Protest von Anrainern

Routen-Änderung: Gemeinden befürchten Fluglärm

Steiermark
17.04.2026 12:34

In den steirischen Gemeinden Premstätten und Lieboch könnte es schon bald deutlich lauter werden. Grund dafür ist eine geplante Flugrouten-Änderung für vom Flughafen Graz startende Flugzeuge. Dadurch käme es zu mehr Flugbewegung über besiedeltem Gebiet. Die Gemeinden wollen das nicht so einfach hinnehmen.

Die Aufregung in Premstätten und Lieboch ist groß. Eine geplante Flugrouten-Änderung der Austro Control, die vom Grazer Flughafen startende Flugzeuge betrifft, könnte für die Anrainer der Gemeinden zu deutlich mehr Lärmbelästigung führen. „Ziel einer solchen Anpassung sollte es sein, sowohl Lärmbelastung als auch die Anzahl der betroffenen Menschen zu reduzieren – nicht diese zu erhöhen“, betont der Premstättener Bürgermeister Matthias Pokorn (ÖVP).

Worum geht es?
Der Plan der Austro Control bezieht sich auf die am häufigsten verwendete Abflugroute des Flughafens Graz – unter Fachpersonal auch als MILGO 6G bekannt – und sieht vor, dass Flugzeuge künftig nach dem Start früher nach Norden abdrehen. Grund für diese Änderung ist die Erhöhung der Sicherheit bei gleichzeitiger reduzierter Komplexität. 

„Ein bedeutungsvoller Vorteil der geplanten Anpassung besteht darin, dass die neue Streckenführung den nach Süden startenden Verkehr früher aus der Anflugbahn der aus Süden kommenden, landenden Flugzeuge herausführt. Dadurch wird ein potenziell kritisches Konfliktszenario entschärft, was zu einer substanziellen Steigerung der Flugsicherheit beiträgt“, heißt es in der offiziellen Information der Austro Control.

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Ziel einer solchen Anpassung sollte es sein, sowohl Lärmbelastung als auch die Anzahl der betroffenen Menschen zu reduzieren – nicht diese zu erhöhen.

Matthias Pokorn, Bürgermeister von Premstätten

Zudem wird betont, dass es durch die Änderung zu einer Entlastung der südlich des Flughafens gelegenen Anrainergemeinden kommt, die bisher durch den anliegenden Verkehr besonders stark belastet sind. Ein weiterer Pluspunkt: Durch die frühere Drehung der Flugzeuge entsteht eine kürzere Flugstrecke, was sich positiv auf die Menge ausgestoßener Schadstoffe auswirkt.

3000 Menschen mehr von Lärm betroffen
Was auf den ersten Blick wie eine klare Verbesserung wirkt, sorgt in den Gemeinden Premstätten und Lieboch aber für Kritik: „Eine Änderung der Flugroute würde bedeuten, dass Flugzeuge künftig vermehrt über dichter besiedeltes Gemeindegebiet fliegen. Gleichzeitig wären sie in diesen Bereichen in geringerer Höhe unterwegs – und damit deutlich stärker wahrnehmbar“, hält Pokorn fest.

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Fluglärm endet nicht an Gemeindegrenzen. Deshalb treten wir gemeinsam mit der Marktgemeinde Premstätten gegen die geplante Routenänderung auf.

Stefan Helmreich, Bürgermeister von Lieboch

Die Ergebnisse der Lärmanalyse der Austro Control belegen diese Bedenken schwarz auf weiß: Insgesamt 13.287 Menschen leben derzeit im überflogenen Gebiet der aktuellen Streckenführung der MILGO 6G. Startet ein Flugzeug in Graz, liegt die Lärmbelastung für sie zwischen 60 und 80 Dezibel. Drehen Flugzeuge künftig aber bereits früher und tiefer in Richtung Norden ab, würden rund 16.252 Menschen innerhalb der lärmbelasteten Zone wohnen. Also knapp 3000 Personen mehr als das aktuell der Fall ist. 

„Keine zusätzliche Belastung!“
„Lärmschutz ist Lebensqualität. Wir werden alle verfügbaren fachlichen und technischen Optionen prüfen“, versichert Pokorn. Unterstützt wird er dabei auch von Liebochs Bürgermeister Stefan Helmreich (ÖVP). „Es darf nicht sein, dass Flugrouten, die bisher großteils über unbesiedeltes Waldgebiet südlich unserer Gemeinden verlaufen, für minimale Einsparungen bei Treibstoff und CO2-Zertifikaten aufgegeben werden – zum Nachteil der Lebensqualität unserer Bevölkerung“, stimmt er seinem Amtskollegen zu.

Die beiden Gemeinden fordern eine Lösung, die keine zusätzliche Belastung für die Bevölkerung bringt. Bereits in der kommenden Woche ist seitens der Marktgemeinde Premstätten ein Gespräch mit der Geschäftsführung des Flughafens Graz sowie der Austro Control angesetzt.

In der Zwischenzeit können Anrainer auch selbst aktiv werden: Bis 1. Mai läuft eine öffentliche Stellungnahmefrist. Dabei können Bürger persönliche Bedenken einbringen und so Einfluss auf das Verfahren nehmen. Die Marktgemeinden Premstätten und Lieboch rufen die Bevölkerung dazu auf, diese Möglichkeit zu nutzen. Möglich ist das online bei der Austro-Control oder per E-Mail.

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