Nächtliches „Sägen“ stört nicht nur den Partner – es kann auch ein Warnsignal sein. Was harmlos klingt, weist in manchen Fällen nämlich auf eine ernsthafte Schlafstörung hin. OA Dr. Maximilian Hartl klärt auf, wann Schnarchen unbedenklich und wann ärztliche Hilfe nötig ist. Plus: Welche Therapien helfen.
Schnarchen ist vor allem für den Bettpartner nervig. Doch manchmal steckt mehr hinter dem nervigen, lauten Geräusch: Es kann ein Hinweis auf eine ernsthafte Schlafstörung des „Sägenden“ sein.
„Schätzungen zufolge schnarchen rund 60% der Männer und 40% der Frauen“, erklärt OA Dr. Maximilian Hartl, Abteilung für HNO, Kopf- und Halschirurgie, Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern, OÖ, im Fachmagazin „Ärzte Krone“.
In vielen Fällen handelt es sich lediglich um „primäres Schnarchen“. Dabei vibrieren im Schlaf weiche Gewebe im Rachen, weil die Muskeln entspannen. Für die Gesundheit ist das normalerweise harmlos.
Anders sieht es bei der sogenannten obstruktiven Schlafapnoe (OSA) aus: „Hier kommt es immer wieder zu kurzen Atemaussetzern, weil die oberen Atemwege verengt oder sogar blockiert werden. Durch unterbewusste Weckreaktionen mit lauten Schnarchgeräuschen und dadurch fehlende Tiefschlafphasen sowie Sauerstoffentsättigungen kann sich der Körper nicht mehr ausreichend regenerieren. Dann besteht ein höheres Risiko, an Herz-Kreislaufleiden oder Diabetes mellitus zu erkranken“, berichtet der Facharzt. Oft bemerken Betroffene selbst nichts von ihren „nächtlichen Eskapaden“ und der drohenden Gefahr.
Für Personen mit Schlafapnoe, die eine CPAP-Maske nicht vertragen, gibt es andere Lösungen, z.B. den Zungenschrittmacher.

OA Dr. Maximilian Hartl, Abteilung für HNO, Kopf- und Halschirurgie, Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern
Bild: Werner Harrer
Außer sie deuten typische Anzeichen für obstruktive Schlafapnoe (OSA) richtig: Dazu zählen nächtliches Schwitzen, starke Müdigkeit am Morgen oder tagsüber, Kopfschmerzen und Konzentrationsprobleme. Häufig bemerkt zudem der Partner, dass die Atmung nachts unregelmäßig ist oder kurz aussetzt. Männer sind übrigens häufiger von Schlafapnoe betroffen als Frauen.
So stellen Ärzte die Diagnose „OSA“
„Die Abklärung beginnt meist mit einem ausführlichen Gespräch über Schlafgewohnheiten und Beschwerden. Fragebögen helfen zusätzlich, das Risiko einzuschätzen“, erörtert OA Dr. Hartl. Danach folgt oft eine Messung des Schlafs zu Hause. Diese Untersuchung wird Polygraphie (,,kleines Schlaflabor für zuhause‘‘) genannt. Ein Gerät zeichnet dabei Atmung, Körperlage(abhängigkeit) und Sauerstoffgehalt im Blut auf. „Immer mehr an Bedeutung gewinnen auch sogenannte Wearables (Smartwatches usw.) und KI-basierte Systeme, die zukünftig eine bedeutende Rolle spielen werden“, ergänzt er. Nur bei unklaren Befunden oder bestimmten CPAP (Continuous Positive Airway Pressure)-Maskenanpassungen ist eine Untersuchung im Schlaflabor nötig.
Konservative und chirurgische Therapien
„Goldstandard in der OSA-Behandlung ist die sogenannte CPAP-Maske, bei der durch leichten Überdruck der kollabierende Rachenschlauch geschient und offen gehalten wird. Eine andere Möglichkeit wäre die sogenannte Unterkieferprotrusionsschiene (eine Zahnschiene), die den Unterkiefer leicht nach vorn verlagert und so mehr Platz im Rachen schafft bzw. dort Blockaden verhindert“, erklärt der HNO-Facharzt.
Für Personen, die eine solche Maske nicht vertragen, gibt es andere Lösungen, z.B. den Zungenschrittmacher. „Dieser kleine implantierte Stimulator aktiviert während des Schlafs einen Nerv der Zunge. Diese bewegt sich dadurch leicht nach vorne, die Atemwege bleiben offen bzw. ein Verschluss wird verhindert. Betroffene schalten den Schrittmacher selbst mittels Fernbedienung vor dem Einschlafen ein“, informiert Dr. Hartl.
Außerdem gibt es Operationen mit und ohne Gewebeentfernung: „Bei der sogenannten Te-Uppp werden die Mandeln entfernt und der Bereich von Gaumen und Rachen verändert. Im Rahmen anderer Methoden wie der BRP werden spezielle Nahttechniken angewandt, womit anatomisch eine Erweiterung im Rachenschlauch erreicht werden kann“, ergänzt er.
Liegt nur harmloses „primäres“ Schnarchen vor, gilt eine Therapie medizinisch meist als nicht nötig. Manche Betroffene entscheiden sich jedoch trotzdem für einen Eingriff, bei dem überschüssiges Gewebe am weichen Gaumen entfernt oder das Gaumenzäpfchen gekürzt wird. Das kann die Geräusche reduzieren, die Erfolgsrate liegt bei 40–50%.
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