E-Mail-Dienste von Microsoft, Webseiten auf Amazon-Servern: Die Warnungen vor einer starken technischen Abhängigkeit Europas von großen Anbietern – vor allem aus den USA – haben deutlich zugenommen. Eine von Forschenden der Linzer Digital-Uni IT:U erstellte Landkarte gibt nun Einblick, wie stark Länder und Gemeinden ihre digitale Infrastruktur an ausländische Anbieter ausgelagert haben.
In der Diskussion um die Vormachtstellung von US-amerikanischen Tech-Giganten – Stichwort digitale Souveränität – sehen manche Expertinnen und Experten bereits ein kritisches Ausmaß erreicht. Eine empirische Grundlage für die Debatte in Form einer interaktiven Karte zu den Betreibern der digitalen Infrastruktur liefern nun Forschende der IT:U rund um Florian Holzbauer. Für die Karte (municipalytics.internetwarte.eu) wurden den Angaben zufolge Eurostat-Daten mit rund 89.000 Wikidata-Einträgen zu kommunalen Websites kombiniert. Rund 95.500 Kommunen in 30 europäischen Ländern sind vertreten.
„Überraschend war der große Unterschied zwischen den europäischen Ländern. Österreich liegt irgendwo in der Mitte“, erklärt Holzbauer. Insbesondere bei E-Mail-Diensten gebe es aber eine verstärkte Abhängigkeit von großen externen Anbietern. Er weist allerdings darauf hin, dass sobald mindestens ein Anbieter außerhalb der EU erkannt wird, die Karte eine Abhängigkeit anzeigt, auch wenn im Alltag zum Teil auf andere – möglicherweise heimische – Dienstleister zurückgegriffen wird.
Microsoft bei Mail-Diensten in starker Position
Insgesamt sind in den heimischen Städten und Gemeinden genutzte E-Mail-Dienste demzufolge nur zu 13 Prozent ausschließlich von europäischen oder heimischen Anbietern. Rund 87 Prozent nutzen auch außereuropäische Dienstleister. Gänzlich anders ist die Situation in Deutschland: Hier ist nur bei 20 Prozent ein Anbieter von außerhalb der eigenen Grenzen im Spiel. In Finnland sind es hingegen 99 Prozent, was vor allem auf den hohen Anteil von Microsoft-Diensten zurückzuführen sei.
„Im Norden ist Microsoft bei Mail-Diensten sehr stark im Einsatz. Wenn man ein E-Mail an eine Gemeinde schickt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Nachricht in der Microsoft-Cloud landet“, so Holzbauer. Es gebe aber auch Länder mit gegenteiligen Strategien. „In Deutschland und Polen wird viel im eigenen Land gehostet. Überraschend war, dass es da einen kompetitiven Markt und viele regionale Anbieter gibt, an die sich die Gemeinden wenden. Das ist dann auch sehr resilient, weil öffentliche Einrichtungen mehr Kontrolle über ihre Daten und die digitale Infrastruktur behalten“, streicht der Forscher hervor.
Gemeinde-Website wird eher lokal betrieben
Beim Hosting von Websites liege der europäische Anteil durch die Bank höher als bei den Mail-Diensten. Gemeinde-Websites würden eher lokal betrieben. In Österreich sind es den Angaben zufolge 60 Prozent, Deutschland kommt beispielsweise auf 97 Prozent, Irland hingegen nur auf 14 Prozent. Generell würden sich Kommunen in Osteuropa und Teilen Mitteleuropas häufiger auf inländische infrastrukturelle Lösungen verlassen, während Städte und Gemeinden in Nord- und Westeuropa öfter auf extern kontrollierte Ökosysteme zugreifen.
Man habe in den vergangenen Jahren erkannt, dass eine zu große Abhängigkeit auch Folgen haben kann. Lange seien für Behörden vor allem Kosten und Komfort im Vordergrund gestanden. „Jetzt sind die Konsequenzen durch die Eingriffe der US-Regierung, etwa dass Menschen von den Services ausgeschlossen und Daten weitergegeben wurden, stärker spürbar. In Zukunft wird vermutlich häufiger von den Ländern vorgegeben, welche Dienste die Gemeinden nutzen dürfen“, so Holzbauer. Es seien aber erhebliche Anstrengungen von Politik und Wirtschaft notwendig, um europäische Lösungen auf das Niveau globaler Anbieter zu bringen.
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.