Alice Cooper und Co.

Lovely Days: Wenn es beim Schlosspark wild rumpelt

Musik
05.07.2026 03:23

Viele Monate im Vorfeld war das traditionelle „Lovely Days“-Fesitival zum Zehnjahres-Jubiläum ausverkauft – und im Schlosspark Esterházy in Eisenstadt war die Stimmung mit 10.000 Fans top. Dafür sorgten Gruselpapst Alice Cooper und eine entfesselnd aufspielende Foreigner-Truppe. Für die Ausgabe 2027 zeigt man sich auch schon gerüstet.

kmm

Was früher für das musikalisch nun relativ brachliegende Wiesen galt, hat sich seit einiger Zeit in Eisenstadt zum Credo für Fans alter Rock-Legenden herauskristallisiert: frei nach dem Motto „alle Jahre wieder“ werden die Picknickdecken ausgebreitet, der kalte Spritzer bestellt und bei hoffentlich sommerlichen Temperaturen Rocklegenden längst vergangener Tage gedacht. Das funktioniert beim traditionellen „Lovely Days“ heuer offenbar besonders gut. Die Version 2026 war schon vor Monaten restlos ausverkauft, was natürlich hauptsächlich dem Zugpferd Alice Cooper zu verdanken ist – ein Headliner von Weltklasseformat. Sehen lassen kann sich auch das Drumherum, wenn die Größen vergangener Tage mittlerweile aber auch zu Tribute-Projekte verkommen. Foreigner touren seit Jahren ohne Originalmitglied, bei den Troggs gibt es Ur-Gitarrist Chris Britton noch am Papier, aber kaum noch auf einer Bühne und Clearwater Creedence Revival (bitte ganz genau lesen!) haben noch bis zum Veranstaltungstag Gäste verwirrt, die doch auf das Original mit John Fogerty hofften. Leider nein.

Top-Stimmung und perfektes Wetter bei der zehnten und ausverkauften Auflage des „Lovely Days“ in ...
Top-Stimmung und perfektes Wetter bei der zehnten und ausverkauften Auflage des „Lovely Days“ in Eisenstadt.(Bild: Andreas Graf)

Die Tantiemen rascheln
Den Boden für einen gelungenen Tag voller Legenden bereitet schon zur späteren Mittagszeit eine holländisch-österreichische: Hans Theessink. Der kultige Blueser lockt bereits zu früher Stunde eine respektvolle Anzahl an Menschen vor die Bühnen, die sich auch von der stechenden Mittagssonne nicht den Spaß verderben lassen. Theessink selbst gefällt die entspannte Kulisse sichtlich und alle Anwesenden sind schnell aufgewärmt für eine ganze Wagenladung an Hits. John Fogerty schrieb in gut fünf Jahren intensiver Karriere mehr Hits als andere in ihrem Leben – und zahlreiche Coverbands sorgen dafür, dass auch die Tantiemen weiter fleißig rascheln. Die Clearwater Creedence Revival Combo kommt in veränderter Besetzung, die nicht genauer erläutert wird, nach Eisenstadt, aber das Personal ist nebensächlich. Von „Lodi“ und „Who’ll Stop The Rain“ über „Born On The Bayou“ und „Bad Moon Rising“ bis hin zu „Have You Ever Seen The Rain“ und den Anti-Vietnamkriegssong „Fortunate Son“ hat man fast alles im Köcher, was Fogerty zu einem der besten Songwriter machte. Die Stimmung ist bei diesem Hit-Stakkato natürlich schnell am Siedepunkt – Veranstalter Ewald Tatar staunt da zurecht freudig am Bühnenrand in die tobende Menge.

