Zweifelhafte Methoden
Kreml: 450.000 Russen melden sich für Putins Krieg
Der Kreml rüstet weiter auf und geht offenbar weiterhin von einem längeren Krieg um die Ukraine aus. Das lassen neue Rekrutierungszahlen vermuten. Dabei werden junge Männer häufig mit irreführenden Angeboten an die Front gelockt ...
In Russland haben sich nach Angaben des stellvertretenden Leiters des Sicherheitsrates, Dmitri Medwedew, im vergangenen Jahr 450.000 Personen vertraglich zum Dienst in den Streitkräften verpflichtet. In diesem Jahr seien es bisher 127.000, meldet die Nachrichtenagentur Interfax am Donnerstag unter Berufung auf den Politiker. Diese Zahlen lassen sich nicht unabhängig überprüfen.
Russland lockt im fünften Jahr des Krieges gegen die Ukraine mit großzügigen Prämien für die Verpflichtung zum Militärdienst. Es gibt jedoch auch Berichte über zweifelhafte Praktiken.
Unis stellten schlechte Studenten frei
Zuletzt häuften sich Meldungen über Rekrutierungen an russischen Universitäten. So sollen Hochschulen Studenten mit unterdurchschnittlichen Leistungen exmatrikuliert haben, um sie anschließend leichter zum Militärdienst zu bewegen.
Bis Mitte März schätzt „Groza“, ein russisches Online-Medium für Studenten, dass an fast 200 Universitäten und Hochschulen in Russland für den Einsatz einer Elite-Einheit zur Drohnenabwehr rekrutiert worden sei.
Seit Monaten beklagt die Ukraine zudem, dass Russland in Afrika Söldner für den Krieg rekrutiert. Allein Kenia gibt an, dass mehr als 1000 Kenianer für den Kampf angeworben wurden – angelockt von Gehältern von mehreren tausend Dollar und Bonuszahlungen von über 6000 Dollar.
Es ist unklar, wie viele Afrikaner genau in der Ukraine kämpfen. Die Regierung in Kiew spricht von mehr als 1700 Afrikanern, die auf russischer Seite kämpfen. Analysten gehen jedoch von einer höheren Zahl aus.
Kenianische Politiker beschrieben ein Netzwerk aus korrupten Staatsbeamten, die mit Menschenhändlerringen zusammengearbeitet hätten. Oft sollen den Menschen über Dritte lukrative zivile Arbeitsplätze angeboten worden sein, bevor sie dann in Russland plötzlich an die Front mussten. Das sorgt in Ländern wie Kenia, Ghana und Südafrika für Empörung.
Die Familien fordern ein stärkeres Engagement für die Heimkehr der Rekruten. Doch die afrikanischen Regierungen hüteten sich bisher davor, im Krieg in der Ukraine offen Partei zu ergreifen – sie wollen Moskau nicht verärgern, auch aus Dankbarkeit, dass die Sowjetunion früher viele Unabhängigkeitsbewegungen unterstützte.
Moskau versucht, zu „tricksen“
Auch in Russland selbst sollen junge Männer immer wieder getäuscht worden sein, wofür genau sie sich verpflichten. „Um die Verluste auszugleichen, müssten die Russen in etwa 30.000 Mann monatlich neu rekrutieren. Das wird zunehmend schwieriger, weil natürlich die Freiwilligen, die für Geld in den Krieg gezogen sind, mehr oder weniger schon in den Krieg gezogen sind“, erklärte jüngst Militärexperte Gustav Gressel.
Dementsprechend versuche man zu „tricksen“: Menschen aus Afrika, aber auch Südasien – Bangladesch, Indien, Nepal oder Burma – würden mit Geldversprechen angelockt. Ebenso finde eine Rekrutierung von Frauen statt, die in der Rüstungsindustrie eingesetzt werden, um den Arbeitskräftemangel auszugleichen und gleichzeitig zu ermöglichen, dass dort arbeitende Männer in den Kampfeinsatz gehen. Sichtbar sei eine Erhöhung der Anwerbeprämien in Russland, was ein Zeichen dafür sei, dass Leute gesucht würden ...









Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.