Bei Stellantis zeichnet sich eine neue Hackordnung ab. Der Autoriese, der von Abarth bis Ram gleich 14 Marken unter einem Dach führt, will seine Kräfte künftig offenbar deutlich stärker bündeln. Vier Marken fahren mit vollem Budget voraus, der Rest muss die Wäsche der anderen auftragen.
Nach Informationen von Reuters sollen Jeep, Ram, Peugeot und Fiat im neuen Strategieplan von Konzernchef Antonio Filosa den Status der Kernmarken bekommen – also mehr Geld, mehr Produktfokus und wohl auch mehr Tempo bei neuen Modellen.
Offiziell ist der Plan noch nicht präsentiert. Stellantis verweist bisher nur darauf, dass CEO Filosa am 21. Mai 2026 in Auburn Hills die neue Konzernstrategie vorstellen wird. Doch die Richtung passt zu dem, was der Konzern selbst bereits kommuniziert: Nach einem teuren strategischen Neustart will Stellantis näher an den Kunden, profitabler werden und Investitionen gezielter einsetzen. Allein für die Neuausrichtung der Produkt- und E-Auto-Pläne verbuchte der Konzern für das zweite Halbjahr 2025 Sonderbelastungen von rund 22,2 Milliarden Euro.
Dafür stehen die vier Kernmarken
Der Gedanke hinter der neuen Ordnung ist einfach: Nicht mehr jede Marke bekommt ungefähr gleich viel Aufmerksamkeit. Stattdessen sollen die global stärksten Ertrags- und Volumenbringer Vorrang haben. Jeep steht für SUV und Offroad, Ram für margenstarke Pick-ups, Peugeot für das europäische Massengeschäft und Fiat für kompakte, preisbewusste Autos mit starker Präsenz in Italien, Lateinamerika und urbanen Segmenten.
Das Thema Markenschließung
Für die übrigen Marken bedeutet das nicht automatisch das Aus. Reuters zufolge plant Filosa derzeit keine Markenschließungen. Citroën, Opel, Alfa Romeo, DS, Lancia, Dodge, Chrysler, Maserati, Abarth und Vauxhall sollen aber stärker als regionale oder nischenorientierte Marken eingesetzt werden.
On size fits all
Technisch könnten sie sich künftig noch intensiver bei den vier Kernmarken bedienen: gemeinsame Plattformen, gemeinsame Antriebe, gemeinsame Software - darüber eine eigene Karosserie, ein eigenes Interieur, ein eigenes Fahrgefühl - wobei: Letzteres dürfte fraglich sein. Möglicherweise wird nicht in jedem Fall das Fahrwerk eigens abgestimmt.
Was heißt das für Kunden?
Für Kunden kann das zwei Seiten haben. Positiv: Wer einen Jeep, Ram, Peugeot oder Fiat fährt oder kaufen will, dürfte mittelfristig mit mehr Modellpflege, mehr Neuheiten und besseren Lieferprioritäten rechnen können. Auch bei Qualität und Service verspricht Stellantis Fortschritte.
Die Kehrseite: Bei kleineren Marken könnten Modellpaletten schlanker werden, exotische Einzelgänge seltener. Ein Opel, Citroën oder Alfa Romeo der Zukunft könnte technisch näher an Peugeot, Fiat oder Jeep rücken als manchen Fans lieb ist. Für Käufer muss das nicht schlecht sein – gemeinsame Technik kann Kosten senken und Ersatzteilversorgung sichern. Für Markenliebhaber steigt aber das Risiko, dass Charakter zur Designfrage wird.
Die entscheidende Frage lautet daher nicht nur, welche Marken überleben. Sie lautet: Welche Marken dürfen noch wirklich eigenständig sein? Genau das muss Filosa am 21. Mai beantworten. Bis dahin gilt: Der große Schnitt ist nicht bestätigt. Aber die alte Stellantis-Idee, 14 Marken möglichst gleichmäßig zu füttern, scheint vorbei.
Zurück auf der Gewinnerstraße
Aktuell scheint Stellantis jedenfalls auf einem guten Kurs zu sein, der Konzern hat nach den jüngst hohen Verlusten im ersten Quartal wieder einen schmalen Gewinn eingefahren. Unter dem Strich verdiente der Konzern mit französischen, italienischen und amerikanischen Wurzeln 377 Mio. Euro, wie er am Donnerstag in Amsterdam mitteilte. Ein Jahr zuvor hatte ein Verlust in ähnlicher Größenordnung zu Buche gestanden.
Der Umsatz zog in den drei Monaten bis März im Jahresvergleich um sechs Prozent auf 38,1 Mrd. Euro an, der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern verdreifachte sich nahezu auf 960 Mio. Euro. Die entsprechende Marge lag bei 2,5 Prozent.
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