Virus wütet weiter
Ebola: Experten warnen vor politischem Versagen
Der Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo spitzt sich weiterhin dramatisch zu. Brisant: Nicht nur das Virus selbst, sondern auch politische Versäumnisse, Kürzungen in der globalen Gesundheitsfinanzierung und eine kollabierende Infrastruktur könnten die rasante Ausbreitung begünstigt haben. Während die Zahl der Verdachtsfälle bereits in die Hunderte geht, wächst die Sorge, dass die Epidemie außer Kontrolle geraten könnte.
Gesundheitsexperten führen die schnelle Verbreitung des Ebola-Virus Ebola in der Demokratischen Republik Kongo auch auf fehlendes politisches Handeln zurück. Besonders kritisch bewertet wird laut Julia Stoffner von der Organisation Brot für die Welt der Austritt der USA aus der Weltgesundheitsorganisation WHO, der vor allem den globalen Süden hart treffe. Zusätzlich hätten auch europäische Staaten wie Frankreich und Deutschland ihre Mittel im Bereich globale Gesundheit gekürzt, so die Expertin.
„Multiple Krisen“ im Kongo als Nährboden
Die Region sei zudem durch langanhaltende Krisen massiv vorbelastet. Gisela Schneider, ehemalige Direktorin des Deutschen Instituts für Ärztliche Mission (Difäm), beschreibt die Lage als hochproblematisch: Die Bevölkerung sei durch Krieg, jahrzehntelange Unsicherheit, Armut und Ausbeutung tief traumatisiert.
Auch die medizinische Versorgung sei stark eingeschränkt, wie Josue Ibulungu von der Diakonie Katastrophenhilfe schildert. Viele Krankenhäuser seien im Krieg zerstört worden, medizinisches Personal fehle an Ausstattung.
Zerstörte Infrastruktur erschwert Eindämmung
Besonders im Osten des Landes, in der Region Ituri, verschärfen logistische Probleme die Situation. Laut Ibulungu ist dort der Flughafen außer Betrieb, Straßenverbindungen sind schlecht oder teilweise von der bewaffneten Gruppe ADF-Nalu kontrolliert. Proben müssten daher aufwendig nach Kinshasa transportiert werden, da Labore in anderen Regionen noch im Aufbau seien.
Diese Umstände erklären laut Experten auch die Diskrepanz zwischen Verdachts- und bestätigten Fällen. Laut WHO gibt es inzwischen mehr als 900 Verdachtsfälle, mindestens 204 Menschen sind nach Angaben der kongolesischen Regierung gestorben.
Kirchen als Schlüssel zur Eindämmung
Ein zentraler Ansatz zur Bekämpfung der Epidemie sei die Einbindung lokaler Gemeinschaften. Gisela Schneider betont, dass insbesondere die Bevölkerung vor Ort stärker eingebunden werden müsse – auch zur Eindämmung von Falschinformationen.
Julia Stoffner sieht dabei vor allem kirchliche Strukturen als entscheidenden Faktor. Rund 40 Prozent der Gesundheitsversorgung in Afrika würden über kirchliche Einrichtungen abgedeckt. Kirchen seien oft auch in abgelegenen Regionen präsent, in denen staatliche Strukturen fehlen.
Impfstoff noch Monate entfernt
Für den aktuell kursierenden Bundibugyo-Typ des Virus gibt es laut Experten weder zugelassene Impfstoffe noch etablierte Therapien oder Schnelltests. Mit einem neuen Impfstoff sei frühestens in mehreren Monaten zu rechnen, so Schneider.
Rückblickend verweisen Fachleute auf den Ebola-Ausbruch in Westafrika 2014/2015, bei dem die USA fast eine Milliarde US-Dollar in die Impfstoffentwicklung investierten. Gleichzeitig wird erneut ein internationaler Pandemievertrag gefordert, auf den sich die Mitgliedsstaaten der Weltgesundheitsversammlung bisher nicht einigen konnten.









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