Coverband mit Liebe zu großen Hits, die für viele Missverständnisse sorgte: Clearwater Creedence ...
Coverband mit Liebe zu großen Hits, die für viele Missverständnisse sorgte: Clearwater Creedence Revival.(Bild: Andreas Graf)

Partielle Wolkenschübe sorgen dafür, dass die Gluthitze immer nur temporär bleibt und man ideales Festivalwetter hat. Das sorgt auch für gute Barumsätze, denn bei 40 Grad ist die Auffüllung des Elektrolythaushalts zwar wichtig, aber wesentlich beschwerlicher als bei normalen Sommertemperaturen. Nach kurzer Umbau- und Auftankphase betreten die 60er-Brit-Rocker The Troggs die Bühne. Oder besser gesagt: eine Coverband, die unter originalen Namen Songs von damals spielt und den Welthit „Wild Thing“ schon ganz zu Beginn anspielt - wenn auch nur für ein paar Sekunden. Man muss schließlich schnell zeigen, was man hat. Frontmann Chris Allen könnte mit schwarzer Lederhose, Drachenshirt und Pilotensonnenbrille auch Bandmitglied von Judas Priest sein, gibt es mit Songs wie „Love Is All Around“ oder „With A Girl Like You“ sanfter und romantischer. Die Performance der Mietband wirkt aber leidlich hüftsteif, da hilft es auch nicht viel, wenn Allen die mächtige seitliche Zahnlücke blitzen lässt und die Leute zum Jubeln animiert. Der Top-Hit „Wild Thing“ erweckt nostalgische Gefühle bei vielen Fans, da fallen sogar leichte Regentropfen. Eine feurige Show sieht aber anders aus.

Zeitreise zurück in die 60er-Jahre: The Troggs mit Sänger Chris Allen (l.), der sich auch gut in ...
Zeitreise zurück in die 60er-Jahre: The Troggs mit Sänger Chris Allen (l.), der sich auch gut in einer alten Metalband machen würde.(Bild: Andreas Graf)

Jazzrock als frühes Highlight
Ganz anders dann die Vorstellung der britischen Jazzrock-Institution Colosseum. Seit 2020 ist die Kultband wieder unterwegs und begeisterte u.a. auch schon im Wiener Jazzclub Porgy & Bess. Sänger Chris Farlowe wird im Oktober 86 und wurde erst vor wenigen Jahren im Internet totgesagt – eine infame und falsche Unterstellung, die von unterschiedlichen Medien unreflektiert übernommen und geteilt wurde. Körperlich mag er schon gebückt wirken, wenn es um die Stimme und den schwarzen britischen Schmäh geht, macht dem ältesten Frontmann des Tages aber niemand was vor. Dazu spielt die Band mit Gitarrist Dave Clempson und Bassist Mark Clarke wunderbar zusammen, ein behutsam eingesetztes Saxofon sorgt dafür, dass man im Vergleich zu den meisten Bands der diesjährigen Ausgabe für etwas mehr Qualität und Verspieltheit sorgt. Mit einem herzhaften „Grüß Gott, Österreich“, leitet Farlowe in ein Set, das frisch und unverbraucht wirkt und zeigt, dass man auch ohne große Hits ein Publikum binden kann. Musikalisch eines der Highlights des Tages.

Überraschend frühes Higlight an einem gelungenen Festival-Tag: Colosseum rund um den stimmlich ...
Überraschend frühes Higlight an einem gelungenen Festival-Tag: Colosseum rund um den stimmlich fitten Chris Farlowe.(Bild: Andreas Graf)

Unermüdlich ist auch der ebenfalls schon 85-jährige Manfred Mann mit seiner Combo unterwegs. Mit seiner Earth Band spielte er zwar nie in der ersten Liga, konnte sich seinen Platz auf guten Festivalslots aber verdient sichern. Im Direktvergleich zu Colosseum wirkt das Gespann des Südafrikaners deutlich progressiver. Songs wie „Don’t Kill It Carol“ oder das ausladende „Father Of Day, Father Of Night“ stecken voller kompositorischer Spielereien und interessanter Wendungen, was für ein vielseitiges Konzerterlebnis sorgt. Die beiden Frontmänner Mick Rogers und Robert Hart (ehemals Bad Company) teilen sich die Präsenz und Verantwortung am Mikro brüderlich auf. Rogers im feinen Zwirn und eher auf edler Charmeur aus, Hart wie ein Art Schmalspur-Rod-Stewart mit britischem Humor und entspanntem Flair. Mit den bekannten Gassenhauern „Blinded By The Light“ oder „Quinn The Eskimo (The Mighty Quinn)“ knackt man das länger reservierte Publikum am Ende und geht zufrieden von der Bühne. Wie erwähnt – niemals so richtig erste Liga, aber konstant stark.

