Kaum ein Name stand in den vergangenen Jahren so sehr für Aufbruchstimmung entlang der Südsteirischen Weinstraße wie jener des Investors Hans Kilger. Der Münchner wollte angeschlagene Betriebe retten und mit frischem Kapital neuem Glanz zuführen. Schien die Logik zu Beginn noch aufzugehen, erweist sich die „Causa Kilger“ zunehmend als Lehrstück über die Grenzen spekulativer Großinvestitionen.
Vom Loisium über den Jaglhof bis zum Buschenschank Warga-Hack: Über Jahre baute Hans Kilger ein weit verzweigtes Firmenimperium an den besten Lagen der Steiermark auf. Lange lief auch alles reibungslos, bis 2022 das Märchen erste Risse bekam, seither halten die wirtschaftlichen Turbulenzen in dem komplexen Gesellschafter- und Beteiligungsgeflecht an.
Nun ist ein neues Kapitel geschrieben: Über das Vermögen der Domaines Kilger GmbH wurde am Montag ein Konkursverfahren eröffnet – getuschelt wurde schon seit Tagen. Das Unternehmen mit Sitz in Gamlitz steht damit mehr denn je vor einer ungewissen Zukunft. Ob und wie eine Sanierung erfolgen kann, ist derzeit ebenso offen wie die Perspektive für Tochterfirmen, Mitarbeiter und Lieferanten entlang der Wertschöpfungskette.
„Wir wissen gar nichts“, sagt etwa Friedrich Partl, Bürgermeister von Gamlitz, über die Zukunft des Jaglhofs und des Schlosses Gamlitz. Hans Kilger selbst habe man über all die Jahre vor Ort nie persönlich gesprochen.
So steht die Südsteiermark heute vor der bitteren Erkenntnis, dass ein künstlich geschaffenes „Weinstraßen-Imperium“ ohne stabile Wurzeln – in lokalen Netzwerken, nachhaltigen Geschäftsbeziehungen und verantwortungsbewusster Regionalpolitik – schnell zerfallen kann. Am Ende zahlt die Zeche nicht der Investor, sondern die Partnerfirmen, Mitarbeiter und Lieferanten – und letztlich auch die Einheimischen, für die der Traum vom bescheidenen Eigenheim durch künstlich hochgetriebene Grundstückspreise unerreichbar bleibt.
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