Energieagentur-Chef:

Italien sollte Nein zur Atomkraft überdenken

Ausland
17.04.2026 12:42
Porträt von krone.at
Von krone.at

Die Italiener hatten sich 1987 – ein Jahr nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl – in einem Referendum für den Ausstieg aus der Atomenergie ausgesprochen. Die letzten Atomkraftwerke wurden 1990 stillgelegt. Doch in den letzten Jahren gibt es sowohl aus der Wirtschaft als auch der Politik immer lauter werdende Rufe nach einer Rückkehr laut. Nun appelliert auch der Direktor der Internationalen Energieagentur, die ablehnende Haltung bei Österreichs Nachbarn zu überdenken.

Fatih Birol argumentiert im Interview mit der italienischen Zeitung „La Stampa“ damit, dass Italien über begrenzte eigene Energiequellen verfüge. Zwar habe das Land große Fortschritte bei erneuerbaren Energien gemacht, doch brauche es auch eine stabile und kontinuierliche Energieversorgung. Für wirtschaftliche Stabilität, Energiesicherheit und nationale Souveränität sollte die Kernenergie deshalb sorgfältig geprüft werden – sowohl in ihrer klassischen Form als auch in Form neuer Reaktortypen, so Birol.

IEA-Direktor Fatih Birol
IEA-Direktor Fatih Birol(Bild: AFP/JUSTIN TALLIS)

Die Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni arbeitet bereits an einem neuen Rechtsrahmen, der den Weg für eine mögliche Rückkehr zur Kernenergie – einschließlich moderner Technologien wie modularer Reaktoren – ebnen könnte.

Warnung vor Sicherheitsrisiken und langer Bauzeit
Ein entsprechender Gesetzesentwurf soll in den kommenden Monaten im Parlament behandelt werden. Die Debatte bleibt in Italien politisch und gesellschaftlich umstritten. Kritiker verweisen auf Sicherheitsrisiken, hohe Investitionskosten und lange Bauzeiten von Atomkraftwerken.

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