Verzerrtes Selbstbild

Tauchtouristen zerstören Riffe, ohne es zu merken

Wissen
26.05.2026 15:05
Porträt von krone.at
Von krone.at

Tauchtouristen halten sich für deutlich rücksichtsvoller als sie tatsächlich sind. Vor allem unerfahrene Taucher richten viel mehr Schaden an Korallenriffen an als sie denken – oft merken sie es nicht einmal.

Ein Forschungsteam hat herausgefunden, dass Tauchtouristen ungefähr fünfmal so oft gegen Korallen stoßen als sie selbst glauben. Die Wissenschaftler beobachteten, dass die Taucher sich selbst überschätzten – ähnlich wie es oft Autofahrer tun.

Drei von vier Tauchern waren davon überzeugt, dass sie den Kontakt zum Riff besser vermeiden können als andere Taucher. Die Realität ist aber, dass die Taucher es oft gar nicht bemerkten, dass sie gerade das Riff geschädigt hatten. Mehr als 80 Prozent der schädigenden Berührungen passierten unabsichtlich oder unbemerkt.

Die Studie

  • Das Team um Bing Lin untersuchte zwischen 2022 und 2024 das Verhalten von über 700 Tauchern auf den Philippnen und in Indonesien.
  • An touristischen Hotspots ließen die Forschenden die Taucher nach dem Tauchgang einen Fragebogen ausfüllen. Zusätzlich dazu wurden Unterwasser-Kameras eingesetzt.
  • Die Studie erschien im Fachjournal „Conservation Letters“.

Wenn die Taucher dann auch noch Wildtiere unter der Wasseroberfläche entdeckten, gab es oft kein Halten mehr. Die Taucher berührten dann die Riffe deutlich öfter und richteten damit auch deutlich mehr Schaden an. „Wildtierbegegnungen fördern Verhaltensweisen, die genau jene Lebensräume schädigen, von denen diese Wildtiere abhängen“, sagte Bing Lin von der Universität Sydney, wie der Sender ntv schreibt. Denn mit ihrem Verhalten gefährdeten die Taucher die Meeres-Ökosysteme.

Im Durchschnitt berührte jeder Taucher alle vier Minuten das Riff, wie die Forschenden herausfanden. Fast die Hälfte der Berührungen verursachte sichtbare Schäden. Die Nutzung von Unterwasserkameras, Handschuhen oder Zeigestäben erhöhte zusätzlich, wie oft die Taucher das Riff berührten.

Dunning-Kruger-Effekt unter Wasser
Die Ursache für die Selbstüberschätzung der Taucher sehen die Forschenden im sogenannten Dunning-Kruger-Effekt. Dieser besagt, dass Menschen mit wenig Kompetenz ihre Fähigkeiten stark überschätzen, da ihnen das Wissen fehlt, um ihre eigenen Defizite zu erkennen.

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