
Der Grazer Finanzstadtrat Manfred Eber (KPÖ) verkündete am Mittwoch, dass bereits geplante Schulausbau-Projekte im Umfang von rund 113 Millionen Euro verschoben werden sollen. Die Direktoren der betroffenen Schulen sind verärgert. Man habe jetzt schon massive Platzprobleme und müsse Kinder abweisen.
Die Planungen sind weit fortgeschritten, die Vorfreude auf neue Räumlichkeiten und vor allem mehr Platz für weitere Klassen war groß – doch jetzt wurden vier Schulausbau-Projekte in Graz überraschend vorerst auf Eis gelegt. Wie berichtet, kündigte KPÖ-Finanzstadtrat Manfred Eber diese Woche an, aus budgetären Gründen – unter anderem – vier große Schulumbauten zu verschieben.
Betroffen sind die Mittelschule Dr. Renner, die Mittelschule Straßgang, die Volksschule Algersdorf sowie die Volksschule Bertha von Suttner und die angrenzende Mittelschule Albert Schweitzer, die zu einem gemeinsamen Campus ausgebaut werden sollen. Insgesamt wären dafür 113 Millionen Euro vorgesehen.
„Haben es aus Medien erfahren“
Am Freitag traten die betroffenen Direktoren gemeinsam vor die Presse – passenderweise vor einem Bauzaun bei der Mittelschule Dr. Renner, wo eigentlich im Herbst der Ausbau starten sollte. Doch nun musste Direktor Markus Hiebaum, wie seine Kollegen anderer Schulen, aus den Medien erfahren, dass die Projekte verschoben werden. Die Enttäuschung – auch ob der mangelnden Kommunikation – steht den Schulleitern nach monatelangen Planungs- und Vorarbeiten ins Gesicht geschrieben.
„Vor einer Woche hatten wir hier noch eine Bauverhandlung“, sagt Direktor Markus Hiebaum. An der im Jahr 1951 erbauten MS Dr. Renner sollen sich, neben einer Modernisierung, durch den Ausbau die Klassen verdoppeln, von derzeit acht auf 16. Wie alle betroffenen Schulen hat auch Hiebaum mit massivem Platzmangel zu kämpfen: „Ich musste in der letzten Anmeldephase bereits 30 Kinder abweisen, weil wir einfach keinen Platz mehr haben. Und das wird in den nächsten Jahren nicht besser werden, im Gegenteil. Der Ausbau ist dringend notwendig.“
Bildung und der Ausbau von Schulen ist kein Luxus, diese Ausbauten sind eine Notwendigkeit.
Thomas Papst, Direktor VS Bertha von Suttner
Eber verweist auf unsichere Rahmenbedingungen
Ins selbe Horn stößt Thomas Papst, Direktor der Volksschule Bertha von Suttner: „Was uns besonders wichtig ist: Bildung und der Ausbau von Schulen ist kein Luxus, diese Ausbauten sind eine Notwendigkeit“. Die Verantwortlichen wüssten genau, wie sich die Schülerzahlen in den nächsten Jahren entwickeln werden. „Es würde mit den geplanten Ausbauten schon knapp werden. Ohne Ausbau fehlt mir echt die Fantasie, wie das gehen soll“, so Papst.
Finanzstadtrat Eber reagierte am Freitag in einer Aussendung auf die Pressekonferenz der Direktoren und betonte zunächst, kein Projekt sei abgesagt, es handle sich nur um Verschiebungen. „Die Notwendigkeit der Projekte ist unbestritten – es ist jetzt jedoch nicht der richtige Zeitpunkt für entsprechende Beschlüsse. Ein Beschluss unter den aktuellen, unsicheren Rahmenbedingungen wäre mit erheblichen finanziellen Risiken verbunden und das wäre gegenüber der Stadt, den Schülern, den Lehrkräften sowie den Steuerzahlern nicht verantwortbar“, so Eber.
Verschiebung mindestens um ein Jahr
Zum zeitlichen Horizont betonte Eber, dass für die VS Bertha von Suttner und die MS Albert Schweitzer bereits im Herbst die Beschlüsse gefasst werden könnten – ursprünglich wäre der Baustart bereits mit Sommerferienbeginn geplant gewesen. Bei den anderen Vorhaben „könnte es zu einer Verschiebung von einem Jahr kommen“.
Mit Kritik legte am Freitag auch ÖVP-Bildungsstadtrat Kurt Hohensinner nach: „Ein derartiger, öffentlicher Schulterschluss von Direktionen über das ganze Stadtgebiet zeigt sehr deutlich, dass die Prioritäten in dieser Stadt dringend neu geordnet werden müssen.“ Unter kommunistischer Führung sei in Graz jede Planbarkeit verloren gegangen.
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