Der zweitälteste Musiker des Festivals – Keyboard-Legende Manfred Mann sorgte mit seiner Earth ...
Der zweitälteste Musiker des Festivals – Keyboard-Legende Manfred Mann sorgte mit seiner Earth Band für den progressiven Touch des Tages.(Bild: Andreas Graf)

Von Eisenstadt nach Salzburg
Im Vorfeld des Gigs nahem sich Rogers und Hart auch Zeit, um mit der „Krone“ zu sprechen. „Hier war Joseph Haydn tätig“, zeigt sich Hart begeistert vom Schloss Esterházy. Noch mehr Klassik-Liebe hat Mick Rogers, der erst vor wenigen Monaten eine Soloshow im Wiener Reigen gespielt hat. Er plant 2027 einen längeren Aufenthalt in Salzburg, um sein Projekt „Planet Mozart“ umzusetzen. „Rockmusik mit Chören und einem Orchester“, so der Musiker, „ich will das an der Universität Mozarteum umsetzen und habe große Pläne.“ In der Gegenwart liegt die Earth Band aber bei beiden wichtig voran. „Wir sind mittlerweile richtig gute Freunde“, so Hart, „Partys und Trinkereien sind vorbei. Normalerweise schlafe ich 20 Minuten nach einem Auftritt, Mick trinkt vorher eine Tasse Heiße Schokolade, aber das war es dann.“ Golfspielen wie Alice Cooper ist bei Mick Rogers kein Thema, dafür Tennis: „Aber all meine Matchpartner sind tot“, lacht er bittersüß, „im Ernst, ich habe keine fixen Partner mehr. So ist jetzt eben wieder mehr Zeit für Musik.“

Ausgelassene Stimmung bei wunderbaren Temperaturen – das „Lovely Days“ war ein voller Erfolg.
Ausgelassene Stimmung bei wunderbaren Temperaturen – das „Lovely Days“ war ein voller Erfolg.(Bild: Andreas Graf)

Ohne Originalmitglied kommen auch die amerikanischen Rocker Foreigner aus, die nur alle heiligen Zeiten in Österreich aufschlagen – zuletzt auf der Burg Clam 2019. Das letzte verbliebene Gründungsmitglied Mick Box ist live schon länger nicht mehr dabei – sein Parkinson lässt eine Tour längst nicht mehr zu. 2025 stieg auch der beliebte und etatmäßige Sänger Kelly Hansen aus, er hatte schlichtweg keine Lust mehr, ständig auf Tour zu sein. Zum Bandleader mutierte dafür Bassist und Keyboarder Jeff Pilson, der in den 80ern als Songwriter der Glam-Metal-Band Dokken schon eine Karriere hatte und 2004 bei den kommerziell erfolgreicheren Foreigner einstieg. Dort wurde letztes Jahr der wesentlich jüngere Sänger Luis Maldonado integriert, der offenbar auch den Segen der Ur-Stimmgewalt Lou Gramm bekam, der wiederum – wie Box von zu Hause aus – noch immer an den Fäden der Band zieht. Sie merken, es ist komplex, aber das Rock-Schiff rollt auch ohne Gründungsmitglied unaufhaltsam weiter und feiert heuer sein 50-Jahre-Jubiläum.

Mick Rogers und Robert Hart von Manfred Mann‘s Earth Band im Gespräch mit „Krone“-Redakteur ...
Mick Rogers und Robert Hart von Manfred Mann‘s Earth Band im Gespräch mit „Krone“-Redakteur Robert Fröwein.(Bild: Andreas Graf)

Bombastische Rock-Show
Laut Maldonado sei es die „erfolgreichste Tour aller Zeiten“ – ob das wahr ist, sei dahingestellt, die Chemie auf der Bühne der „Foreigner-Coverband“ passt jedenfalls. Der Sänger ist mit seinem ständigen Mikrohalter-Gepose und exaltierten Gospel-Gesangseinlagen aber auch gewöhnungsbedürftig. Nun ist die Eisenstadt-Show aber auch die letzte der Tour und dementsprechend gut gelaunt peitschen Foreigner ein hitlastiges Set mit Songs wie „Double Vision“, „Head Games“ oder ein ausladendes „Juke Box Hero“ herunter. Die wahre Stärke der Truppe liegt freilich in den Powerballaden. Bei „Waiting For A Girl Like You“ und vor allem „I Want To Know What Love Is“ bleibt kein Auge trocken. Maldonado stellt seine Band mit launigen Sprüchen vor, klatscht mit Fans ab und freut sich über ein junges Mädchen, das auf den Schultern der Eltern mit Feuereifer dabei ist. Warum man aber in ein Festival-Set ein Drum- und Keyboardsolo einbaut, weiß man wohl selbst nicht. Mit „Hot Blooded“ wird die ansonsten makellose Galavorstellung beendet. Und Pilson gab der „Krone“ im Interview davor Hoffnung auf eine Wien-Einzelshow im Herbst 2027. Dazu bald mehr.

