763.402 Neuwagen in einem Jahr sind eine Ansage. So viele F-Modelle verkaufte Ford 2013 in den Vereinigten Staaten. Seit mehr als 30 Jahren ist die Pick-up-Baureihe das beliebteste Auto der Amerikaner. Die Nummer 2, der Toyota Camry, reiht sich mit rund 400.000 Einheiten deutlich abgeschlagen in das Ranking ein. Im Herbst, wenn in den USA das nächste Modelljahr beginnt, bringt Ford die nächste Generation der F-Serie auf den Markt.
Die 13. Generation verzichtet auf den ersten Blick auf kein beliebtes Attribut. Es gibt drei Karosserieversionen, die sich durch ihre Kabinen unterscheiden: Zweisitzer, Viersitzer und "Crew-Cab". Jede Kabine lässt sich mit zwei verschieden langen Ladeflächen kombinieren. Die Modelle sind zwischen 5,32 Meter und 6,19 Meter lang, der Radstand variiert zwischen 3,10 Meter und 4,16 Meter. Für alle Varianten ist Heck- und Allradantrieb verfügbar.
Leichtbau spart 320 kg
Die tragende Struktur bildet selbstverständlich wieder ein massiver Leiterrahmen. Erstmals besteht die Karosserie jedoch aus Leichtmetall. Damit sinkt das Leergewicht der einzelnen Modelle um bis zu 320 Kilo. Auch beim Antrieb müssen amerikanische Kunden umdenken. Der kleinste Hubraum beträgt künftig 2,7 Liter. Der aufgeladene "Eco-Boost"-Motor liefert dennoch standesgemäße 325 PS. Als Einstiegsmotorisierung steht ein 3,5-Liter-V6 mit 283 PS zur Verfügung. Die Leistungsdaten für einen aufgeladen 3,5-Liter-V6 und den Fünfliter-V8 stehen noch nicht fest. Für die Kraftübertragung steht grundsätzlich ein Schaltautomat mit sechs Gangstufen zur Verfügung. Die Preisliste startet bei 26.615 Dollar.
Es sind nicht nur die günstigen Preise, die in den USA für die millionenfache Verbreitung der Pick-ups sorgen. Robustheit und vielfältige Nutzungsmöglichkeit standen seit jeher ganz oben auf der Liste der Kunden in den weiten ländlichen Regionen der Vereinigten Staaten. Schon das T-Modell, die legendäre "Tin Lizzy", bot ab 1913 eine Pritschen-Version für die Landbevölkerung. Den Anspruch an Nutzbarkeit unterstreichen die Werte für Zuladung und Anhängelasten für den aktuellen F. Der F- 150 darf 1.400 kg zuladen und nimmt bis 5.000 kg an den Haken. Der F-350 transportiert 2.600 kg und darf bis zu 8.700 kg ziehen.
Die F-Geschichte
Das erste von mittlerweile rund 34 Millionen F-Modellen stellte Ford 1948 vor. Der F1 erschien in acht Versionen. Von Anfang an hatte Ford die Baureihe breit aufgestellt. Neben den "Pkws" standen auch Reihen für die kommerzielle Nutzung bereit. Schon der erste F war unter dem Kürzel "F-5" als Zugmaschine für kommerzielle Auflieger verfügbar. Die aktuellen "Heavy Duty" (F-250) und "Super Duty" (F-350) sind auch mit Dieselmotoren erhältlich.
Die zweite Generation erschien 1953 mit der Bezeichnung F-100. Wie beim Vorgänger waren für den Vortrieb Reihensechszylinder und V8-Benziner zuständig. Die dritte F-Baureihe verabschiedete sich 1957 von den runden Formen. Das Motoren-Spektrum blieb unverändert. Die vierte Generation von 1961 führte ab 1965 die Varianten mit Doppelkabine ein. Als Top-Motorisierung bot Ford einen 5,8-Liter-V8 mit 174 PS an.
1967 schlug die Geburtsstunde der fünften Generation. Die Karosserie war sachlich und geradlinig gezeichnet. Ford trug dem Trend zu mehr Komfort Rechnung und stellte den F erstmals als luxuriös ausgestatteten Ford Ranger vor. Die V8-Motoren erklommen die Spitze von 6,4 Liter Hubraum, mit 258 PS.
Beim sechsten F von 1973 stellte Ford auch den Ford Bronco auf den identischen Leiterrahmen. Das SUV war erstmals 1966 auf den Markt gekommen und schrieb bis 1996 seine eigene Erfolgsgeschichte. Zwei Reihensechszylinder und sechs verschiedene V8 waren im Programm - mit maximal 7,5 Liter Hubraum. Beim siebten F war zum ersten Mal ein optimierter Luftwiderstand für den reduzierten Verbrauch ein Thema. Erstmals erhielt die Vorderachse eine Einzelradaufhängung und gegen Korrosion kam für tragende Teile Zink als Schutz zum Einsatz.
Schwarzer Kunststoff statt Chrom war das optische Merkmal von Generation acht ab 1980. Erstmals bot Ford ABS für die Hinterachse an. Der 4,9-Liter-V8 erhielt eine elektronische Einspritzanlage für die Gemischaufbereitung. Generation neun meldete sich ab 1992 zum Dienst. Mit geglätteter Karosserie und FCKW-freier Klimaanlage. Beim zehnten F ab 1997 stand eine radikale Reduzierung des Motorenangebots auf der Agenda. Die Reihensechszylinder entfielen erstmals seit 50 Jahren, ebenso die Diesel. Der "Super Duty" firmierte als eigenständige Modellreihe.
Nummer elf lebte ab 2004. Mit zwei V8-Motoren und Viergang-Automatik. 2006 schob Ford eine Motorvariante für Bioalkohol nach. Deutlich überarbeitet trat die aktuelle, nun zur Ablösung anstehende zwölfte Generation, erstmals an. Der Top-Motor mit 5,4 Liter Hubraum leistet 313 PS. ESP ist für den F-150 ebenso wenig ein Fremdwort wie elektronischer Wankausgleich oder Kopf- und Schulter-Airbags für alle Passagiere.
Fortsetzung der Erfolgsgeschichte?
10 Millionen Testkilometer, ein bislang nicht gekannter Prüf-Marathon mit extremen Belastungen für alle Komponenten: Kein Aufwand war Ford zu viel, um auch dem nächsten F-150 den Erfolgsweg zu ebnen. Der bisherige Erfolg ist auch eine Bürde. Einen Flop darf sich Ford mit dem neuen Pick-up nicht leisten. Es wäre für die Amis genauso verheerend wie für Volkswagen, wenn der Markt einem neuen Golf die Rote Karte zeigt.
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