Die Online-Petition „Rettet das Ruster Hügelland“ findet immer mehr Unterstützer. Das entgeht auch Burgenlands Landeshauptmann-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner nicht. Die Familypark-Erweiterung braucht klare Grenzen, sagt die Grüne-Chefin und pocht auf Transparenz und eine strenge Prüfung.
Die Expansionspläne, die dem französischen Unternehmen „Compagnie des Alpes“ für den Familypark vorschweben, sorgen weiterhin für Meinungsverschiedenheiten. Der St. Margarethener ÖVP-Bürgermeister Eduard Scheuhammer und der Gemeinderat unterstützen „den aktuellen Masterplan, der uns vorliegt“, immerhin erhielt die Gemeinde laut Gemeindefinanzbericht 2024 mit 850.441 Euro die höchste Lustbarkeitsabgabe im Land. Zudem würden Investitionen in Milliardenhöhe neue Arbeitsplätze schaffen und die Wertschöpfung für die Region steigern. Auch für Rusts SPÖ-Bürgermeister Gerold Stagl steht der ökonomische Nutzen im Vordergrund, auch wenn die Vergnügungssteuer dort zuletzt nur 186.256 Euro in die Kassa spülte.
Profit ist nicht alles
Doch es reiche nicht, nur wirtschaftliche Interessen im Blick zu haben. Sie sollten „Hand in Hand mit dem Naturschutz gehen und die Lebensqualität der Menschen vor Ort berücksichtigen“, mahnt Landeshauptmann-Stellvertreterin und Grüne-Chefin Anja Haider-Wallner: „Aus der Petition ‘Rettet das Ruster Hügelland’ geht hervor, dass viele Bürger erhebliche Sorgen wegen weiterer Versiegelung von Grünland, Lärm, Emissionen und zusätzlicher Verkehrsbelastung haben. Diese Anliegen müssen ernst genommen werden.“
UVP-Pflicht neu prüfen
Jede Weiterentwicklung müsse daher „transparent, rechtskonform und sämtlichen Vorgaben entsprechend“ geplant werden, betont Haider-Wallner: „Noch wurde kein entsprechendes Projekt bei den Behörden eingereicht. Sobald Unterlagen vorliegen, werden diese sachgemäß geprüft und allen umwelt- und verkehrstechnischen Standards entsprechend bewertet.“
Und was ist mit dem Feststellungsbescheid des Landes aus dem Jahr 2023, aus dem hervorgeht, dass für die Parkflächenerweiterung auf Ruster Hotter um 1,7 Hektar keine Umweltverträglichkeitsprüfung vonnöten ist? „Wenn zusätzlich andere Vorhaben geplant sind, muss die UVP-Pflicht noch einmal geprüft werden. Das gilt auch hotterübergreifend. Für alle weiteren Vorhaben, die in der Petition genannt sind, ist der Bescheid keine Basis!“
FPÖ kritisiert Pläne
Für den Ruster FPÖ-Gemeinderat und neu gewählten FPÖ-Klubobmann Christian Ries sind die vorgesehenen Bauhöhen und das hohe Verkehrsaufkommen die größten Kritikpunkte an den Plänen des Familyparks. Die Blauen haben daher ebenso wie die im Ruster Gemeinderat vertretene Fraktion „Forum Zukunft Rust“ gegen eine Umwidmung gestimmt. Es gehe hier um die Sichtachsen, auch wenn Grüngürtel mit Wald geplant seien.
Verkehrsthema angehen
Für den Freiheitlichen braucht es außerdem eine bessere Verkehrslösung. Beim Kreisverkehr vor dem Park komme es regelmäßig zu Staus. „Der Kreisverkehr bringt nicht die Lösung, die man sich davon erwartet hat.“ Teilweise würden die Parkbesucher einen Umweg über die Güterwege zwischen den Weingärten nehmen, um sich den Stau zu ersparen. „Es ist ja auch im Sinne des Familyparks, wenn es ein gutes Verkehrskonzept gibt, das ihren Besuchern eine entspannte Anreise ermöglicht, anstatt im Stau zu stehen“, sagt Ries. Für ihn ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um das Verkehrsthema endlich anzugehen.
Fixe Außengrenzen vorgesehen
Stadtchef Gerold Stagl (SPÖ) sieht die Petition als Teil des demokratischen Prozesses. Man müsse aber bei den Fakten bleiben und nicht mit Fake News arbeiten, betont er. Durch die Erweiterung sei mehr Fläche für eine gleichbleibende Anzahl an Besuchern vorgesehen. Außerdem gebe es jetzt absolute Außengrenzen für den Park, im Masterplan sei die maximale Fläche definiert.
Die Bauhöhe von bis zu 25 Meter sieht er weniger dramatisch. Diese werde nur „Ausreißer“ betreffen, beispielsweise bei der Errichtung einer Achterbahn.
Verkehr soll flüssiger werden
Beim Thema Verkehr meint Stagl der Kreisverkehr habe die Situation weder verschlechtert noch verbessert. Seitens des Familyparks habe man sich aber bereit erklärt, die Flüssigkeit des Verkehrs am Parkgelände zu optimieren. Das betrifft vor allem den Parkplatz und den Eingangsbereich, wo viele Autos halten, um Besucher aussteigen zu lassen. Weiters sei eine ergänzende Ampellösung beim Kreisverkehr vorgesehen, die ebenfalls eine Entlastung bringen soll. Sollte die Besucherzahl irgendwann erhöht werden, ist auch aus Sicht von Stagl ein neues Verkehrskonzept unerlässlich.
Familypark wendet sich an Bürger
Ergänzend dazu wendet sich der Familypark nun auch per Postwurfsendung an die Haushalte. Darin werden die Pläne im Detail ausgeführt und Fakten dargelegt. Man setze auf einen sachlichen, faktenbasierten Dialog sowie auf eine proaktive, offene Kommunikation mit den Gemeinden, wird darin betont.
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