Neue Wege

Pilgern auf zwei Rädern durch die Hochsteiermark

Reisen & Urlaub
28.05.2026 10:30

In der Hochsteiermark gibt es ein neues Radpilgernetz für Genussradler ebenso wie für sportliche Pedalritter. Vier abwechslungsreiche Routen, insgesamt 250 Kilometer, 4800 Höhenmeter. Alle Wege führen nach Mariazell. Die „Krone“ war bei der Premierenfahrt dabei.

Rund 50 Radkilometer trennen unseren Startpunkt am Bahnhof Mürzzuschlag vom Ziel: der Basilika von Mariazell. Als „Krone“-Reiseredakteurin bin ich bei der ersten Ausfahrt auf den neu eröffneten Radpilgerwegen der Hochsteiermark dabei. Wir folgen der Beschilderung „Radpilgern Mariazell“.

Wechselspiel aus Nähe und Ferne
Die einzelnen Passagen präsentieren sich abwechslungsreich. Mal surrt man auf asphaltierten Abschnitten entlang ruhig fließender Bäche dahin, dann knirscht wieder griffiger Schotter unter den Reifen. Stetig geht es rauf und runter. Zwischen Mürzsteg und Frein öffnet sich der Blick auf die Massive von Hochschwab, Schneealm und Rax.

„Krone“-Redakteurin Diana Zwickl (li.) mit der Gruppe unterwegs auf dem neuen Radpilgerweg von ...
„Krone“-Redakteurin Diana Zwickl (li.) mit der Gruppe unterwegs auf dem neuen Radpilgerweg von Mürzzuschlag nach Mariazell.(Bild: WEGES OG)

Kraftplätze, die keine Beschilderung brauchen
Die Strecke lebt von den ungeplanten Unterbrechungen. Eine Kapelle am Wegesrand. Ein Marterl mit frischen Blumen. Ein Gasthaus mit steirischen Schmankerln, ein Bankerl mit weitem Blick ins Tal. Es sind Plätze, die entschleunigen und Kraft geben, ganz ohne Wegweiser. Die ehrliche, steirische Gastfreundschaft kommt von Herzen. Einkehren ist keine Pause vom Weg, sondern ein Teil davon.

Dass die Streckenführung abseits bekannter Straßen verläuft, ist kein Zufall. Elisabeth Zienitzer und Silvia Sarcletti von der Weges OG haben die Radwege der Hochsteiermark im Rahmen der Datenerhebung akribisch unter die Räder genommen. Sie sind begeistert: alte Bahntrassen, Forstwege, Landesradwege, Mountainbike-Pfade. Strecken, die man kennt, und nun neu entdeckten darf.

Vier Wege, ein Ziel
Rund eine Million Menschen zieht es jährlich nach Mariazell, zur Gnadenkapelle mit der romanischen Lindenholzstatue der Gottesmutter in der prachtvollen Barockbasilika. Kaiser, Päpste und zahlreiche Generationen von Gläubigen haben den Ort geprägt. Nun führen auch vier Radpilgerwege zum heiligen Berg. 

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Jede Strecke hat ihren eigenen Charakter, aber ein gemeinsames Ziel: Mariazell

Ute Gurdet, Geschäftsführerin des Tourismusverbands Hochsteiermark

Aus allen Himmelsrichtungen
Die Hauptroute führt vom Semmering über Mürzzuschlag, Neuberg und Frein nach Mariazell, 65 Kilometer mit 700 Höhenmetern. Die Etappe ab Mürzzuschlag ist ein Teilstück davon und jene, auf der die „Krone“ bei der Eröffnungsfahrt dabei war. Die längste und sportlichste Variante startet beim Roseggerhaus auf der Pretul: 90 Kilometer mit 2.100 Höhenmetern über St. Barbara, den Pretalsattel und die Scheikalm. Die westliche Route von Bruck an der Mur und Kapfenberg über Thörl und Turnau misst 80 Kilometer mit 1.900 Höhenmetern und verbindet die Fahrt mit kulturellen Stationen wie Burg Oberkapfenberg und dem Münster Neuberg mit seiner Kaiserhof-Glasmanufaktur.

Die Routen des neuen Radpilgernetzes auf einen Blick: von 12 bis 90 Kilometer durch die ...
Die Routen des neuen Radpilgernetzes auf einen Blick: von 12 bis 90 Kilometer durch die Hochsteiermark.(Bild: Krone KREATIV)

Öffentlich anreisen, mit dem Rad ankommen
Wer kürzer treten möchte, wählt die zwölf Kilometer lange Runde durch die Walster und um den Hubertussee. Sie dient gleichzeitig als direkter Übergang vom Traisental-Radweg (Route 4) in den Radpilgerweg nach Mariazell.

Alle Etappen sind mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Die Anreise mit der Bahn ist ausdrücklich mitgedacht und macht das Radpilgern zur sanften Mobilitätserfahrung. Aus dem Norden und Osten bringt die Südbahn direkt zum Ausgangspunkt am Semmering, aus dem Westen gelangt man über den Murradweg-Korridor, aus dem Süden über Bruck an der Mur und Kapfenberg.

Reise-Informationen

Eine Anreise mit der Bahn wird schon unterwegs belohnt. Die Strecken durch die Hochsteiermark gehören zu den landschaftlich schönsten Österreichs. Verleihstationen für E-Mountainbikes und Ladestationen liegen an wichtigen Knotenpunkten des Netzes. Beschilderung und GPS-Daten stehen bereit. Für die Heimfahrt bieten sich Radtransporte oder die historische Mariazellerbahn Richtung St. Pölten an.

Erlebnisse für alle Generationen
Wer länger bleibt, entdeckt eine Region, die neben ihrer reichhaltigen Geschichte auch rund 170 Wanderwege durch die umliegende Bergwelt bietet. Die Bürgeralpe auf 1.267 Metern lohnt einen Ausflug. Man erreicht den Gipfel zu Fuß in etwas mehr als einer Stunde oder in zehn Minuten mit der Seilbahn direkt vom Ortszentrum.

Oben wartet ein Freizeitberg, der sich längst vom klassischen Skigebiet verabschiedet hat: Waldachterbahn, Holzknechtland, Seebühne auf dem umfunktionierten Beschneiungsteich und Wasserskilift machen den Berg zum Familienziel. Neu hinzu kommt ab heuer ein 3D-Bogenschießparcours mit bis zu 32 Stationen. Für 2027 sind zehn Kilometer Mountainbike-Trails für alle Könnerstufen geplant.

Wallfahrt neu gedacht
Früher kamen die Menschen zu Fuß nach Mariazell, später auch mit der Bahn, nun immer öfter mit dem Fahrrad. „Krone“-Fazit nach der Premierenfahrt: ein durchdachtes, abwechslungsreiches Wegesystem, das Radfahrer aktiv einlädt. Für jedes Niveau ist etwas dabei. Der Weg selbst ist bereits Teil des Erlebnisses. Mariazell gibt dem Ganzen den richtigen Abschluss.

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