen sind hier gefragt. Er wurde auf Stromlinie gebracht. Den J5 gibt es in anderen Ländern auch als Hybriden, als Elektroauto geht es für ihn aber um Reichweite: 402 km soll der J5 mit einer vollen Ladung der 61 kWh großen Lithium-Eisenphosphat-Akkus (LFP) schaffen.

(Bild: Stefan Burgstaller)

Unter der Norm
Geladen wird mit 11 (AC) bzw. 130 kW (DC), am Schnelllader geht es damit binnen 28 Minuten von 30 auf 80 Prozent. Das können manche Konkurrenten schon etwas flotter. Eine Wärmepumpe ist übrigens immer an Bord. Beim Vorserien-Testauto war noch keine dabei, der Verbrauch blieb mit 14,6 kWh/100 km jedenfalls deutlich unter den 16,5 kWh/100 km laut WLTP-Norm.

(Bild: Stefan Burgstaller)

Auch die angegebenen 7,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h hat der J5 beim ersten Test knapp unterboten, wir stoppten 7,5 Sekunden die Uhr. Bei 175 km/h wird abgeregelt, Motorisierung steht übrigens nur eine zur Wahl: 155 kW/211 PS und 288 Nm. Damit können Anhänger bis 750 (ungebremst) bzw. 1250 kg (gebremst) gezogen werden, falls der 35-l-„Frunk“ unter der Fronthaube und der 480 l große Kofferraum nicht ausreichen. Letzterem hat man praktischerweise einen doppelten Ladeboden, ausklappbare Haken für Sackerl und einen 12-V-Stecker spendiert.

(Bild: Stefan Burgstaller)

Beschwerde von der Rückbank
Auf der Rückbank finden 1,80-m-Menschen hinter Gleichgroßen ausreichend Kniefreiheit vor, unter den Vordersitzen bleibt viel Platz für die Füße. Der Smartphone-affine Nachwuchs könnte sich aber beschweren, weil hinten nur ein USB-Stecker wartet – und der ist kein USB-C-Anschluss, sondern im alten USB-Format, das ist in China noch weit verbreitet ist.

(Bild: Stefan Burgstaller)

Seine chinesische Herkunft kann auch das Fahrwerk nicht verleugnen: Es ist auf der gemütlichen Seite, in Kurven spürt man die 1,65 m Höhe. Die Lenkung liefert nicht allzu viel Rückmeldung, auch nicht im Sport-Modus. Hier zählt eben der Komfort. Weniger komfortabel ist die Energie-Rückgewinnung: Sie kann auf dem Touchscreen dreistufig verstellt werden – allerdings verzögert der E-Motor erst zeitversetzt, dafür vehement. Das ist unangenehm.

(Bild: Stefan Burgstaller)

Integrierter Tachodisplay
Angenehmer ist der Blick auf das Cockpit: Beim J5 wurde ein 8,8-Zoll-Tachodisplay in eine Zierleiste integriert, die sich über die ganze Breite spannt, das sieht schick aus. Leider ist die Schrift auch in diesem chinesischen Auto zu klein geraten, weil der Fahrer mit zu viel Infos bedient wird.

(Bild: Stefan Burgstaller)

In der Mitte des Cockpits prangt ein 13,2-Zoll-Infotainment im Hochformat. Und fast überraschend findet man darunter sogar drei Tasten: für Warnblinker, Verriegelung und Fahrmodus. Der Rest läuft über den Touchscreen, die Menüführung ist weitgehend übersichtlich. Auch wenn manche Funktionen wie z.B. Autohold nur im Schnellzugriff-Menü zu finden sind. Sogar eine 540-Grad-Kameraansicht ist darauf zu bewundern, da kann man quasi durch das Auto hindurch sehen und Hindernisse oder Randsteine erkennen.

(Bild: Stefan Burgstaller)

Materialien überraschen
Apple CarPlay und Android Auto funktionieren kabellos, unter dem großen Bildschirm befindensich passend dazu zwei große Smartphone-Ablagen, eine davon ist als gekühlte Ladeschale ausgeführt. Die Materialien im Cockpit sehen gut aus – und greifen sind auch gut an, so wurden etwa Armaturenbrett und die vordere Türverkleidung mit geschäumten Kunststoffen versehen.

Einzig der Klavierlack in der Mittelkonsole könnte Feinden von Kratzern Stirnfalten bereiten. Apropos Kopf: Über dem befindet sich in der besseren der zwei Ausstattungen ein großes Panorama-Glasdach, dem auch eine Rollo spendiert hat.

(Bild: Stefan Burgstaller)

Klingt nach einem runden Angebot, allerdings wird das erst der Preis wirklich zeigen. Und der steht noch nicht fest – zum Vergleich: In Holland bzw. Frankreich geht’s bei 32.490 bzw. 32.990 Euro los.

Warum?
Umfangreiche Serienausstattung
Jede Menge Platz und Ablagen
Effizienter Antrieb

Warum nicht?
Durchschnittliche Ladeleistung
Zu weiches Fahrwerk
Verzögerte Rekuperation

Oder vielleicht…
BYD Atto 3 Evo
Kia EV3
Peugeot E-2008

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