Der neue Foreigner-Sänger Luis Maldonado hat durchaus markante Entertainmentqualitäten.
Der neue Foreigner-Sänger Luis Maldonado hat durchaus markante Entertainmentqualitäten.(Bild: Andreas Graf)

Ein Hauptgrund für das ausverkaufte Lovely Days mit rund 10.000 Leuten war freilich Headliner Alice Cooper. Nach einer entspannten Golf-Partie und ein paar Stunden in Wien mit alten Freunden zeigte er sich auch dementsprechend fit und gut gelaunt. Während seine Band rund um Top-Gitarrist Tommy Henriksen im Backstage Bande mit alten Weggefährten knüpfte, ließ sich Vincent Damon Furnier, so der bürgerliche Name des Gruselpapstes, lieber abseits des Geländes Zeit zur Vorbereitung. Stammgitarristin Nita Strauss wurde Mutter und fehlt aktuell, aber auch sonst ist seine kundige Band gut aufgestellt und weist mit Anna Cara eine Ersatzgitarristin von durchaus formidablem Format auf. Von den Hits ganz zu schweigen. „No More Mr. Nice Guy“, „House Of Fire“, „I’m Eighteen“ oder „Feed My Frankenstein“ sorgen für Nostalgie-Feeling mit viel Humor. Die Spielfreude ist jedenfalls erfrischend und kann man der guten Laune Foreigners gut mithalten.

Schockrock kennt kein Ablaufdatum. Alice Cooper zeigt sich auch mit 78 noch in Top-Form.
Schockrock kennt kein Ablaufdatum. Alice Cooper zeigt sich auch mit 78 noch in Top-Form.(Bild: Andreas Graf)

Theatralisches Schauspiel
Cooper fährt natürlich wieder alles an Schockrock-Gimmicks auf, was die Fans seit fast schon 60 Jahren begeistert – freilich inklusive Guillotine und Zwangsjacke. Da darf die Ehefrau schon einmal als Mordopfer herhalten, um am Ende der großen Musikrevue dankbar vorgestellt zu werden. Die Effekte haben natürlich Patina angesetzt, doch wo Cooper in den späten 60ern noch kräftig schockte, geht es heute längst nur noch um theatralisches Schauspiel. Dass es einen Tag nach der Zeugnisverteilung im Osten Österreichs auch noch eine Extended-Version von „School’s Out“ zum Mittanzen gibt, ist in puncto Timing-Perfektion kaum noch zu überbieten. Als Rausschmeißer des bislang größten „Lovely Days“ fungiert dann eine etwas überraschende Cover-Version von Nirvanas „Smells Like Teen Spirit“, das der kultige Rock-Opa aber nur mit viel Mühe zu singen vermag. Die Präferenzen einer Alice Cooper-Show liegen aber ohnehin ganz woanders. Ein Sommertag der Superlative.

Anna Cara besitzt vielleicht nicht das Charisma von Nita Strauss, an der Gitarre braucht sich ...
Anna Cara besitzt vielleicht nicht das Charisma von Nita Strauss, an der Gitarre braucht sich das neue Teammitglied von Alice Cooper aber keineswegs zu verstecken.(Bild: Andreas Graf)

Lovely Days 2027 steht schon
Das Lovely Days 2027 ist jedenfalls auch schon aufgestellt und mit den wichtigsten Bands besetzt. Am 3. Juli werden sich Lynyrd Skynyrd, The Australian Pink Floyd Show, 10cc, The Devon Allman Project und Ten Years After die Ehre geben. Weitere Bands folgen. Ab Montag gibt es unter www.oeticket.com Tickets für die Veranstaltung.

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