Was für eine Fußball-Schlacht, was für ein von Emotionen und unbändiger Leidenschaft geprägtes Spiel: Frankreich hat seine Anwartschaft auf den Gewinn des Titels bei der 23. Fußball-WM der Geschichte mit dem Aufstieg ins Viertelfinale untermauert! Kylian Mbappé und Co. mussten gegen Deutschland-Schreck Paraguay vor rund 69.000 Zuschauern in Philadelphia zwar hart kämpfen, sie siegten am Ende aber dank eines Elfers mit 1:0 ...
Während damit die Endrunde für die Südamerikaner überraschend spät im Turnierverlauf zu Ende ist, warten auf „Les Bleus“ am Weg zum so sehnlichst erhofften dritten Titelgewinn nach bisher fünf genommenen Hürden „nur“ mehr deren drei. Beginnend mit Marokko im Viertelfinale am kommenden Donnerstag ...
Angekündigtes Unwetter bleibt Stadion fern
Frankreich und Philadelphia, da war doch etwas, oder? Richtig! Wie anlässlich des bislang letzten Besuchs am Lincoln Financial Field gegen den Irak vor elf Tagen gab es heute in den Stunden vor dem geplanten Anpfiff große Sorgen wegen eines von den Wetterfröschen angekündigten Unwetter-Sturms. Wieder wurde vor heftigen Gewittern, Sturm, Starkregen und Blitzen gewarnt – immerhin wurden Tornados diesmal als nicht wahrscheinlich erachtet. Am Ende hatten die Teams von Frankreich und Paraguay sowie die Zigtausenden Fans auf den Rängen der normal von NFL-Team Philadelphia Eagles bespielten Arena Glück – und der angekündigte Unwetter-Sturm verschonte das zweite Achtelfinal- und allerletzte Philadelphia-Spiel bei der Nordamerika-WM ...
Was den „Sturm“ der Franzosen anbelangte, ließ die von Sélectionneur Didier Deschamps im gewohnten, offensiv variablen 4-2-3-1 aufgestellte Truppe keine Schonung des Gegners erwarten. Kylian Mbappé, Michael Olise, Bradley Barcola und Ousmane Dembélé waren einmal mehr für die Abteilung Attacke eingeplant, gegenüber dem Sechzehntelfinale gegen Schweden rückte lediglich Manu Koné für den angeschlagenen Aurélien Tchouaméni im zentralen Mittelfeld in die Startelf. Paraguay-Trainer Gustavo Alfaro „rührte“ im Gegensatz dazu schon mehr um, änderte seine Mannschaft nach der Sensation gegen Deutschland an drei Positionen: Omar Alderete, Gustavo Velázquez sowie Diego Gomez ersetzten José Canale, Damián Bobadilla sowie Gabriel Ávalos – und fügten sich für die Partie in eine erwartbare, massiv defensiv eingestellte 5-4-1-Formation.
Franzosen schrauben Ballbesitz auf 90 Prozent hoch
Und wahrlich: So aggressiv, emotional und leidenschaftlich die Paraguayer vor dem Anpfiff durch Schiri Ilgiz Tantashev die Hymne ihres Heimatlandes gesungen (?) hatten, so aggressiv, emotional und leidenschaftlich verteidigten sie in der Folge auch ihren Strafraum und ihr Tor. Trotz einer zeitweise in grotesk-lichte Höhen von rund 90 (!!!) Prozent abdriftenden Ballbesitz-Quote von „Les Bleus“ ließen die Südamerikaner de facto keine Chance zu. Nach einer halben Stunde hielten die Teams bei Expected-Goals-Werten von 0,02 (Paraguay) und 0,03 (Frankreich) – die im tiefen Block verteidigende Elf von Trainer Alfaro erwies sich als mindestens so undurchdringlich, wie es früher wohl der „eiserne Vorhang“ zwischen West- und Ost-Europa gewesen sein mag, wenn auch nicht so tödlich ...
Egal, was die Truppe von Trainer Deschamps auch probierte, weder Dribblings noch Flanken oder Steilpässe konnten gefährliche Situationen kreieren – und wenn einmal eine Flanke oder ein Pass durchrutschte, brachte das Paraguay-Goalie Orlando Gill anders als die Bruthitze von rund 40 Grad Celsius kaum einmal ins Schwitzen. Mehr als Beinahe-Chancen waren es am Ende nicht, die für die Franzosen bis zur Pause herausschauten – also das Tor verfehlende Weitschüsse (24./Koné, 33./Adrien Rabiot, 39./Mbappé) und danebengehende Kopfbälle (31./Mbappé).
