„Wir werden über das Kabel reden, bis wir alle tot sind“, sagte Norwegen-Teamchef Stale Solbakken über vermeintlich irregulären Treffer der Engländer. Der Frust der Norweger sitzt tief. Was bleibt, ist jedoch die Euphorie, die sein Team bei der WM entfachte.
Norwegens Fußball-Party ist vorbei. Im Viertelfinale von Miami endete der historische WM-Lauf von Erling Haaland und Co. durch eine 1:2-Niederlage nach Verlängerung gegen England. Dennoch vergoss der norwegische Teamchef Stale Solbakken Tränen des Stolzes. „Wir haben auf höchstem Niveau gespielt. Das Glück war heute nicht auf unserer Seite, aber so ist das Leben. Jetzt müssen wir erst einmal durchatmen“, sagte der Coach. Was bleibt, ist die Euphorie, die sein Team entfachte.
Norwegen eroberte mit seinen Leistungen bei der WM in Nordamerika die Herzen der Fußball-Fans – daheim und weltweit. Das Team um Kapitän Martin Ödegaard stürmte durch die Gruppenphase und besiegte in der K.o.-Phase erst die Elfenbeinküste und dann Rekordweltmeister Brasilien. Mit Haalands Toren und dem einzigartigen Ruder-Jubel hinterließen die Skandinavier eindrucksvoll ihre Spuren beim XXL-Turnier. In der Heimat grassierte ein Fußballfieber ungeahnten Ausmaßes: Zehntausende feierten die Erfolge in den Straßen und Plätzen, die roten Heimtrikots waren ausverkauft.
Keine Langeweile mit Norwegen
„Ich hoffe, dass der Sommer ‘26 für alle in Ordnung war und dass wir gemeinsam etwas Gutes erreicht haben. Wir haben fantastische Unterstützung aus ganz Norwegen erhalten und sind den hohen Erwartungen gerecht geworden – darauf bin ich wirklich stolz“, sagte Solbakken, der bei der letzten WM-Teilnahme seines Landes vor 28 Jahren selber noch Spieler war. „Wir haben gesagt, dass wir nach den fantastischen Qualifikationsspielen bei der WM noch einen Gang zulegen würden, und das ist uns gelungen. Die Jungs haben das geschafft. Wir waren nun sechseinhalb Wochen gemeinsam hier. Ich habe nicht den Eindruck, dass sich die Leute auch nur eine Sekunde lang gelangweilt haben.“
In einem dramatischen Spiel ging Norwegen durch Andreas Schjelderup in Führung. Ein weiterer Treffer wurde nach VAR-Intervention aberkannt. Auch die kuriose Kabel-Szene – der Ball soll nach einem Abschlag von Keeper Örjan Nyland ein Kamerakabel berührt haben -, die zum Ausgleich Englands führte, verlief zuungunsten des Außenseiters.
Im Gegensatz zu Haalands Vater Alf-Inge – dieser meinte, er „habe das Gefühl, dass wir heute um den Sieg betrogen wurden“ – sagte Solbakken, er wolle nicht, dass dieser Vorfall zur „Hauptgeschichte“ werde. „Wir werden über das Kabel reden, bis wir alle tot sind. Aber ich hoffe, dass dies nicht die Geschichte dieser Mannschaft sein wird. Das sollte es nicht sein.“ Solche Dinge würden eben passieren, so Solbakken, der hinzufügte: „Wir wollen England einfach nur viel Glück wünschen.“
Ein letztes Mal „Viking Row“
In Norwegen wurde derweil ein letztes Mal gefeiert. Tausende strömten in den frühen Morgenstunden des Sonntags auf die Straßen von Oslo, um ihre letzte WM-Nacht in ein Fest zu verwandeln – ein Fest zur Würdigung eines historischen Turnierverlaufs. Ein letztes Mal wurde der Ruder-Jubel zelebriert. „Wir sind stolz auf sie. Danke für die tollen Erinnerungen“, sagte ein Fan dem öffentlich-rechtlichen Sender NRK. „Es war eine unglaubliche Reise. Der ‘Viking Row‘ hat die ganze Welt erobert, und wir haben mehr erreicht, als wir uns jemals erträumen konnten“, sagte ein anderer Fan.
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