Jude Bellingham war der Matchwinner beim hart umkämpften Sieg der Engländer gegen Norwegen. Vor dem Spiel hatte seine Mutter ihm einige nützliche Tipps mit auf den Weg gegeben.
Jude Bellingham hat England bei der Fußball-WM auch gegen Norwegen zum Sieg und damit ins Halbfinale geführt. Wie schon gegen Mexiko traf der Real-Madrid-Star am Samstag (Ortszeit) in Miami gegen die Skandinavier doppelt und drehte damit die Partie nach 0:1-Rückstand in einen 2:1-Sieg nach Verlängerung. „Bellingham rettet das Königreich“, schrieb die französische Zeitung „L‘Equipe“ treffend. „Das übertrifft meine kühnsten Träume“, meinte wiederum der englische Matchwinner.
Ratschläge von Mutter
Dieser hatte von seiner Mutter eine ganze Reihe an Ratschlägen vor dem Match bekommen. „Pass auf, was du sagst. Pass bei den Grätschen auf. Achte auf deine Emotionen“, erzählte Bellingham über die Tipps von Mama Denise. Ihr Sohn sollte gegen Norwegen auf keinen Fall seine zweite Gelbe Karte und damit eine Sperre für das Halbfinale kassieren. Der Offensivspieler gehorchte und schoss „nebenbei“ auch gleich zwei Tore. Die englischen Fans in Miami lagen sich anschließend beim Gassenhauer „Hey Jude“ in den Armen, die verbliebenen Beatles höchstselbst feierten den Helden der „Three Lions“ via Instagram.
Surreales in Miami
Bellingham war nach den Überstunden und dem Happy End gegen Norwegen erleichtert. Davon habe er nicht zu träumen gewagt, meinte der 23-Jährige. „Ich meine, du gehst ja nicht abends ins Bett und träumst von solchen Spielen.“ Das Duell lieferte viele Facetten, darunter auch Surreales – etwa eine Szene vor dem Ausgleich. Nach dem Abstoß von Norwegens Keeper Örjan Nyland wurde der Ball möglicherweise von einem Kamerakabel in der Luft gestoppt und fiel vor die Füße von Anthony Gordon – der daraufhin das Tor einleitete.

Bellingham äußerte sich zu der Szene nicht, er habe es nicht genau gesehen. Die FIFA pochte darauf, dass der Chip im Ball keine Berührung aufgezeichnet habe, die Szene also nicht so passiert sein kann. Die Norweger und auch die TV-Aufnahmen lassen einen anderen Rückschluss zu. „Also ich würde eher den Norwegern glauben als der FIFA“, sagte Englands Ex-Nationalspieler Gary Neville. In der Verlängerung war Bellingham nach einem Patzer von Nyland erneut zur Stelle. „Das war eine Weltklasse-Leistung von einem Weltklasse-Spieler“, befand sein Trainer Thomas Tuchel.
Tuchels Unzufriedenheit
Der Deutsche war zwar nicht zufrieden mit der Leistung seiner Mannschaft gewesen. „Wir können viel schneller spielen, präziser, mit weniger unerzwungenen Fehlern.“ Tuchel lobte sein Team dennoch. „Das ist pure Mentalität. Die kann man in Flaschen abfüllen und verkaufen.“ Zu einer ähnlichen Einschätzung kam die englische Presse. „War es schön? Nein. War es angenehm? Nicht wirklich. Aber spielt das überhaupt eine Rolle? Nicht im Geringsten. Doch wieder einmal hat diese englische Mannschaft ihren Kampfgeist bewiesen und bei diesem Turnier ein großartiges Ergebnis erzielt“, hieß es bei der „Daily Mail“.
Tuchel kann sich vor allem auf Sturmstar Harry Kane und Bellingham verlassen. Beide haben bereits je sechs Tore erzielt, bisher waren keinem Engländer bei einer WM mehr als fünf Tore gelungen. „Ich lasse Harry und Jude zusammen spielen und sie erledigen den Rest“, beschrieb Tuchel das Erfolgsrezept. Dass dieser den Auftritt seines Teams als „schlampig“ kritisierte und viele technische Fehler bemängelte, irritierte indes Bellingham. „Vielleicht weiß er nicht, wie es ist, unter diesen Bedingungen zu spielen“, knurrte der Matchwinner nach dem knallharten Hitzespiel über mehr als 120 Minuten.
Eisbäder und Regenerationsgetränke
Für seine Mitspieler hatte Bellingham nur Lob. „Sie sind Krieger“, sagte der Offensivspieler. Nicht einmal Norwegens Führung durch ein Traumtor von Andreas Schjelderup warf die Mannschaft aus der Bahn. Direkt am Abend ging es zurück ins Teamcamp nach Kansas City. Gefeiert wurde laut Bellingham mit Eisbädern und Regenerationsgetränken. Alles fiebert nun auf das Halbfinale gegen Titelverteidiger Argentinien in Atlanta hin. Bellingham darf sich da eine Gelbe Karte leisten, nach dem Viertelfinale werden gemäß den Regeln alle Verwarnungen gelöscht.
Zweimal will England nun noch feiern, dann ist man nach 60 Jahren Schmerz endlich am Ziel. „Jeder hier ist bereit für die nächsten acht Tage. Dieser Sieg hilft uns wahnsinnig“, betonte Tuchel.
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