Tätlichkeit gegen Mbappé bleibt ungesühnt
Die brenzligste Situation in Hälfte 1 gab‘s dann schon bei einem Zusammentreffen von Frankreich-Superstar Mbappé und Paraguay-Dauerläufer Matías Galarza: Denn als sich die Wege der beiden kreuzten, schlug Letzterer gegen den Oberkörper des Ersteren, der auch zu Boden ging. Schiri Tantashev bemerkte das Foul wohl nicht und auch der VAR griff zur Erleichterung der Südamerikaner nicht ein – mehr Infos dazu gibt‘s HIER! Mit Expected-Goals-Werten von wenig beeindruckenden 0,05 bzw. 0,15 ging‘s dann nicht lange danach in die Kabinen.
Spielcharakteristik bleibt nach Wiederbeginn gleich
Ohne personelle Wechsel und ohne großartige Änderung der Spielcharakteristik starteten Paraguay und Frankreich schließlich in die zweiten 45 Minuten ihres Achtelfinal-Duells. Weiterhin hielt der gefühlt von mehr als nur elf Südamerikanern errichtete vielbeinige Abwehrwall den Angriffsversuchen des Vizeweltmeisters von 2022 stand und weiterhin fehlte bei „Les Bleus“ ein wie auch immer gearteter genialer Moment, um die Paraguayer auf dem falschen Fuß zu erwischen.
Einmal hatte ausgerechnet Frankreich-Goalie Mike Maignan eine geniale Idee, als er in Minute 51 nach einem Eckball blitzschnell schaltete und Mbappé auf die lange Reise gen Gegner-Gehäuse schickte – doch der Real-Madrid-Star verpatzte bei Höchsttempo den ersten Kontakt mit dem Ball und Cáceres konnte noch entscheidend stören. Von allen bisherigen Beinahe-Chancen wäre diese wohl die größte gewesen ...
Beinahe-Chance von Mbappé als Weckruf für „Les Bleus“
Immerhin: Ein Weckruf für die Deschamps-Elf war diese Aktion allemal, direkt im Anschluss wurde Ousmane Dembélé nach der schnell ausgeführten Ecke übersehen, sodass er an der Grundlinie entlang tänzeln und abziehen konnte – er traf zwar nur das Außennetz, aber langsam schien ein Treffer tatsächlich in der Luft zu liegen. Wie wenig später auch bei einem Distanzschuss von Koné, für den sich Goalie Gill ordentlich strecken musste, um ihn zu entschärfen.
19. WM-Tor von Mbappé reicht für Viertelfinal-Aufstieg
Nach 61 Minuten war dann der Arbeitstag für den relativ unauffällig gebliebenen Barcola vorbei, der von Désiré Doué ersetzt wurde – und dessen Einwechslung sollte sich fünf Minuten später als die geniale, das Match entscheidende Idee von Sélectionneur Deschamps erweisen. Denn bei einem Dribbling in den Strafraum hinein wurde Doué von Diego Gomez gefoult – und auch wenn es des Umwegs über den VAR bedurfte: Es gab Elfmeter! Diesen verwertete Mbappé zu seinem 19. Tor bei Fußball-Weltmeisterschaften – der am Ende für den Sieg und damit für den Aufstieg ins Viertelfinale reichen sollte ...
Denn abgesehen von diversen Unsportlichkeiten, etwa einem Caceres-Tritt gegen Mbappé (77.) oder einem Ellbogenschlag des eingewechselten Ávalos gegen Dayot Upamecano (80.), hatten die Paraguayer kaum mehr etwas in petto. Vielleicht mit Ausnahme eines Distanzschusses von Maurício Magalhães in Minute 90, den Goalie Maignan aber sicher fassen konnte. Eher noch hätte Mbappé dreimal auf 2:0 erhöhen können (90., 90.+6), aber Paraguays Schlussmann ließ sich nicht mehr bezwingen.
Übrigens: Kurioserweise kamen die raubeinig auftretenden Südamerikaner erstmals seit ihrem Duell mit Nigeria 1998 bei einem WM-Spiel ohne Gelb davon, während den Franzosen von Schiri Tantashev drei Verwarnungen aufgebrummt wurden.
Das Ergebnis:
Paraguay – Frankreich 0:1 (0:0)
Philadelphia, Lincoln Financial Field, 68.324 Zuschauer, Schiedsrichter Ilgiz Tantashev (UZB)
Tor: 0:1 (70./Elfer) Mbappé
Gelbe Karten: keiner bzw. Barcola, Kone, Olise
Paraguay: Gill – J. J. Caceres, Velazquez, G. Gomez, Alderete (58. Canale), Alonso – Almiron (71. Avalos), D. Gomez (71. Mauricio), Cubas, Galarza – Enciso (61. Caballero)
Frankreich: Maignan – Kounde, Upamecano, Saliba, Digne – Kone, Rabiot – Dembele (84. Cherki), Olise, Barcola (61. Doue) – Mbappe
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