Zwischen Fernweh und Verantwortung: Wie plant man einen Urlaub, ohne die Umwelt stark zu belasten? Die Reiseredaktion der „Krone“ hat für Sie recherchiert und liefert Antworten auf die wichtigsten Fragen.
Urlaub ist uns die liebste Zeit im Jahr, wie ein Grundbedürfnis, das wir zur Erholung und Regeneration brauchen. Für die Umwelt allerdings wäre es am besten, wenn niemand reisen würde. Es ist eine Gratwanderung zwischen Fernweh und Verantwortung. In einer Welt, in der Ressourcen knapp und die Auswirkungen des Klimawandels spürbarer denn je sind, müssen wir unsere Gewohnheiten ändern, um Energie zu sparen. Das beginnt nicht erst beim Reisen.
Uns muss bewusst sein, dass jede Suchanfrage im Internet – sei es mit oder ohne KI – Unmengen an Strom verbraucht, oft für „Probleme“, die auch der Hausverstand lösen könnte. Ein anderes Beispiel sind überquellende Kleiderschränke, die zur Umweltbelastung werden, denn die Textilindustrie verursacht mehr als 1,2 Mrd. Tonnen an CO₂-Äquivalenten – also mehr als direkte Emissionen von internationalen Flügen und Schifffahrt zusammen.
So weit, so schlecht, aber das Wissen um Fakten kann genau den Unterschied machen, der entscheidend ist. Durch die Wahl der Unterkunft, der Dauer der Reise, vor allem aber des Verkehrsmittels für die An- und Abreise haben Urlaubsgäste die Möglichkeit, die Gesamtemission deutlich zu beeinflussen, ebenso – oder noch mehr – durch das Verhalten im Alltag.
Nachhaltig bedeutet, nicht mehr zu verbrauchen, als nachwachsen oder sich erneuern kann. Es bedeutet auch, Verschwendung von Ressourcen zu vermeiden – ob bei Lebensmitteln, Energie, Transport oder Shopping – überall gibt es Potenzial, die Umwelt zu schonen. Verschiedene Ökogütesiegel (z. B. Green Globe, Umweltzeichen, Bio Hotels) geben dem Gast beim Reisen die Sicherheit, umweltfreundlich zu urlauben.
1. Welchen Mehrwert bringt meine Reise für die lokale Bevölkerung?
Keine Frage, jede Reise hinterlässt einen persönlichen Fußabdruck, aber abseits positiver Erinnerungen kann jeder Einzelne auch mit bewussten Entscheidungen die Lebensqualität vor Ort fördern. Die Menschen in einer Destination profitieren zum Beispiel, wenn man in familiengeführten Hotels (statt in internationalen Ketten) wohnt oder regionale Lebensmittel isst, was nicht nur besser schmeckt, sondern auch lange Transportwege der Produkte erspart. So stärkt man die lokale Wirtschaft, ermöglicht der Bevölkerung ein gutes wirtschaftliches Auskommen. Qualitätsvoller Tourismus hilft beispielsweise auch, die Tierparadiese in Afrika zu erhalten.
2. Wie reduziere ich im Hotel meinen ökologischen Fußabdruck?
Dazu gibt es eine einfache Regel – verhalten Sie sich im Urlaub so umweltfreundlich wie zu Hause. Es muss auch im Urlaub nicht jeden Tag eine neue Bettwäsche oder Handtücher sein. Wasser ist Grundlage des Lebens – deswegen sollte in jeder Lebenslage gelten, sparsam mit dieser Ressource umgehen. In vielen Hotels gibt es Hinweise wie „Handtuch auf dem Halter. Ich benutze es ein weiteres Mal.“ Wenn wir dieser Aufforderung folgen, sparen wir Wasser und Strom!
3. Macht es Sinn, Flugreisen zu kompensieren?
Es gibt die Möglichkeit eines CO₂-Ausgleichs, etwa über atmosfair oder Airlines z. B. bei Austrian Airlines direkt – prinzipiell sinnvoll, denn die finanzielle Unterstützung von Klimaschutzprojekten im Globalen Süden ist ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz und zu globaler Gerechtigkeit. Exakt dieser Philosophie folgt etwa die Klimaschutzplattform von BOKU & Caritas, „Die Gradwanderer“. Die BOKU liefert die wissenschaftliche Expertise, die Caritas ihre langjährige Erfahrung in der Entwicklungszusammenarbeit und ihre Netzwerke vor Ort. Mit einem CO₂-Rechner (myclimate.org) kann jeder seinen Fußabdruck selbst berechnen – und ausgleichen (machen nur etwa 3% z. B. bei Austrian Airlines). Trotzdem gilt zu bedenken: Wer für seine „Umweltsünden“ zahlt, macht sie nicht ungeschehen. Kerosinverbrauch und klimaschädliche Emissionen des Flugverkehrs waren laut Verkehrsclub Österreich übrigens in Österreich im Vorjahr so hoch wie nie zuvor,
4. Warum Urlaub ohne Auto und Flugzeug?
Die stärksten Umweltbelastungen resultieren laut Umweltbundesamt aus An- und Abreise. Allein auf den Verkehrssektor entfallen 24% der weltweiten Treibhausgasemissionen, in Österreich sogar fast 28% (Quelle: Global 2000). Fliegen verursacht pro Person den höchsten CO₂-Ausstoß einer Reise. „Nutzen Sie daher Bus, Bahn oder Fahrrad“, rät das Umweltbundesamt. Und weiter: „Im Umkreis von nur 1000 Kilometern liegen Urlaubsziele, die das bieten, was die meisten im Urlaub suchen: Erholung, Wälder, Berge, Strand und viele Sehenswürdigkeiten. Warum deshalb in die Ferne schweifen?“
5. Wie kann ich meine Flugreise umweltfreundlicher gestalten?
Lieber seltener, dafür länger reisen. Direktflüge bevorzugen, denn Start und Landung verursachen besonders viele Emissionen. Kurzstrecken möglichst mit Bahn oder Nachtzug zurücklegen. Economy statt Business oder First, weil der Platzbedarf pro Person einen großen Unterschied macht. Ein Sitz in der Business Class verursacht oft ein Mehrfaches der Emissionen eines Economy-Sitzes. Leicht packen, denn jedes zusätzliche Kilo erhöht den Treibstoffverbrauch. Bei vielen Passagieren summiert sich das. Außerdem – weniger Gepäck schont nicht nur die Umwelt, sondern macht das Reisen im wörtlichen und übertragenen Sinn leichter! Airlines mit moderner Flotte wählen. Neuere Flugzeuge wie der Airbus A350 oder die Boeing 787 Dreamliner verbrauchen deutlich weniger Treibstoff als ältere Modelle.
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