Beschluss ist gefasst

Proteste nutzten nichts: Familypark wird größer!

Burgenland
25.06.2026 16:20

Mit Spannung wurde am Mittwochabend die Gemeinderatssitzung in Rust erwartet. Bei der entscheidenden Abstimmung über den Teilbebauungsplan für die Erweiterung des „Familyparks“ gab die Mehrheit der Mandatare zwar grünes Licht für das Projekt. Dennoch kann SPÖ-Bürgermeister Gerold Stagl, der als großer Befürworter gilt, noch nicht „aufatmen“.

Vergangenen Mittwochabend gegen 18.30 Uhr in Rust. Trotz brütender Hitze versammelten sich rund 50 Unterstützer der „No Disneyland“-Bewegung vor dem Restaurant „Niki am Hafen“, um erneut gegen die Erweiterungspläne des „Familypark“ auf dem 1,7 Hektar großen „Pfarrumriss“ zu demonstrieren. In ihren Händen hielten sie ein 17 Meter langes Faltplakat, auf dem rund 2800 Unterschriften abgedruckt waren, die in den vergangenen Monaten im Rahmen der Online-Petition „Rettet das Ruster Hügelland“ gesammelt wurden. Kurz vor 19 Uhr wechselten die Demonstranten dann in das klimatisierte Lokal, wo die Gemeinderatssitzung mit der entscheidenden Abstimmung über die Bebauungsrichtlinien begann.

Auch Kinder demonstrierten mit.
Auch Kinder demonstrierten mit.(Bild: zVg)

„Um zu verhindern, dass der Beschluss angefochten wird“, verlas SPÖ-Bürgermeister Gerold Stagl „der guten Ordnung halber“ zunächst ein umfangreiches Konvolut an Unterlagen. Rund eine halbe Stunde lang trug er Informationen zum Teilbebauungsplan, zu den eingebrachten Einwendungen, den Stellungnahmen des Landes, seinem eigenen Bericht, der Verordnung sowie der Beschlussformel vor. Anschließend brachte das Forum Zukunft Rust (FZR) einen Gegenantrag ein. Darin wurde die Erstellung eines „Heritage Impact Assessment“ gefordert, wie es auch das UNESCO-Welterbe in seiner Stellungnahme für eine künftige Weiterentwicklung des Familyparks empfiehlt. Der Antrag fand jedoch keine Mehrheit. Woraufhin es emotional wurde.

Letzte Weckrufe
FZR-Gemeinderat Mario Horvath erhob sich von seinem Stuhl und erklärte vor dem Publikum: „Wir stehen heute vor einer Entscheidung, ob wir das gesunde Gleichgewicht in unserer Gemeinde bewahren oder es endgültig zugunsten des reinen Profits opfern. Wenn wir den Park weiterwachsen lassen, kippt die Waagschale drastisch. Eine Vergrößerung bedeutet den unwiederbringlichen Verlust unserer Naturflächen durch Beton und Asphalt, eine Blechlawine, mehr Lärm und mehr Abgase.“

Während die Demonstranten seine Worte mit Applaus quittierten, blieben Bürgermeister Stagl und die übrigen Gemeinderäte regungslos. Also nahm sein Kollege Markus Hammer (FZR) die aus seiner Sicht bestehenden Widersprüche in den Planungen ins Visier. Einerseits wolle der Familypark die Sichtbarkeit seiner Fahrgeschäfte minimieren, andererseits werde eine 25 Meter hohe Achterbahn an exponierter Stelle errichtet und anschließend mit Bäumen abgeschirmt. Bei einem jährlichen Höhenwachstum von lediglich 30 Zentimetern werde die Achterbahn noch jahrzehntelang sichtbar bleiben, kritisierte er. Auch FPÖ-Gemeinderat Christian Ries äußerte Zweifel an den vorliegenden Gutachten und verwies auf die weiterhin ungelöste Verkehrssituation.

Erst vor wenigen Wochen wurde eine neue Attraktion eröffnet: Die „Rotonda“.
Erst vor wenigen Wochen wurde eine neue Attraktion eröffnet: Die „Rotonda“.(Bild: Staudinger_Franke)

Breite Mehrheit dafür
Genutzt haben diese letzten Appelle jedoch nichts. Bei der anschließenden Abstimmung votierten die neun SPÖ-Gemeinderäte, die vier anwesenden ÖVP-Gemeinderäte – Vizebürgermeister Georg Seiler und Ersatzgemeinderätin Silvia Ernst befanden sich auf Urlaub – sowie der freie Mandatar Alexander Rainprecht für die Erweiterung. FPÖ (eine Stimme) und FZR (drei Stimmen) sprachen sich dagegen aus. Das Ergebnis: 14 der 18 anwesenden Gemeinderäte stimmten für die Bebauungsrichtlinien.

Warum der Bürgermeister noch nicht entspannen kann
SPÖ-Bürgermeister Gerold Stagl überraschte dieses „erfreuliche und voraussehbare Ergebnis“ nicht. „Die Entscheidungen waren eh schon getroffen bzw. vorbereitet. Der Prozess hat sich ja über fast zwei Jahre gezogen. Jede Behörde, die die Pläne geprüft hat, kam zu einem positiven Ergebnis. Insofern habe ich nichts befürchtet. Es gab bei der Sitzung auch keine Störungen“, sagte er auf „Krone“-Anfrage.

Und wie bewertet er das Votum der ÖVP? Immerhin hatte die Volkspartei bei der Gemeinderatssitzung im März noch eine Stimmenthaltung angekündigt und die Umsetzung von Verkehrsmaßnahmen gefordert. „Ich habe der Volkspartei gesagt, dass sie gefälligst Farbe bekennen soll. Dass sie letztlich ebenfalls für die Erweiterung gestimmt hat, war zu erwarten. Schließlich schreibt sich die Wirtschaftspartei seit jeher die Unterstützung unternehmerischer Entwicklungen auf die Fahnen.“

Mit der Flächenwidmung und der Beschlussfassung über die Bebauungsrichtlinien seien die Aufgaben der Stadtgemeinde Rust nun erfüllt. Vollständig entspannen könne er aber noch nicht, sagt Stagl: „Aufatmen werde ich erst dann, wenn die Vorhaben des Familyparks funktionieren und die jetzigen Abgaben von 250.000 an die Stadtgemeinde merklich steigen.“

SPÖ-Bürgermeister Gerold Stagl (rechts) mit „Familypark“-Chef Felip de Witte (2.v.l.) und ...
SPÖ-Bürgermeister Gerold Stagl (rechts) mit „Familypark“-Chef Felip de Witte (2.v.l.) und Wirtschaftskammer-Direktor Harald Schermann (3.v.l).(Bild: Birgit Ehrenreich)

Das weitere Prozedere
Auch beim Familypark zeigt man sich erleichtert. „Wir sind sehr froh über die positive Entscheidung des Gemeinderats, die doch sehr eindeutig ausgefallen ist. Nachdem wir bereits 2019 den Prozess gestartet haben, den Park auf diesem Grundstück zu erweitern, können wir nun mit der weiteren Planung fortschreiten“, freut sich Familypark-Geschäftsführer Felip de Witte.

Bei der Umsetzung des neuen Areals werden man, wie immer, „eng mit allen Behörden sowie den zuständigen Vertretern aus den Bereichen UNESCO-Welterbe, Landschafts- und Naturschutz sowie weiteren zuständigen behördlichen Sachverständigen zusammenarbeiten, um ein rundum stimmiges Konzept zu realisieren“.

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